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Der Telebasel News Beitrag vom 27. August 2019.

Baselland

«Das ist ein absolutes No-Go!»

In Pratteln soll schon bald eine Strasse dort durch führen, wo jetzt Schrebergärten stehen. Die Pächter müssen ihre Gärten verlassen – und sind genervt.

«Es ist für uns alle sehr traurig. Teilweise sind die Leute seit 40 Jahren hier und für viele ist es wie die zweite Heimat», erzählt Anja Pignataro. Sie gehört zu den Pächtern der Schrebergärten westlich der Prattler Frenkendörferstrasse, die gemeinsam gegen die Bau- und Umweltschutzdirektion (BuD) kämpfen.

Strassenbau führt zu Abriss der Schrebergärten

Weil die Rheinstrasse in Pratteln verlegt wird, müssen die Pächter bis Ende September ihre Schrebergärten räumen. Zunächst hiess es, die Betroffenen könnten bis Ende des Jahres bleiben, kurze Zeit später erhielten die Hobbygärtner allerdings ein Schreiben vom Kanton, dass sich «ein Tippfehler» eingeschlichen habe, wie sich Anja Pignataro erinnert.

Dennoch kam die Kündigung nicht unerwartet, wie die «Basler Zeitung» schreibt. Bereits vor fünf Jahren habe der Kanton als Landeigentümer Eigenbedarf angemeldet und eine Kündigung per Ende 2015 angekündigt. Wegen Verzögerungen beim Strassenbau wurden die Pachtverträge jeweils Jahr um Jahr verlängert.

Pächter müssen Rückbau selber zahlen

Jetzt ist die Kündigung definitiv. Für viele Pächter eine grosse emotionale, aber auch eine finanzielle Belastung. «Der Rückbau kostet rund 2’500 bis 4’500 Franken», gibt Anja Pignataro zu bedenken. Sie und ein weiterer Pächter haben erst kürzlich ihre Schrebergärten für mehrere hundert Franken erworben.

Sie konnten erwirken, den Rückbau nicht selbst zahlen zu müssen. Diese Ausnahmeregelung gilt aber nur für sie beide. «Das ist nicht fair. Die anderen sollten auch nichts zahlen müssen», findet Pignataro.

Zu spät für Einsprachen?

Im Idealfall solle es aber gar nicht erst so weit kommen. «Das ganze Projekt ist umstritten. Es kann doch in der heutigen Zeit der Klimadebatte nicht sein, dass ein Stück Natur mit Störchen, Falken, Libellen, Eidechsen, Holzbienen und vielen weiteren Tieren einfach kaputt gemacht wird. Das ist ein absolutes No-Go!», empört sich die Pächterin.

Für Einsprachen sei es allerdings zu spät, heisst es bei der BuD. Das genannte Projekt sei im Rahmen des regulären Verfahrens als kantonaler Nutzungsplan rechtskräftig geworden: «In diesem Verfahren konnten sich alle davon Betroffenen einbringen oder dagegen zu Wehr setzen. Von den Pächtern der Familiengärten sind keine Einsprachen eingegangen», so Nico Buschauer von der BuD.

Kanton bemühte sich um Alternativen

Ausserdem habe der Kanton für die Pächter nach Alternativen gesucht. Er habe Schrebergartenvereine kontaktiert, um allfällige Alternativen zu prüfen. Dabei habe der Verein Familiengärten FGV Widen, der in Nähe der jetzigen Scherbergärten liege, Hand geboten. «Eine Familie hat nun bereits einen Familiengarten des Vereins Widen bezogen, andere Pächter wollten dem Verein nicht beitreten.», so Buschauer.

Die Pächter wollen sich dennoch mit «Ungehorsam und Widerstand» durchsetzen, wie sie selbst sagen, um ihr Stückchen Heimat zu behalten. Für eine Initiative mit dem Titel «Salina Raurica Ost bleibt grün» sammeln die Pächter momentan Unterschriften.

2 Kommentare

  1. Der Text bedarf faktischer Korrekturen.

    Die beiden Pächter erwirkten nicht vor Gericht, dass sie den Rückbau nicht selbst finanzieren müssen. Es ist das Ergebnis einer juristenfreien, hartnäckigen und direkten Kommunikation der Betroffenen Pächter mit dem BUD.

    Es sind nicht 28 Pächter. Es sind ja nur 19 Gärten insgesamt. Und natürlich werden auch unter den Pächtern einige Unterschriften für die Initiative “Salina Raurica Ost bleibt grün” sammeln, sobald sie im Amtsblatt publiziert wurde. Von den eigentlichen Initianten dieser Initiative ist jedoch keiner Pächter im betroffenen Gebiet. Pächter und Initianten haben sich solidarisiert.

    In den Vereinen der Familiengärten ist alles reglementiert. Einen Garten nach der Philiosophie der Permakultur anzulegen ist in einem solchen Korsett kaum möglich.

    Für Einsprachen zu spät? Das mag sein. Man bedenke aber: in Kaiseraugst stand bereits schweres Gerät auf dem Baugelände, als sich die Bevölkerung zum Widerstand entschied. Und wo ist das AKW Kaiseraugst? Es wurde trotz rechtskräftigen Beschlüssen nie gebaut.Report

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