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Ex-Vatikan-Finanzchef Pell bleibt in Haft

Der wegen Kindesmissbrauchs verurteilte frühere Vatikan-Finanzchef George Pell muss im Gefängnis bleiben. Ein Gericht in Melbourne hat die Berufung abgelehnt.

Der Oberste Gerichtshof in Melbourne bestätigte eine Verurteilung wegen Missbrauchs von zwei minderjährigen Chorknaben aus erster Instanz. „Er wird seine sechsjährige Haftstrafe weiter absitzen“, sagte Richterin Anne Ferguson. Pell kann damit frühestens 2022 entlassen werden. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Fall vor dem High Court, Australiens oberstem Gericht, landet.

Pell hatte auf einen Freispruch gehofft. Die Vorwürfe weist er zurück. Das jüngste Urteil nahm er ohne grosse Regung auf.

Als Finanzchef war Pell unter Papst Franziskus jahrelang praktisch die Nummer drei in der Hierarchie der katholischen Kirchenstaats. Wegen der Missbrauchsvorwürfe liess er das Amt dann jedoch ruhen und kehrte aus Rom nach Australien zurück. Schliesslich wurde er im März als ranghöchster Geistlicher in der Geschichte der katholischen Kirche wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt. Das Urteil des Geschworenengerichts erging einstimmig.

Chorknaben in Kathedrale missbraucht

Die Vorwürfe reichen in die Jahre 1996/97 zurück, als Pell gerade Erzbischof von Australiens zweitgrösster Stadt Melbourne geworden war. Nach einem Gottesdienst in der St-Patrick’s-Kathedrale soll er sich an zwei Chorknaben vergangen haben, die erst 13 Jahre alt waren. Einen der Jungen zwang er demnach zum Oralsex. Zudem soll ihn Pell später abermals bedrängt haben. Von den damaligen Knaben lebt nur noch einer. Der 35-Jährige war im Prozess der entscheidende Belastungszeuge.

Pell wollte dieses Urteil nun mit Verweis auf Verfahrensfehler aufheben lassen. Zudem argumentierte die Verteidigung, dass es dem Geistlichen schon wegen der Bischofsgewänder unmöglich gewesen wäre, die Jungen in so kurzer Zeit zu missbrauchen. Der Supreme Court – das höchste Gericht des Bundesstaats Victoria – sah dies jedoch anders. Die drei Berufsrichter lehnten die Berufung ab. Die Entscheidung erging mit einer Mehrheit von 2:1.

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