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Der Telebasel News Beitrag vom 18. August 2019.

Basel

Das letzte Date bei den «Delifoonkabine»

Die legendären Telefonkabinen am Barfüsserplatz wurde mit einem Fest verabschiedet. Was bleibt, sind viele schöne Geschichten.

Alles ist perfekt, wie damals im April 1993. Claudia und Stefan Schmuckli aus Münchenstein reisen separat nach Basel: Sie mit dem Tram, er mit dem Velo. Das Ehepaar hat am Samstag noch einmal ein Date bei den Telefonkabinen am Barfüsserplatz in Basel, bevor die Kabinen ins Historische Museum Basel (HMB) kommen.

Auch ihr allererstes Date hatten die Beiden an diesem Ort. «Ich war wahnsinnig nervös», sagt Stefan Schmuckli und schaut seine Frau liebevoll an. Die beiden seien dann in die Brötli-Bar gegangen, um sich zu stärken. «Den Abend liessen wir auf der Pfalz ausklingen», schwärmt Claudia Schmuckli. «Es war wirklich romantisch». Und: «Es hat gehalten», sagt Stefan Schmuckli.

Ein weiteres Date an diesem Ort wird es aber nicht geben, weil die Swisscom die Telefonkabinen in der Stadt nach und nach abbaut. Telebasel hat berichtet.

Von der ersten Stunde an dabei

Eine spezielle Beziehung zu den Telefonkabinen am Barfi hat auch Kurt Kamber aus Birsfelden. Am 9. Mai 1974 war er für die Erstinbetriebnahme der Barfi-Telefonkabinen verantwortlich. Festgehalten ist das auch in einer kleinen Agenda mit Ledereinband und Goldrändern aus dem Jahr 1974, die Kamber mitgenommen hat.

Weil ein neuer Boden gemacht wurde, hätten die Telefonkabinen zum Boden passen müssen, erinnert sich Kurt Kamber. «Ich war Telefonkontrolleur und seinerzeit für die 25er-Nummern zuständig», erzählt er und seine Augen strahlen. Zwischen dem Braunen Mutz und dem Hotel Drei Könige und zwischen dem Spalentor und der Aeschenvorstadt musste er alle neuen Telefonapparate begutachten. An etwas erinnert sich Kurt Kamber noch besonders: «Im Restaurant Brauner Mutz hatte es auch eine Telefonkabine. Da wurden Gäste, die einen Anruf erhielten, dann mit dem Mikrofon ausgerufen. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen».

Kurt Kamber im Interview.

Schweizweit einzigartig

Die Swisscom übergab die Telefonkabinen am Samstagabend feierlich ans Historische Museum Basel. «Diese Kabinen sind schweizweit einzigartig», sagt Esther Hüsler, Medienverantwortliche der Swisscom. Selten finde man einen Ort mit so vielen Emotionen, Liebesgeschichten und Heimwehdramen wie diesen. «Wenn eine Kabine abgebaut wird, bieten wir sie meistens der Stadt an», so Esther Hüsler. Und dank grossem Engagement von «Kulturstadt Jetzt» gelangt die Kabine ins Museum.

Zuerst muss sie aber noch gereinigt und auseinander genommen werden. «Dann werden sie gelagert, um bald möglichst in einer neuen Ausstellung gezeigt werden zu können», wie Patrick Moser, Kurator für Zeitgeschichte im Historischen Museum Basel erklärt. Er selber habe seine Verabredungen aber immer vis-à-vis von den Telefonkabinen getätigt, weil es zu viele Leute gehabt habe, sagt er.

Esther Hüsler, Medensprecherin der Swisscom AG im Interview.
Patrick Moser, Kurator für Zeitgeschichte im Historischen Museum Basel im Interview.

Momentan sammelt das HMB Geschichten von Menschen, die etwas mit den Telefonkabinen erlebt haben. Diese Erinnerungen werden aufgenommen und dann in die Ausstellung eingebunden. Besucher sollen in den Telefonkabinen die Geschichten hören können.

Mit dem Fest unter dem Motto «Aadie Delifoonkabine» werden die Telefonkabinen am Samstagabend gebührend verabschiedet. Und während die Gäste noch anstossen und ihre Erinnerungen austauschen, machen sich Claudia und Stefan Schmuckli auf, um ihre aufzufrischen. Auf zu einem Date wie damals, als alles begann. Ende gut, alles gut.

Mehr dazu in den Telebasel News vom 18. August 2019 um 18:30 Uhr und ab 19 Uhr stündlich.

1 Kommentar

  1. Als im Ausland lebende Heimwehbaslerin habe ich unzählige Male am Morgestreich die ersten Töne mitgehört..
    eben aus dieser Telefonkabine! Meine Freunde machten es möglich! Damals gab’s noch keine Möglichkeit, den Morgestreich per Internet o.ä. zu erleben!
    Es isch immer heerlig gsi und e paar Träne sinn au gflosse…!
    Cornelia Schaffner SchlichtReport

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