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Der Telebasel Talk vom 15. August 2019.

Basel

Gölä und Trauffer: Dreck im Gesicht und Gold in den Händen

Die beiden CH-Volksrocker Gölä und Trauffer bringen ihre erste gemeinsame CD heraus und füllen das Letzigrundstadion. Im Talk sprechen sie über ihren Erfolg.

Wer meint, Gölä und Trauffer lösten mit ihrer Musik und ihren Auftritten nur süss-taumelige Sentimentalität aus, lese die Kommentarspalten. Da spielt sich etwas Ähnliches ab, wie wenn Christoph Blocher ein Interview gibt. Auf der einen Seite der Zuspruch der Fans. Aber auf der anderen Seite fühlen sich Bürgerinnen und Bürger in breiter Front gereizt  und dazu aufgerufen, gegen die oberflächlichen Klischee-Texte, das reaktionäre Schweiz-Bild der beiden CH-Volksrocker und gegen Göläs «Büezer»-Image ins Feld zu ziehen.

Bei allen dreien, Gölä, Trauffer, Blocher, könnte man sich fragen, ob der wütend geäusserte Unwille – inklusive säuerlicher Rezensionen – nicht mindestens die Hälfte des Aufwinds zum Erfolg ausmacht.

Männer-Beziehung: Wer ist der Stärkere?

Zusammengekommen seien Gölä und Trauffer, weil das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug beide für einen Schwingfest-Song angefragt habe. Aber das ist letztlich egal. Die Story des Pop-Duetts klingt für die Fans schon wie ein Happy End. Alles zielt perfekt auf das Handmade-Image: Wir machen, was uns Spass macht, egal was andere sagen, wir sind frei und unabhängig, bei uns Schweizern reicht als Vertrag der Handschlag.

Heraus kam der Song «Maa gäge Maa». Botschaft: Die wahre Beziehung zwischen Männern besteht darin, dass man im Kampf ausmacht, wer der Stärkere von beiden ist. 

Immerhin, der Spass der beiden, der immer wieder als innere Beglaubigung herhalten muss, scheint echt zu sein. Selten hatten man den melancholisch-mürrischen Gölä öffentlich so offen wie auf den aktuellen Videos oder Presseterminen gesehen. Am Ende des Videos erlauben sie sich eine karikaturistische Spitze gegen ihren Übervater Polo Hofer: Zwei Schwinger klampfen unbelastet von instrumentellen Anfängerkenntnissen den Mundart-Überhit «Alperose». Die Polo-Jünger Gölä und Trauffer wenden sich angewidert ab.

Sonnenuntergänge und «Uff u dervo»

Innerhalb zweier Monate haben Gölä und Trauffer das Letzigrundstadion (48’000 Tickets) für ihr Konzert am 22. August 2020 ausverkauft. Sowas schaffen normalerweise nur globale Mega-Acts. Der «Tages-Anzeiger» hat ausgerechnet, dass ihnen das einen Einnahme-Segen von fünf Millionen Franken beschert. Gut möglich, dass ihnen das auch beim nachgezogenen Zusatzkonzert gelingt. Ebenso, dass die letzte Woche erschienene gemeinsame CD «Büetzer Buebe» subito an die Chartspitze springt.

«Das erste Büetzer-Buebe-Album ist nichts, was eine tiefere Betrachtung verdient, weil es sich selbst jegliche Tiefe verbietet», notierte eine Kritikerin des «Tagi». Wohl wahr, wenn der höhere Anspruch bei erklärten Unterhaltungs-Unternehmern überhaupt ein Thema ist.

Erfolg ist oft etwas furchtbar Eindimensionales von manchmal beinah beleidigender Geheimnislosigkeit. Die «Büetzer-Buebe» docken dort an, wo die meisten von uns stehen. Wir posten aus den Ferien Sonnenuntergänge, und Gölä singt «Uff u dervo». Auch andere Mundart-Helden besangen schon erfolgreich das Fernweh, sicherlich raffinierter, aber nicht weniger sentimental.

1 Kommentar

  1. Ich kenne von uf u dervo zwar nur die Coverversion von Lo und Leduc, muss aber sagen das Lied hat sehr viel Tiefgang. Ein wirklich schönes Lied auch wenn es etwas traurig ist.Report

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