Ein Polizist verhaftet einen Demonstranten während einem Protest am Hongkonger Flughafen am Dienstag. (Bild: Keystone)

International

Festnahmen nach Gewalt am Hongkonger Flughafen

Nach den chaotischen Szenen am Hongkonger Flughafen wurden fünf Männer festgenommen. Die Regierung verurteilt die Gewalt der Demonstranten.

Nach den chaotischen Szenen am Vorabend hat Hongkongs Regierung die Gewalt von Demonstranten am Hongkonger Flughafen verurteilt. Es habe sich um «entsetzliche Taten gehandelt», sagte ein Sprecher der Hongkonger Regierung laut der Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch.

Fünf Männer seien wegen illegaler Versammlung, Besitz von Offensivwaffen, Übergriffen auf die Polizei und Sabotage des sozialen Friedens festgenommen worden. Die Regierung der Sonderverwaltungszone habe ihre «schwerste Verurteilung» ausgesprochen. Die Polizei werde den Fall weiterverfolgen und die Verdächtigen vor Gericht stellen.

Flughafen erlässt Protest-Verbot

Der internationale Flughafen hat mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Demonstranten reagiert. Mit der Verfügung seien die Beteiligung an Protesten oder Demonstrationen auf dem Gelände des Flughafens verboten.

Wie der Flughafen in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt, sollen damit «Personen davon abgehalten werden, rechtswidrig und vorsätzlich die korrekte Nutzung des Flughafens zu behindern oder stören».

Demonstranten hielten Geiseln

Am Dienstag waren Polizisten mit Schlagstöcken, Helmen und Schilden in das besetzte Flughafengebäude eingedrungen, um einem Mann zu helfen, der über Stunden von Demonstranten festgehalten und beschuldigt worden sei, ein Agent vom chinesischen Festland zu sein. Zwischen Demonstranten und der Polizei ist es zu gewaltsamen Zusammenstössen gekommen. Sanitäter brachten den festgehaltenen Mann schliesslich aus dem Flughafen. Vor dem Gebäude wurden Polizeifahrzeuge angegriffen und Fenster eingeschlagen.

Die Demonstranten hielten zeitweise auch einen zweiten Mann fest, den sie ebenfalls beschuldigten, als Agent zu arbeiten. Sie fesselten ihn mit Kabelbindern, einige Demonstranten versuchten ihn zu schlagen. Hu Xijin, Chefredakteur der chinesischen Zeitung «Global Times» schrieb auf Twitter, dass es sich bei dem Mann um einen Reporter seiner Zeitung gehandelt habe.

Augenzeugen zufolge öffneten am Mittwoch Check-In-Schalter wieder und es bildeten sich davor Schlangen hunderter gestrandeter Reisender. Arbeiter reinigten unterdessen das Gebäude von Blut und beseitigten Trümmer.

Reaktion Chinas

Angesichts der anhaltenden Proteste wies US-Präsident Donald Trump darauf hin, dass China aktuell Truppen an der Grenze zu der Metropole in Stellung bringt. Darüber sei er von den US-Geheimdiensten informiert worden, schrieb Trump auf Twitter. Verschiedene Medien hatten zuletzt über eine zunehmende Präsenz chinesischen Militärs an der Grenze zu Hongkong berichtet. Zu Beginn der Woche verbreiteten auch Staatsmedien Videos von gepanzerten Fahrzeugen der paramilitärischen Polizei, die in Shenzhen an der Grenze zusammengezogen wurden. Es habe sich um eine Übung gehandelt, hiess es dazu.

Keine Einfahrt für US-Kriegsschiffe

Die chinesische Regierung verweigerte nach Angaben des US-Aussenministeriums zwei amerikanischen Kriegsschiffen einen Aufenthalt im Hafen von Hongkong. Die Regierung in Peking habe entsprechende Anfragen abgelehnt, hiess es. Der Aufenthalt der beiden Schiffe in Hongkong sei «in den nächsten paar Wochen» geplant gewesen. Einzelheiten wurden nicht genannt. Die US-Seite verwies für weitere Details an die Regierung Chinas. Das Verhältnis beider Länder ist derzeit durch erbitterte Handelskämpfe sehr belastet.

In Hongkong kommt es seit mehr zwei Monaten immer wieder zu massiven regierungskritischen Protesten, die regelmässig mit Ausschreitungen enden. Auslöser war ein – inzwischen auf Eis gelegter – Gesetzentwurf der Regierung zur erleichterten Auslieferung mutmasslicher Krimineller an China. Die Proteste entwickelten sich zu einer breiteren Bewegung.

Chinas Regierung hatte zuletzt immer energischer gemahnt, die Ordnung in der Sonderverwaltungszone wieder herzustellen und die Gewalt zu beenden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*