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Der Telebasel Report vom 14. August 2019.

Basel

Report: Baslerin in der Flüchtlingshölle

Auf der griechischen Insel Samos stranden täglich Flüchtlinge. Die Bedingungen sind katastrophal. Mittendrin: eine Baslerin.

Sie leben im eigenen Kot, Pinkeln überall, wo es halt geht, denn Toiletten gibt es keine im «Dschungel».  Dafür tausende Zelte, Abfallberge und Schlangen. «Dschungel» – so nennen die Flüchtlinge auf Samos das slum-artige Ghetto, das sich rund um das offizielle Flüchtlingscamp auf der Insel gebildet hat.

Slum-artige Zustände im sogenannten “Dschungel”. (Bild: Telebasel)

4’500 Flüchtlinge, 650 Plätze

Das Camp liegt auf der kleinen griechischen Insel Samos. Dank seiner Nähe zur Türkei ist die Insel seit Jahren eine wichtige Anlaufstelle für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Das Problem: Ursprünglich wurde das Camp für 650 Flüchtlinge eingerichtet. Heute leben rund 4’500 Menschen aus Syrien, Afghanistan oder verschiedensten Ländern Afrikas auf Samos. Das Camp platzt aus allen Nähten. Wer neu ankommt, muss selber schauen, wo er unterkommt. Meist gibt es nur eine Option: den «Dschungel».

(Video: Telebasel)

Leben zwischen Schlangen und Ratten

Im «Dschungel» leben alle, die in den Containern des offiziellen Camps keinen Platz mehr finden. Aus Abfall, Planen und herumliegendem Holz bauen sie sich behelfsmässige Unterkünfte. Einige konnten Camping-Zelte auftreiben, andere spannen einfach eine Plane über ein Seil.

So entstand über die letzten Jahre rund um das eingezäunte Flüchtlingscamp eine Art Slum mit über 4’000 Menschen. Der Dschungel liegt an einem steinigen Hang. Im Sommer heizt er sich auf, regelmässig auf über 35 Grad. Das mögen nicht nur die Urlauber auf der Insel, sondern auch die vielen Schlangen. Mangels Toiletten und Abfallcontainern liegt überall Dreck herum: Kot, Müll – ein Paradies für tausende Ratten.

Zwischen Müll und Essensresten lebt es sich gut – als Ratte: Von denen gibt es Tausende im Camp. (Bild: Telebasel)

Gesundes Essen: Fehlanzeige

Hauptproblem, so erzählen es die Flüchtlinge vor Ort, sei aber etwas anderes: die Nahrung. Fünf Stunden stünden sie teilweise für etwas zu essen an. Die offiziellen Essensrationen: kaum geniessbar. Nährstoffe oder gesunde Zutaten suche man vergebens. Und genau hier kommt eine Baslerin ins Spiel. Fiona Wolownik sieht das Problem während eines Volunteer-Einsatzes auf der Insel mit eigenen Augen. Für die diplomierte Tourismusfachfrau und ehemalige Leiterin einer Catering-Abteilung ist klar: So kann es nicht weitergehen.

Nahrung für die Ärmsten der Armen

Sie bricht ihre Zelte in der Schweiz ab und gründet auf Samos das Projekt Armonia. Ziel ist es, den bedürftigsten Menschen im Camp gesunde Mahlzeiten anbieten zu können: älteren Menschen, schwangeren Frauen, stillenden Müttern, Babies. Und tatsächlich: Seit anfangs August hat sie ihr Projekt verwirklicht. Gelingen konnte das nur durch Spenden. Das Flüchtlings-Restaurant auf Samos läuft mittlerweile auf Hochtouren.

Die Baslerin Fiona Wolownik (mitte) instruiert die Volunteers in ihrem Restaurant Armonia. (Bild: Telebasel)


Der Telebasel Report hat die Baslerin in den turbulenten ersten Tagen auf Samos begleitet. Reporter Nicolas Bieri schaut direkt vor Ort in die Küche des einzigen offiziellen Flüchtlings-Restaurants der Insel, spricht mit Flüchtlingen vor Ort und zeigt das Elend des Dschungels erstmals einem Schweizer Publikum.

Im Vorfeld des Reports erzählt Reporter Nicolas Bieri im Telebasel Talk zudem von seinen Erfahrungen im Flüchtlingscamp von Samos. Wie schlimm ist die Situation wirklich?

Der Telebasel Talk vom 14. August 2019.

Mehr zum Hilfsprojekt Armonia finden Sie hier.

Mittwoch, 14. August 2019:
18:40 Uhr: Telebasel Talk mit Reporter Nicolas Bieri
19:40 Uhr: Telebasel Report: «Baslerin in der Flüchtlingshölle» Teil 1

Mittwoch, 21. August 2019:
19:40 Uhr: Telebasel Report: «Baslerin in der Flüchtlingshölle» Teil 2

4 Kommentare

  1. Einerseits ein guter Report, andererseits fehlt mir die Objektivität ein wenig.
    Jedes einzelne Schicksal ist tragisch. Die gezeigten Personen sind mir fast alle symphatisch. Die würde ich gerne in unsere Gesellschaft aufnehmen.

    Man muss es aber auch so sehen:
    Die Frau, die im Camp wohnt reklamiert, dass es überall schmutzig ist und Müll rum liegt. Warum ändert sie denn nichts daran? Im “Palästinenser-Viertel” ist schön aufgeräumt und z.B. die Plastikflaschen sind alle schön in einer Kiste. Man könnte auch selbst etwas dazu beitragen und nicht immer nur fordern.
    Zudem sagt die Frau dass Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind, weil es z.b. keine Türen bei den Duschen gibt. Wenn dies schon reicht, dass Vergewaltigungen AN DER TAGESORDNUNG?!? sind, dann will ich diese Personen die das tun (und auch alle die davon wissen und mitbekommen und nichts verhindern) aber ganz sicher nicht in unserer Gesellschaft.
    Viele Probleme im Camp sind vom Staat her nicht zu verantworten, dass steht für mich ausser Frage. (somit gut dass das gezeigt wird) Aber viele der Dinge über die sie sich beklagen sind ein Stück weit auch selbst verschuldet.

    Es gibt ja bekanntlich nicht “Die Flüchtlinge” und das ist auch recht so. Aber genau so wie einige herzensgute Menschen sind, die ich noch so gerne unterstütze, hilft es der Thematik nicht, so zu tun als wären das ALLES ganz arme Menschen, die ein riesen Gewinn für unsere Gesellschaft sind. Ein Teil ist es, ein Teil aber auch nicht.

    Man hätte die Flüchtlinge anhand der Situation auch als faule fordernde Schweine und Vergewaltiger darstellen können.. (wäre auch nicht recht) aber einfach nur die eine Seite zu zeigen unterstützt Recht(sextrem)e Kreise, weil die Menschen sich von den Medien verarscht fühlen. Das ist gefährlich.Report

  2. Ich bin tief berührt wie selbstlos und mit voller Kraft dieses Projekt entstanden ist.
    Entlich sehe ich gute Nachrichten
    die mich Hoffen lassen ,dass die Flüchtlinge nicht länger unter dem Motto , mir egal ich schoppe weiter
    und Nachrichten schaue ich nicht mehr ,vertrage ich nicht ,sterben in einer unmenschlichen unbeschreiblichen Art vor unsren Augen die erblindet scheinen.
    Ich danke Euch von ganzem Herzen ihr macht wo so viel zu viele wegsehen .ich wünsche Euch alle erdenkliche Kraft .
    Gott schütze Euch.
    Ich hätte gerne das SpendenkontoReport

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