Basel

Trinkende Linke und sprechende Velos

Ob Glacé-Mobil, Wander-Sofa oder Poetry Slam: Vor den Nationalratswahlen buhlen die Kandidierenden mit ausgefallenen Wahlkampfaktionen um die Wette.

Luca Urgese steht als «Glacé-Männli» auf der Strasse – zumindest während zwei Tagen. Der Präsident der Basler FDP will am Wochenende mit einem Gelati-Mobil durch Basel tuckern und die Passanten beschenken. Damit wolle er auf seine Wurzeln anspielen:  «Ich habe mir überlegt, was für die Italianità steht – und da ist mir der Glacéwagen in den Sinn gekommen», erklärt der Nationalratskandidat. «Es geht darum, Möglichkeit zu schaffen, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen», sagt Urgese. Berappt werde das Glacé aus der Kasse des persönlichen Wahlkampfkomitees.

Auf Gratis-Gefrorenes setzt auch Sarah Wyss (SP) im Wahlkampf. Mit selbstgemachter Glacé in der Kühlbox will sich die Kandidatin am Wochenende ans Rheinbord begeben. Das Wichtigste sei der Kontakt mit den Leuten. Übertreiben müsse man aber bei Wahlkampfaktionen nicht. «Ich habe nicht das Gefühl, dass es dazu Sauglattismus braucht», sagt Wyss. Oft täten’s auch ganz klassische Formen wie ein Infostand.

Mit dem Sofa zur Wasserschlacht

«Trinken mit Linken» ist dagegen bei der Basta angesagt. Die Partei tingelt unter diesem Motto und mit einem Sofa zu verschiedenen Quartierfesten. Wie Co-Präsidentin Tonja Zürcher sagt, soll die Sitzgruppe zusammen mit Drinks, ob mit oder ohne Alkohol, bald auch bei einem speziellen Anlass dabei sein. Die Partei will sich gar mit dem Sofa am Samstag gleich neben ein nasses Getümmel mit Wasserballonen und -pistolen begeben. Die Sitzgruppe soll auf die Dreirosenbrücke wandern, gleich bei der Wasserschlacht 4057 versus 4056 – wohlgemerkt auf der anderen Trottoirseite. Ob das klappt, sei aber noch offen, so Tonja Zürcher.

Ausgefallene Wahlkampfaktionen kennt man in Basel vor allem von vergangenen Regierungsratswahlen. So grillte einst Lukas Engelberger «Burger für Bürger» und beim jetzigen Sicherheitsdirektor hiess es «auf ein Bier mit Baschi Dürr». Nicht zu vergessen ist auch die Badehosen-Aktion der bürgerlichen Regierungsratskandidaten von 2016, die einigen Stoff für die Fasnacht hergab.

«Wähl-Barkeeper» und gegrillte Politiker

Auch vor den eidgenössischen Wahlen buhlen die Kandidierenden mit aller Mühe um Aufmerksamkeit. Im Juli machte die SVP mit einer Breitseite gegen die Klimabewegung von sich reden. «Kreta statt Greta» prangte etwa auf dem T-Shirt von Nationalrat Sebastian Frehner. Ein «Polit-Barbecue» war hingegen bei Thomas Kessler (FDP) angesagt. Unter dem Motto «Grill den Kessler» diskutierten Gäste mit dem ehemaligen Stadtentwickler. Sein Parteikollege Christian Egeler stellte für die Bundesfeier am Rheinufer gar eine «Wähl-Bar» auf die Beine. Sein Auftritt als Barkeeper ist aber nicht die einzige Wahlkampfaktion. Mit einem sprechenden Cargobike macht er zurzeit auf sich aufmerksam. Nähert sich ein Passant seinem Velo, so spielt es ein paar Wahlempfehlungen ab.

Mundwerk-Contest geplant

Eine ganz andere Strategie verfolgt die «Harmonie»-Wirtin Anna Götenstedt (LDP). Sie lädt die politischen Konkurrenten zu sich in die Beiz ein, um über Themen wie Freiheit und Sicherheit zu philosophieren. Bei der SP ziehen hingegen manche Kandidaten – ganz im amerikanischen Stil – von Tür zu Tür, so etwa Nationalrat Beat Jans. Sein Parteikollege Christian von Wartburg plant hingegen einen «Political Poetry Slam Contest». Details dazu könne er noch nicht verraten. Jedenfalls sollen Kandidaten gegeneinander in den Ring treten, das Publikum entscheidet, wer am schlagfertigsten durchhält. «Das ist mal etwas anderes als eine Podiumsdiskussion», sagt von Wartburg.

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