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Der Telebasel News Beitrag vom 9. August 2019.

Basel

Kampf gegen Invasion: Basler Pflanzenwelt bedroht

Invasive Pflanzen bedrohen unsere Pflanzenvielfalt. Die Situation ist so dramatisch, dass der Bund per Gesetz auch Private zum Unkrautjäten verpflichten will.

Der oberste Stadtgärtner Emanuel Trueb stapft durchs Dickicht beim Bahnhof St. Johann. Dort, wo dereinst der Basler Museums-Neubau hingebaut werden soll. Er reisst einen hübschen lila Blütenstrauss von einem Strauch. «Sommerflieder…», sagt er und schüttelt den Kopf.

Der Mensch mag zwischen den Geleisen im St.Johann ein Stück Eisenbahnromantik sehen. Für die Pflanzen spielt sich hier aber ein gnadenloser Überlebens- und Verdrängungskampf ab. Denn das Areal ist mit invasiven Neophyten übersät.

Stadtgärtner Trueb will uns auf dem kleinen Rundgang genau diese invasiven Neophyten zeigen. Denn das sind Pflanzen, die durch aggressive Ausbreitung die einheimische Vegetation verdrängen und bedrohen.

Götterbaum und Brombeerstrauch

«Die Schweizer Pflanzenwelt verändert sich sehr schnell und sehr nachhaltig», sagt Emanuel Trueb. Vereinfacht gesagt, gibt es dafür zwei Gründe: Entweder es werden invasive Pflanzen aus dem Ausland eingeschleppt. Oder durch die Klimaerwärmung verbessern sich die Bedingungen für gewisse einheimische Arten, die dann aber invasiv werden.

Trueb zeigt als Beispiel auf den Götterbaum: «Den muss man gleich mit der Wurzel ausreissen, sonst bekommt man den nicht mehr weg.» Oder auf einen Brombeerstrauch: «Hier handelt es sich wahrscheinlich um einen Bastard dieser Pflanze – ausgestattet mit unglaublichen Fähigkeiten, sich zu verbreiten. Sie ist in der Lage, innert kürzester Zeit eine riesige Fläche zu überwuchern.»

Mit dem Problem kämpft nicht nur Basel, sondern die ganze Schweiz. Eine Ergänzung des Umweltschutzgesetzes und entsprechende Verordnungen sollen den Pflanzen-Invasoren nun Einhalt gebieten.

Auch Private müssen mitmachen

Eine wesentliche Neuerung des Gesetzes: Private Grundstückbesitzer sollen erdulden müssen, dass die Behörden sie zum Unkrautjäten verpflichten. So heisst es im erläuternden Bericht zum Gesetz: «Darüber hinaus soll den Vollzugsbehörden die Kompetenz eingeräumt werden, Private in die entsprechenden Bekämpfungsmassnahmen einzubeziehen beziehungsweise zur Duldung dieser Massnahmen auf ihrem Grundstück zu verpflichten».

Jetzt wollen die Behörden mir sogar schon im eigenen Garten reinreden? Emanuel Trueb von der Stadtgärtnerei relativiert. Es gehe nicht um Einfamilienhausbesitzer. «Es geht um grosse Areale, die das Potenzial haben, dass von dort gewisse Pflanzen invasiv werden.»

Wer sich den Behörden widersetzt, soll für die Kosten der Entfernung aufkommen müssen – was aber bereits heute der Fall ist bei Beschädigungen durch Pflanzen.

Bis Anfang September befindet sich das revidierte Umweltschutzgesetz nun noch in der Vernehmlassung.

Mehr dazu in den Telebasel News vom 9. August 2019 um 18:30 Uhr und ab 19 Uhr stündlich in der Wiederholung. 

1 Kommentar

  1. Sämtliche Kriterien, welche Neophyten definieren, treffen 1:1 auch auf den Menschen zu: er ist ein rezenter Eindringling aus dem Ostafrikanischen Grabensystem, verbreitet sich intensiv, verdrängt die lange vor ihm angesiedelte Flora und Fauna, verändert die besteheden Landschaft, stört das bestehende Gleichgewicht, konsumiert übermässig die bestehenden natürlichen Resourcen der Fauna, Flora und des Untergrundes und gefährdet die Artenvielfalt. Seine Anwesenheit und Vermehrung, sowie sein Verhalten beeeinflussen das Klima. Und jetzt stellt er auf überhebliche Art Regeln auf, wonach unter Androhung von Busse und Gefängnissstrafe jene gerichtlich belangt werden, welche es versäumen, Neophyten zu bekämpfen, welche den Menschen stören, indem sie in sehr viel bescheidenemrem Masse dasselbe tun. Ist das nicht etwas überheblich?Report

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