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Baselland

Clariant-Chef Ernesto Occhiello tritt überraschend zurück

Beim Chemiekonzern Clariant kommt es nach kurzer Zeit zu einem erneuten Wechsel an der operativen Spitze. CEO Ernesto Occhiello ist per sofort zurückgetreten.

Occhiello habe sich aus persönlichen Gründen dazu entschieden, das Unternehmen mit sofortiger Wirkung zu verlassen, teilte Clariant am Mittwoch mit. Seine Aufgaben übernimmt vorübergehend der frühere Chef und derzeitige Verwaltungsratspräsident Hariolf Kottmann, bis eine Nachfolge gefunden wird.

An der erst im vergangenen Herbst lancierten neuen Strategie will Clariant nach den Worten von Kottmann festhalten. Zudem würden die Verhandlungen mit Sabic über den Aufbau des gemeinsamen Geschäftsbereichs «High Performance Materials» fortgesetzt. Clariant werde dazu weitere Details am (morgigen) Donnerstag geben, wenn auch das Halbjahresergebnis veröffentlicht werden soll.

Mitten im Konzernumbau

Ex-CEO Kottmann hatte das Ruder erst Mitte Oktober 2018 an Occhiello übergeben, dem damaligen Leiter des «Specialties»-Geschäfts bei Saudi Basic Industries (Sabic). Im Januar zuvor verkaufte der damalige Grossaktionär White Tale das Aktienpaket an Clariant von knapp 25 Prozent an den Branchenriesen Sabic. Zuletzt meldeten die Saudis eine Beteiligung von knapp 26 Prozent.

Zuvor war es zum Eklat zwischen Clariant und White Tale gekommen. Der frühere Ankeraktionär hatte im Herbst 2017 eine geplante Fusion mit dem US-Konkurrenten Huntsman zu Fall gebracht. Die Amerikaner verlangten zudem drei Sitze im Verwaltungsrat und eine Analyse der strategischen Optionen durch eine Investmentbank, wogegen Clariant sich sperrte.

Im September 2018 wurden dann gemeinsam mit Sabic die Weichen für die Zukunft neu gestellt. Einige Geschäftsteile sollen kombiniert werden, andere sollen verkauft werden. So sollen etwa die Geschäftsbereiche mit Additiven und hochwertigen Masterbatches mit Teilen von Sabic zu dem bereits erwähnten Geschäftsbereich «High Performance Materials» zusammengefasst werden. Gemäss jüngsten Angaben soll die Sparte nach dem Ok der Wettbewerbshüter ab 2020 operativ sein.

Weniger rentable Bereiche sollen indes verkauft werden. Erst am vergangenen Montag wurde bekannt, dass sich für das Geschäft mit Pharma-Verpackungen ein Abschluss abzeichnet. Abnehmer ist eine neu gegründete Tochtergesellschaft von Arsenal Capital Partners. Der Gesamtgegenwert der Transaktion wurde mit rund 300 Millionen Franken beziffert.

Deutlicher Wachstumssprung erhofft

Das Portfolio soll somit aufgewertet werden, wovon sich Clariant einen deutlichen Wachstumssprung verspricht: Ab 2021 soll das Unternehmen auf einen Umsatz von rund 9 Milliarden Franken kommen und eine EBITDA-Marge von etwa 20 Prozent erreichen. 2018 machte das Unternehmen einen Umsatz von 6,6 Milliarden.

Die Gründe für den sofortigen Rücktritt könnten vielfältig sein, hiess es zu den Neuigkeiten am Markt. Der Rücktritt gebe Anlass zu vielen Spekulationen, und könnte auf dem Aktienkurs lasten, schrieb Analyst Markus Mayer von Baader Helvea. Occhiello habe einen guten Ruf innerhalb der Chemie-Branche gehabt und habe mehrere wichtige Schritte bei Clariant eingeleitet.

Mögliche Gründe für den Abgang könnten Konflikte zwischen Occhiello und Kottmann bezüglich der Führung und des Umbaus von Clariant sein. Auch eine Strategieänderung seitens Sabic bei der Integration des Hochleistungsmaterialiengeschäfts sei denkbar, was für Occhiello wiederum – als früherer Sabic-Manager – einen Interessenkonflikt darstellen könnte.

Vollständige Übernahme?

Schliesslich könnte Sabic eine vollständige Übernahme von Clariant planen, was ebenfalls einen Interessenkonflikt auslösen könnte. Der Konzernchef des saudischen Clariant-Grossaktionär Sabic hatte zuletzt im Dezember 2018 in einem Interview gesagt, man strebe keine vollständige Übernahme an. Eine Erhöhung des Anteils wurde aber nicht ausgeschlossen.

An der Börse verschreckte die Nachrichte die Investoren. Die Aktie von Clariant verliert am Mittwoch gegen 12.15 Uhr 3,8 Prozent auf 19,40 Franken. Damit legt die Aktie im laufenden Jahr gut 7 Prozent zu, nachdem sie 2018 um ein Drittel eingebrochen ist. Der Gesamtmarkt performte jeweils im gleichen Zeitraum deutlich besser.

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