Kein neuer Rekord für Alex Wilson an der Athletissima in Lausanne. (Bild: Keystone)

Schweiz

Dem solidem Schweizer Team fehlt der Paukenschlag

Die Schweizer Equipe bot an der Athletissima in Lausanne solide Leistungen. Der Ausreisser nach oben fehlte allerdings.

Das Highlight aus nationaler Sicht lieferte zum Schluss des Abends die Sprint-Staffel der Frauen mit einem starken 3. Rang in 42,60 Sekunden hinter den Niederlanden und China. Diese Leistung durfte nicht erwartet werden, denn die Stammformation der 4×100-m-Staffel testete eine neue Aufstellung, einzig Sarah Atcho blieb auf ihrer angestammten Position 2. Den Start übernahm Salomé Kora, Ajla del Ponte übergab der Schlussläuferin Mujinga Kambundji. Es galt, Erkenntnisse unter Wettkampfdruck zu sammeln. Das Quartett kam nur um drei Zehntel nicht an den Schweizer Rekord anlässlich der Athletissima 2018 (42,29) heran.

Mit den Team-Europameisterschaften und Weltklasse Zürich hat die Staffel noch zwei Auftritte vor dem Höhepunkt mit den Weltmeisterschaften in Doha. Der letztjährige Rekord wird aller Voraussicht nach zur Qualifikation reichen – aus diesem Grund verzichtete Swiss Athletics auch auf die Entsendung einer Sprint-Staffel an die Staffel-WM im Mai in Japan. Dort holten sich die Top Ten die Startberechtigung. Die restlichen sechs Teams – sofern Katar eine Mannschaft stellt sind es nur fünf – werden in der Reihenfolge ihrer Bestzeit seit 2018 nachrücken.

Olympia-Limite geschafft

Die Europameisterin Lea Sprunger liess vor dem Heimpublikum nicht lumpen, obwohl sie nach diversen Problemen in der Vorbereitung ins Hintertreffen geraten war. In 55,24 Sekunden schaffte sie immerhin die Olympia-Limite für Tokio 2020 (55,40). Dies kann allerdings nicht der Massstab sein, im vergangenen Jahr lief Sprunger rund eine Sekunde schneller.

Der Westschweizerin gelang ein technisch solider Lauf, das Schrittmuster passte. Auf den letzten Metern vor dem Ziel kämpfte sich Sprunger noch in den 5. Rang. Die Top 3 mit Shamier Little (USA/53,73), Zuzana Hejnova (CZE/54,11) und Ashley Spencer (USA/54,11) wären auch in Top-Form schwer zu knacken gewesen.

Erneuter Rekord kein Thema

Alex Wilson hielt sich über 200 m wacker. Im Schatten von Noah Lyles Weltklasse-Leistung von 19,50 Sekunden kam der Basler bei Windstille nach 20,29 Sekunden ins Ziel. Diese Leistung ist solid, der unmittelbar vor ihm klassierte Welt- und Europameister Ramil Guliyev lief auch nicht unter 20 Sekunden. Wilson hatte schon vor Meeting erklärt, dass sein Rekordlauf vom vergangenen Sonntag in La Chaux-de-Fonds in 19,98 Sekunden auch dem Rückenwind geschuldet war und nicht seinem Formstand entspricht.

Gestolpert statt gejubelt

Jason Joseph nahm Kurs Richtung seines Schweizer Rekordes über 110 m Hürden (13,39 Sekunden). Technisch lief der Basler allerdings nicht sauber durch. Die dritt- und zweitletzte Hürde touchierte er schon klar, das letzte Hindernis rammte er mit der Fusssohle und kam ins Stolpern.

Joseph ist eines der grössten Talente in der Schweizer Leichtathletik. Im vergangenen Jahr entriss er Andreas Kundert (13,41) den nationalen Rekord und stiess bei den EM Berlin in die Halbfinals vor – in seiner ersten Saison bei der Elite. Joseph, dessen karibischer Look von seinem Vater stammt, wird sich in dieser Saison weiter. Seit Februar ist er auch in der Halle nationaler Rekordhalter. Und die Freiluftsaison eröffnete er in Zofingen in 13,41 Sekunden.

Schweizer Duell an Kambundji

Mujinga Kambundji behauptete sich als Sprint-Queen der Schweiz. Sie bodigte im Direktduell Salomé Kora, die sich vergangenen Sonntag in 11,13 Sekunden in La Chaux-de-Fonds als Nummer 2 der ewigen Schweizer Bestenliste etabliert hatte. Die Bernerin durchmass bei nahezu Windstille die 100 m in 11,27 Sekunden, für die St. Gallerin stoppte die Uhr bei 11,29. Für Kambundji geht es nach einem miserablen Saisonstart aufwärts, doch von ihrer Form des Jahres 2018 ist sie noch zwei, drei Zehntel entfernt. «Mit der ersten Hälfte bin ich zufrieden, danach verkrampfte ich mich», sagte die Bernerin.

Olympia-Limite knapp verfehlt

Julien Wanders spulte die 5000 m in persönlicher Bestzeit von 13:13,84 Minuten ab. Seine starke Leistung kam in Feld der Afrikaner mit einem 14. Rang nicht richtig zur Geltung. «Ich habe meine Bestzeit verbessert, ich bin happy», sagte Wanders. Der 23-jährige Genfer hatte schon vor der Athletissima in Lausanne das WM-Ticket für Doha im Sack, jenes für die Spiele in Tokio 2020 verpasste er auf der Pontaise nur um ein paar Zehntel.

Bei den Titelkämpfen in Katar will der Romand einen Doppelstart hinlegen. Hierfür muss er auch die Limite über 10’000 m noch knacken. Anfangs Saisons war Wanders in Stockholm um 5 Sekunden gescheitert, er wird in diesem Monat nochmals einen Versuch unternehmen. Wanders ist unter anderem aktueller Europarekordhalter im Halbmarathon und über 10 km. Nun will er vermehrt auch auf der Bahn imponieren.

Selina Büchel verpasste die angestrebte Zeit in der Nähe von 2 Minuten, obwohl das Lauftempo nicht durch taktisches Geplänkel oder Positionskämpfe beeinträchtigt wurde. Die Toggenburgerin fand zum Schluss den sechsten Gang nicht und liess auf der Zielgeraden im Vergleich zur Konkurrenz Zeit liegen. «Auf den letzten 50 m bin ich gestorben wie noch nie», sagte Büchel. Die 2:01,58 Minuten von Lausanne reichen um eine Sekunde nicht, um das Ticket für die Weltmeisterschaften in Doha zu erhalten. Die Limite liegt bei 2:00,60 Minuten.

Auf dem Weg zurück

Kariem Hussein musste sich über 400 m Hürden der Männer, die nicht als Diamond-League-Event ausgeschrieben waren, mit 50,00 Sekunden begnügen. Zum Schluss ging dem Europameister von Zürich 2014 die Kraft aus. «Hauptsache, ich bin wieder gesund. Aber ich hätte gerne gewonnen», sagte der Thurgauer. Die wirklich harten Trainings kann er erst seit einigen Wochen wieder machen, das Stehvermögen fehlt noch.

Der Arzt hatte die vergangene Saison nach einem Muskelfaserriss und wegen Schmerzen im Beckenbereich abbrechen müssen. Nun ist wieder auf dem Weg zurück. Der WM-Finalist von London 2017 will auch in Doha antreten, 49,30 Sekunden sind gefordert. «Ich musste tief unten wieder anfangen, eigentlich fast im Minus beim Muskelaufbau», betonte Hussein.

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