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Der Telebasel News Beitrag vom 5. Juli 2019.

Basel

Angst vor Verdrängung: «Zukunft Klybeck» lanciert Initiative

Der Verein «Zukunft Klybeck» will eine Volksinitiative lancieren. Er fordert, dass ehemalige Industrieareale zur Hälfte günstigen Wohn- und Gewerberaum bieten.

So gross wie vierzig Fussballfelder ist der zukünftige Stadtteil. Nun ist auch klar, wer auf den ehemaligen Industriearealen im Klybeck das Zepter in der Hand hat. Am Dienstag wurde bekannt, dass BASF ihre Areale an den Versicherungskonzern Swiss Life verkauft. Wenige Wochen zuvor veräusserte bereits Novartis seine Parzellen. Im Grundbuch ist nun das Konsortium «Central Real Estate» als Eigentümerin eingetragen.

Verein will Areale nicht nur Investoren überlassen

Dass private Investoren am Ruder sind, der Kanton sich aber zurückhält, verfolgt Christoph Moerikofer von «Zukunft Klybeck» mit Sorge. «Es sind Anleger dahinter, die zwangsläufig Rendite machen müssen. Das steht den Interessen der Bevölkerung und der Stadt diametral entgegen». Der Verein plant nun eine Volksinitiative, wie die «WOZ» erstmals bekannt machte. Diese fordert, dass bei solchen Transformationsarealen 50 Prozent der Fläche gemeinnützigem Wohnen und Gewerbe zufallen solle. Bei der anderen Hälfte könne dann immer noch gewinnorientiert operiert werden.

Eine weitere Forderung der Initiative ist die C02-Neutralität der Areale. Zudem wollen die Initianten, dass bei diesen Entwicklungsprozessen die Quartierbevölkerung partizipieren kann. Noch ist die Initiative nicht druckreif. Sie liegt erst bei der Staatskanzlei zur Überprüfung. Im August sollen dann die ersten Unterschriften gesammelt werden. Wie Moerikofer gegenüber Telebasel sagt, habe der Verein bereits Politikerinnen und Politiker der Parteien SP, Grüne und Basta an Bord. Auch Vertreter der Stiftung «Habitat» unterstützten das Vorhaben.

FDP kritisiert zu hohe Auflagen

Wenig begeistert von dieser Idee ist dagegen der FDP-Kantonalpräsident Luca Urgese. Dass nicht der Kanton, sondern Private das Areal kauften, sieht er positiv. Für das neue Areal wünscht er sich neue Gewerbeflächen, den dringend benötigte Wohnraum sowie Plätze mit Aufenthaltsqualität wie etwa an der Wiese. Die Auflagen dürfen in seinen Augen nicht zu weit gehen. «Ich finde es falsch, wenn man jetzt schon mit hohen Auflagen und Einschränkungen das Entwicklungspotenzial hemmen will», sagt Urgese.

Moerikofer findet dagegen, dass die Forderung nach 50 Prozent gemeinnützigem Areal «ein friedliches Angebot». In seinen Augen soll gewährleistet sein, dass auch Leute mit kleinem Budget dort wohnen können. Wenn man schon einen 300’000 Quadratmeter grossen Stadtteil schaffe, müsse dies gewährleistet sein. Zwar könne man so nicht ganz verhindern, dass die Quartierbevölkerung verdrängt werden, diesen Aufwertungsprozess aber zumindest dämpfen

Die Zukunft der besagten Areale steht aus mehreren Gründen zur Diskussion. Die Organisation Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz veröffentlichte kürzlich einen Bericht zu diesen Arealen. Darin kritisieren sie, dass das Gelände unzureichend auf giftige Altlasten untersucht worden sei. Das Amt für Umwelt für Energie sieht diesen Vorwurf hingegen als haltlos an und betont, es handle sich die am besten untersuchten Areale des Kantons.

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