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Der Telebasel News-Beitrag vom 1. Juli 2019.

Baselland

«Wir fordern mehr Sicherheit für Pratteln»

Nach dem Grossbrand in Pratteln macht sich die SP Sorgen. Die geplanten Wohnungs-Neubauten seien zu riskant.

Der Brand brach am 30. Juni 2019 um kurz nach 20:30 Uhr in einer Firma am Kunimattweg aus, einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt. Rasch stand eine weit herum sichtbare Rauchsäule am blauen Sommerhimmel.

Bis auf einzelne Glutnester konnte die Feuerwehr den Brand kurz vor 1 Uhr am Montagmorgen löschen. Die Flammen verursachten «grossen Sachschaden», wie die Polizei am Montagmorgen mitteilte.

Das Feuer hat die Struktur des Gebäudes teils so stark beschädigt, dass es einsturzgefährdet ist. Nach einer Einschätzung eines Statikers konnte jener Gebäudeteil am Montagmorgen weder benutzt noch betreten werden. Ausgebrochen war das Feuer im hinteren Gebäudeteil. Die Brandursache wird noch untersucht.

180 Personen als Helfer im Einsatz

Im Einsatz standen rund 180 Personen von Feuerwehren, Polizei, Sanität und Krisenstab. Zur Koordination setzten die Behörden ein Schadenplatzkommando vor Ort ein, wie es weiter hiess. Während der Löscharbeiten musste das Gebiet grossräumig umfahren werden.

Die Bevölkerung im weiteren Raum Pratteln war am Abend sicherheitshalber dazu aufgerufen worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Dieser Aufruf wurde nach 1 Uhr früh zurück genommen.

Wegen der starken Rauchentwicklung in der Nähe des Bahnhofes wurde entschieden, die S-Bahn-Züge in Pratteln ab 20:45 Uhr vorübergehend nicht mehr halten zu lassen. Seit Betriebsbeginn am Montagmorgen verkehren die Züge wieder planmässig. Ein Passagier mit Reiseziel Lausanne musste im Hotel übernachten. Die SBB übernahmen die Kosten.

Spezialisten hätten in mehreren Messungen keine Giftstoffe im Rauch gefunden, sagte ein Mediensprecher der Polizei am frühen Montagmorgen gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Im Gebäude waren diverse Chemikalien gelagert. Messungen der ABC-Wehr ergaben gemäss der Mitteilung, dass «die vorgeschriebenen Grenzwerte zu keinem Zeitpunkt überschritten» wurden. Lokal war indes eine starke Geruchsbelästigung wahrnehmbar.

Grenzacher Ärger

Wind trug den Rauch zeitweise über den Rhein, womit auch Teile der südbadischen Gemeinde Grenzach-Wyhlen (D) mit Brandgestank aus Pratteln behelligt wurden. Erst um 22:31 Uhr sei eine sogenannte «Trinatmeldung» eingetroffen, bestätigte der Leiter des Grenzacher Amtes für öffentliche Ordnung Angaben der «Badischen Zeitung».

Mittels Trinatmeldungen tauschen sich Behörden im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz zu Zwischenfällen aus. Hier erfolgte dies zwei Stunden nach Brandausbruch. Grenzacher Behörden hatten davor erfolglos versucht, sich im Land sowie direkt im Baselbiet über den Ernst der Lage zu informieren. Entsprechend unzufrieden ist man dort nun.

So habe Grenzach die eigene Krisenorganisation einberufen und um 21:13 Uhr ihre Bürger via Internet aufgerufen, ebenfalls vorsorglich Fenster und Türen zu schliessen. Die erste offizielle Information zu einem Vorfall sei um 21:48 Uhr eingetroffen – nachdem drei Minuten zuvor auf Schweizer Seite die Medien informiert worden seien.

SP will mehr Sicherheit

Auch wenn in diesem Fall alles glimpflich verlief: In der Bevölkerung macht sich Verunsicherung breit. Das kommt nicht von ungefähr. Vor wenigen Wochen kam aus: Bei der Rohner AG in Pratteln sind Millionen Liter schmutziges Abwasser ins Grundwasser gelangt. Und bei der Firma CABB rumort es gar öfters. Vor zwei Jahren lief dort sogar Schwefelsäure aus.

Heute haben sich darum die SP-Sektionen von Birsfelden, Pratteln und Muttenz zusammengetan. Sie wollen mehr Sicherheit für die Wohnbevölkerung im Industriegebiet. «Wir fordern, dass die Kontrollen in den Betrieben verstärkt werden», sagt Susanne Holm, SP-Präsidentin von Muttenz. «Und wir fordern, dass man prüft, ob die Standorte für neues und verdichtetes Wohnen so nahe an der Industrie sinnvoll sind.»

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