(Symbolbild: Unsplash/Christian Wiediger)

Basel

Bei Neurodermitis ist Dr. Youtube ein schlechter Ratgeber

Dermatologen des Unispitals haben die Qualität der Infos in den 100 meistgesehenen Youtube-Videos bewertet: Für die Mehrheit fällt das Urteil vernichtend aus.

Nur eine Minderheit der 100 meistgesehenen Youtube-Videos zu Ekzemen enthält wirklich nützliche Information. 46 Prozent seien «irreführend» und 36 Prozent sogar «potenziell schädlich», so das Urteil von Dermatologen um Simon Müller vom Universitätsspital Basel, nachdem sie den Inhalt der Videos bewertet hatten.

Von ihren Ergebnissen berichten Müller und Kollegen diese Woche am Jahreskongress der «British Association of Dermatologists» in Liverpool.

Möglicherweise Schaden anrichten könnten beispielsweise Empfehlungen, wie unnötige Diäten zu befolgen oder potenziell schädliche Hautbehandlungen und Lichttherapien im Heimgebrauch anzuwenden, wie das Unispital am Montag in einer Mitteilung festhielt. Auch über die Anwendungsdauer und potenzielle Gesundheitsrisiken informierten die Videos nicht ausreichend.

«Wunderkuren» statt Schulmedizin

Viele Youtube-Videos diskreditierten zudem konventionelle medizinische und ärztliche Ratschläge und versprachen stattdessen «Wunderkuren», hiess es weiter. Die Hälfte der Videos stammte denn auch von Vertreibern alternativer Behandlungsmethoden. Nur knapp 30 Prozent der untersuchten Videos stammte von Gesundheitsinstitutionen oder Universitäten.

Neben den Kategorisierungen in «nützlich», «irreführend» oder «potenziell schädlich» bewerteten die Mediziner um Simon Müller auch die wissenschaftliche Qualität des Inhalts anhand zweier bewährter Bewertungs-Tools, wie das Unispital schrieb. Diese Tools untersuchen Verlässlichkeit und Qualität der präsentierten Informationen, beziehungsweise die Qualität des Videos selbst und seinen Wert als Informationsquelle für medizinische Laien. Demnach waren zwei Drittel der Youtube-Videos von minderwertiger bis sehr minderwertiger wissenschaftlicher Qualität.

Dies spiegelte sich jedoch nicht in der Bewertung der Youtube-Nutzerinnen und -Nutzer wider. Demnach seien die Informationssuchenden wohl nicht in der Lage, guten und schlechten wissenschaftlichen Inhalt zu unterscheiden, so das Fazit der Forschenden.

Rücksprache mit Medizinern wichtig

«Soziale Medien werden immer mehr zur Quelle medizinischer Informationen für Patienten, vor allem für jüngere», sagte Simon Müller gemäss einer Medienmitteilung der «British Association of Dermatologists». Diese Informationen durchliefen jedoch keine Kontrollinstanz für wissenschaftliche Richtigkeit oder Qualität. Und wie die Studie zeige, könnten sie sogar Schaden anrichten.

Die Forschenden hoffen demnach, dass die Ergebnisse die Leute zu vorsichtigerem Umgang mit medizinischen Informationen aus den sozialen Medien anhalten. «Das Internet ist ein mächtiges und oft hilfreiches Recherchewerkzeug, aber es ist wichtig, woher die Informationen stammen», so Müller. Er und seine Kollegen raten dringend dazu, selbst recherchierte Informationen aus dem Internet mit einem Arzt oder einer Ärztin zu besprechen.

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