Erstmals liegt der SMI über 10'000 Punkte. (Screenshot: Google)

Schweiz

SMI erstmals über 10’000 Punkten

Der Schweizer Leitindex SMI hat erstmals die Marke von 10'000 Punkten überschritten. Am Dienstag notiert der Index 1,57 Prozent im Plus bei 10'006 Zählern.

Der Schweizer Leitindex SMI hat am Dienstagnachmittag rund eine Stunde vor Handelsschluss erstmals die Marke von 10’000 Punkten überschritten. Der Index kletterte zeitweise um gut 1,6 Prozent auf 10’011,39 Zähler, schloss dann aber leicht unter der magischen Marke bei knapp 9’989 Stellen.

Als Grund für den Kurssprung nannten Analysten vor allem die Aussicht auf weiterhin geöffnete Geldschleusen der Zentralbanken. «Es gibt schlicht keine Alternative zu Aktien», hiess es bei Händlern. Insbesondere seitdem die Anleiherenditen praktisch auf Null-Prozent oder gar darunter gefallen sind, wird dies trotz der bestehenden Unsicherheiten als Grund ausgemacht.

Der SMI ist im laufenden Jahr damit bisher um fast 19 Prozent gestiegen und hat andere namhafte Indizes wie den Weltleitindex Dow Jones Industrial oder den deutschen DAX, die um 13 Prozent respektive 17 Prozent höher stehen, hinter sich gelassen.

Dividenden nicht miteinberechnet

Im Unterschied zu vielen anderen Leitindizes wird der SMI bei der Berechnung nicht um Dividendenzahlungen bereinigt. Das bedeutet, dass er mit jeder Dividendensaison einen leichten Rückschlag erhält, der etwa beim Dax herausgerechnet wird. Auch im breiten Swiss Perfomance Index, der die Schwelle von 10’000 Zählern schon vor längerer Zeit hinter sich gelassen hat, finden die Dividendenzahlungen Eingang in die Indexberechnung.

Der SMIC (SMI Cum Dividend), der SMI-Version, bei der die Dividenden in die Berechnung miteinfliessen, hat die mehr psychologisch als charttechnisch bedeutsame Schwelle von 10’000 Punkten bereits im Jahr 2012 überwunden und steht derzeit bei über 21’139 Punkten, was ebenfalls ein Rekordhoch bedeutet. Der breit gefasste Swiss Performance Index SPI hat vor rund zwei Jahren die Marke von 10’000 Punkten überwunden und steht aktuell bei 12’070 Punkten.

Der SMI ist aufgrund seiner hohen Gewichtung der Pharmakonzerne Novartis und Roche sowie des Lebensmittelmultis Nestle stark auf wenig konjunkturabhängige Sektoren konzentriert. Diese drei Papiere machen mehr als Hälfte der Marktkapitalisierung des Index aus. Insgesamt entspricht der SMI rund vier Fünftel der Marktkapitalisierung der Schweizer Aktienbörse.

Der meist beachtete Schweizer Börsenindex startete am 30. Juni 1988 mit 1’500 Punkten. Er beinhaltete zunächst 24 Titel. Später wurde er auf 30 Titel erweitert und im Jahre 2007 auf 20 Aktien reduziert. Einige der frühen Vertreter sind verschwunden, weil sie übernommen wurden, mit einem Konkurrenten fusioniert haben oder gar Pleite gegangen sind.

Viele Namen verschwunden

So ist die Erinnerung an die Schweizerische Volksbank, die ehemals viertgrösste Bank der Schweiz, die von der Credit Suisse übernommen wurde, in der Bevölkerung weitgehend verblasst. Verschwunden sind unter anderen auch Ciba Geigy, die mit Sandoz zur Novartis fusioniert hat oder der Schweizerische Bankverein, der mit der früheren Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) neu als UBS firmiert. Die Winterthur Versicherungen landeten – nach einem Abstecher bei der Credit Suisse – im Schosse des französischen AXA-Konzerns.

Mit wehmütigen Gedanken dürften sich die Marktteilnehmer auch noch an den Kaffee- und Schokoladekonzern Jacobs Suchard erinnern, die vom Marlboro-Zigaretten Hersteller Philip Morris gekauft wurde. Am deutlichsten dürfte sich das Grounding der Swissair in das Gedächtnis der Anleger eingeprägt haben, die 2001 spektakulär zusammengebrochen ist.

Zuletzt führte die Abspaltung der Augenheilfirma Alcon vom Pharmariesen Novartis zu einem Neuzugang, der aber zugleich die Privatbank Julius Bär aus dem Standardwerteindex verdrängte.

Keine Einbahnstrasse

Der Anstieg des SMI erfolgte keineswegs geradlinig, sondern erfolgte vielmehr sehr holperig. Steilen Anstiegen folgten immer wieder Korrekturen. Nach dem Start bei 1’500 Punkten brauchte es rund fünfeinhalb Jahre, bis der SMI erstmals über der Marke von 3’000 Punkten schloss. Weitere fast vier Jahre dauerte es, bis sich der Index dann im Juli 1997 auf 6’000 Zähler verdoppelt hatte. Danach ging es rasant vorwärts. Im März 1998 erreichte der Index die Marke von 7’500 Punkten.

Im Jahr 2000 bewegte er sich über 8’000 Zählern, bis dann mit den Nuller-Jahren mit dem Platzen der Internet-Blase, den Anschlägen vom 9. September 2001, dem zweiten Irakkrieg und der US-Immobilien- und der Finanzkrise eine sehr volatile Phase folgte. Den vorläufigen Gipfel erreichte der SMI im Sommer 2007 mit über 9’500 Punkten, bevor er dann im Zuge der Finanzkrise bis im März 2009 bis auf rund 4’300 Punkte einbrach. Dann setzte wieder eine kräftige Erholung ein, bevor im Jahr 2011 im Zuge der Eurokrise erneut ein massiver Rückschlag kam, von dem er sich nun auf neue Höchstwerte aufschwingen konnte.

Den stärksten Tagesgewinn verbuchte der SMI am 13. Oktober 2008 mit einem Plus von 11,4 Prozent und den stärksten Rückschlag nahm er am 16. Oktober 1989 mit minus 10,5 Prozent hin. Der 15. Januar 2015, als die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufhob, steht mit einem Minus von knapp neun Prozent «nur» an zweiter Stelle.

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