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Der Telebasel News Beitrag vom 18. Juni 2019.

Basel

115 Personen in Quarantäne

Seit Anfang 2019 wurden in Basel-Stadt vermehrt Fälle von resistenten Keimen nachgewiesen, vor allem im Unispital. Jetzt geht man gegen die Ausbreitung vor.

Mindestens 115 Menschen isoliert das Universitätsspital Basel momentan. Sie sind entweder bereits von den Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) befallen oder es besteht der Verdacht darauf. Nur unter strengen Hygienevorschriften dürfen diese Menschen in Kontakt mit anderen kommen. Der Erreger macht nicht unbedingt krank, bei immunschwachen Menschen kann er aber zum Tod führen.

«Das Antibiotikum, auf das die Enterokokken nicht reagieren, ist schon ein Reserveantibiotikum. Das heisst, man müsste dann zu Mitteln greifen, die Off-Label-Use sind, also für etwas anderes zugelassen sind oder zu experimentellen Kuren, um diese Leute zu retten», so der Mediensprecher des Universitätsspitals Nicolas Drechsler.

«Unüblich hohe Zahl»

Seit 2019 sind dem Kantonsarzt Basel-Stadt rund 40 Nachweise von Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) bei Patientinnen und Patienten gemeldet worden, vor allem im Universitätsspital Basel, aber auch in der Universitären Altersmedizin Felix Platter. Das sei eine unüblich hohe Zahl, die Massnahmen bedingt, damit sich diese Resistenz nicht weiter ausbreiten könne, heisst es in einer Medienmitteilung des Gesundheitsdepartements.

Enterokokken sind eigentlich normaler Bestandteil der Darmbesiedelung. Sie werden auch in Böden und Abwässern gefunden. Übertragen werden die Bakterien von einer Person zur anderen vor allem über die Hände, aber auch über Kontakt mit Oberflächen und Gegenständen sowie selten Kleider.

Zunehmende Belastung für Pflegeheime

In der Schweiz stellen VRE insbesondere für Gesundheitsinstitutionen mit hoch spezialisierten Abteilungen eine zunehmende Belastung dar, ebenso für Pflegeheime. In den letzten Jahren kam es hauptsächlich in den Kantonen Waadt und Bern zu grösseren Ausbrüchen von VRE. Von diesen Kantonen aus wurde die Verbreitung auch in weiteren Spitäler anderer Kantone nachgewiesen. In den letzten vier Jahren hat sich die Anzahl nachgewiesener Fälle in der Schweiz rund versechsfacht.

Die Häufung von VRE-Nachweisen seit Anfang 2019 muss vor diesem Hintergrund gesehen werden. Entsprechend hat das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt bereits im September 2018 alle Pflegeheime im Kanton Basel-Stadt über die nötigen Massnahmen bei mit VRE befallenen Bewohnerinnen und Bewohnern von Heimen informiert. Zudem haben das Unispital Basel und das Felix Platter alle notwendigen Massnahmen ergriffen. Dazu gehören die Intensivierung der Hygienemassnahmen, Kontaktisolation oder Abklärung von Kontakten. Dies in enger Zusammenarbeit mit den Medizinischen Diensten des Gesundheitsdepartementes Basel-Stadt. Das Ziel dieser Interventionen sei es, die Ausbreitung von VRE so weit wie möglich einzudämmen, auch wenn eine vollständige Elimination aufgrund der hohen Überlebensfähigkeit dieser Bakterien schwierig ist.

Epidemiologische Überwachung

Aufgabe des Gesundheitsdepartementes ist die epidemiologische Überwachung im Kanton im Auftrag des Bundes. Ärztinnen und Ärzte in Spitälern oder in selbständigen Praxen sowie Laboratorien sind verpflichtet, dem Gesundheitsdepartement das Auftreten bestimmter übertragbarer Krankheiten zu melden. So kann der Kantonsarzt die Krankheitsausbreitung kontrollieren, die Bevölkerung vor Ausbrüchen schützen und geeignete Massnahmen zur Bekämpfung einleiten.

Das Bundesamt für Gesundheit legt die Liste der meldepflichtigen Erkrankungen fest. Neben spezifischen meldepflichtigen Erregern sind auch Häufungen und besondere Ereignisse zu melden.

Tipps für Besucherinnen und Besucher

Die wichtigste Massnahme zur Verhinderung einer Übertragung ist die hygienische Händedesinfektion. Das heisst, Besucherinnen und Besucher im Spital oder im Pflegeheim sind gebeten, sich beim Betreten des Gebäudes und nach Besuchsende die Hände zu desinfizieren.

Liegt eine Erkrankung aufgrund von VRE bereits vor, ist die strikte Einhaltung von Isoliermassnahmen mit Instruktionen für Besuchende gemäss Gesundheitspersonal zu beachten.

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