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Der Telebasel Talk vom 13. Juni 2019.

Basel

Streit im Talk: 30-Stunden-Woche für Kantonsangestellte?

Tonja Zürcher meint es ernst: Die BastA!-Grossrätin fordert die 30-Stunden-Woche für Kantonsangestellte – bei vollem Lohnausgleich. Aus feministischen Gründen.

Die Rechnung von Tonja Zürcher geht so: Frauen zwischen 15 und 64 Jahren sind in der Schweiz im Schnitt 21.3 Stunden pro Woche erwerbstätig, Männer 33.0 Stunden. Nimmt man jedoch die unbezahlte Arbeit (Hausarbeit, Kinderbetreuung, Care) hinzu, so ergibt sich ein völlig anderes Bild: Frauen arbeiten total 52.7 Stunden pro Woche, Männer 52.5 Stunden. Fazit: Frauen und Männer arbeiten gleich viel, aber die Frauen werden für einen viel kleineren Teil davon bezahlt. Am Ende verfügen sie nur über rund die Hälfte der Einkommen (Gender overall earnings gap, Schweiz: 44,5%, Quelle: Eurostat).

30-Stunden-Woche soll Schieflage beseitigen

Tonja Zürcher: «Die Doppelbelastung aus Familie und Beruf ist ein hochaktuelles Problem für Frauen, die oft dazu führt, dass Frauen in niedrigen Pensen Teilzeit arbeiten oder die Erwerbsarbeit für Jahre unterbrechen». Mit den entsprechenden Folgen für die Frauen: Tiefere Löhne, geringere Rente.

Eine deutliche Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit trage «massgeblich dazu bei, diese Schieflage zu verändern» und ermögliche zudem eine gerechtere Verteilung von Haus-, Familien- und Care-Arbeit. Zudem: «Mit Blick auf den Stellenabbau durch die Digitalisierung müsste in Zukunft sogar eine weitere Reduktion der Wochenarbeitszeit geprüft werden». Zunächst aber fordert die BastA!-Co-Präsidentin die 30-Stunden-Woche für Kantonsangestellte und Angestellte ausgelagerter Betriebe – bei vollem Lohnausgleich.

Sieben BastA!-Vorstösse zum Frauenstreik

Tonja Zürchers Motion ist der radikalste und finanziell teuerste Teil eines Pakets mit insgesamt sechs Vorstössen, die die Linkspartei aus Anlass des Frauenstreiks vom 14. Juni einreicht. Dabei fordert BastA! unter anderem einen Geschlechterproporz für Grossratswahlen, Projekttage an Basler Schulen zum Themenkreis «Sexuelle Gewalt und Selbstverteidigung», gendergerechten Unterricht für Lehrpersonen.

Absehbar werden sich die bürgerlichen Parteien gegen die Motion zur 30-Stunden-Woche massiv zur Wehr setzen. Telebasel berichtet in den News vom 12. Juni 2019.

Im Talk vom 13. Juni 2019 streiten sich ab 18:40 Uhr BastA!-Co-Präsidentin Tonja Zürcher und FDP-Grossrat Luca Urgese über die 30-Stunden-Woche.

Tonja Zürchers Vorstoss im Wortlaut:

Motion zum Frauen*streik: Erwerbsarbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche:

Während die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen kontinuierlich steigt, ändert sich an der ‚weiblichen‘ Verantwortung für Haus- und Familienarbeit wenig. Die Doppelbelastung aus Familie und Beruf ist ein hochaktuelles Problem für Frauen, die oft dazu führt, dass Frauen in niedrigen Pensen Teilzeit arbeiten oder die Erwerbsarbeit für Jahre unterbrechen.

Teilzeitbeschäftigte sind selten in der Lage, ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen. Die Karrierechancen sind deutlich kleiner. Und im Alter folgt der Gender Pension Gap: Jahrzehntelanges Arbeiten in Teilzeitverhältnissen führt aufgrund geringer Pensionsansprüche zur Altersarmut. Frauen erhalten im Durchschnitt 37% tiefere Renten als Männer. Dabei sind die 63% tieferen Renten aus der beruflichen Vorsorge hauptsächlich verantwortlich für diesen Unterschied. Viele Frauen sind deshalb finanziell von ihren Partnern oder dem Staat abhängig.

Eine deutliche Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit trägt massgeblich dazu bei, diese Schieflage zu verändern. Eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit ermöglicht zudem eine gerechtere Verteilung von Haus-, Familien und Care-Arbeit.

Was als Normalarbeitszeit bezeichnet wird, ist nicht das, was für die Mehrheit der Arbeitnehmenden Realität ist. Frauen zwischen 15 und 64 Jahren sind in der Schweiz im Schnitt 21.3 Stunden pro Woche erwerbstätig, Männer 33.0 Stunden (Schweizerische Arbeitskräfteerhebung, 2016). Diese Zahlen haben sich in den letzten 20 Jahren zwar leicht einander angeglichen, zu wesentlichen Veränderungen kam es aber nicht (1997: Frauen 18.6 Stunden, Männer 35.2 Stunden). Zählt man die bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen, kommen Frauen und Männer auf einen fast identischen Wert: Frauen 52.7, Männer 52.5 Stunden. Frauen und Männer arbeiten also gleich viel, Frauen werden aber für einen viel kleineren Teil davon bezahlt. Am Ende verfügen sie nur über rund die Hälfte der Einkommen (Gender overall earnings gap, Schweiz: 44,5%, Quelle: Eurostat).

Im Durchschnitt sind Frauen und Männer zwischen 15 und 64 Jahren also rund 27 Stunden erwerbstätig (Schnitt zwischen 21.3 und 33.0 Stunden). Die geforderte Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit auf 30 Stunden entspricht also einer Anpassung der Normalarbeitszeit an den Durchschnitt. Mit Blick auf den Stellenabbau durch die Digitalisierung müsste in Zukunft sogar eine weitere Reduktion der Wochenarbeitszeit geprüft werden.

Die Unterzeichnenden fordern die Regierung auf, die wöchentliche Arbeitszeit für Kantonsangestellte und Angestellte ausgelagerter Betriebe auf 30 Stunden zu reduzieren. Dabei ist ein vollständiger Lohnausgleich zu gewährleisten. Zudem ist die Regierung aufgefordert, mit entsprechenden Massnahmen bei subventionierten Einrichtungen und der Vergabe von Bau-, Dienstleistungs- und Lieferaufträgen auf eine gleichartige Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit hinzuwirken.

1 Kommentar

  1. Frauen ,,,,
    Bleibt einmal Realistisch,,,
    Hört auf zu Jammern wenn Ihr Familie wollt….
    Jeder Entscheidet für sich…
    Sonst bleibt einfach Single ….
    Dann könnt Ihr in einer ruhe eine Kariere Starten…
    Frau sein ist etwas sehr schönes….
    Sehen wie das Kind Aufwächst auch…
    Es geht auch mit Teilzeit ohne Verückte Lohn Vorstellungen….
    Werdet wieder einmal zufrieden…..
    Mann kann im Leben nicht alles haben….
    Liebi grüessli an alle von Lydia SteigerReport

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