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Der Telebasel News Beitrag vom 12. Juni 2019.

Basel

«Männer werden korsettiert durch die Ernährer-Rolle»

Die Frauenbewegung erhält durch den Frauenstreik Aufschwung. Psychologe Markus Theunert hat damit kein Problem. Er wünscht sich aber mehr Engagement der Männer.

Markus Theunert ist einer der bekanntesten Vertreter der Schweizer Männerbewegung und Gründer des Dachverbands Schweizer Männer- und Väterorganisationen, männer.ch.

Der Basler Psychologe und Soziologe setzt sich mit seiner Organisation für einen Vaterschaftsurlaub ein, der wie der Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung finanziert wird und mindestens vier Wochen dauert. Dabei sei es ihm wichtig, die Benachteiligungen der Frauen und Männer nicht gegeneinander aufzuwiegen, sondern gemeinsam für die Überwindung eines patriarchalen Systems zu kämpfen. Davon könnten nämlich auch die Männer profitieren, so Theunert.

Dem aktuellen Frauenstreik steht er nicht kritisch gegenüber, wünscht sich allerdings, dass die Männer sich mehr für eine Männerbewegung engagieren würden.

Im Moment ist viel über die Gleichstellung der Frau in den Medien zu lesen. Wie sieht es bei den Männern aus? Gibt es Aspekte, in denen auch der Mann benachteiligt ist?

Markus Theunert: Es gibt natürlich auch Benachteiligungen bei den Männern, Stichwort Wehrpflicht oder AHV-Alter. Es ist für uns aber nicht im Zentrum, die Benachteiligungen von den Männern anzuprangern. Die Frage ist viel mehr: Was können die Männer dazu beitragen, um das System als Ganzes geschlechtergerecht zu machen.

Was können sie denn dazu beitragen?

Theunert: Männer werden heute korsettiert durch die Ernährer-Rolle. Nach wie vor wie vor 50 Jahren wird vom Mann erwartet, dass er zur Hauptsache die Familie ernährt. Zum Zeitpunkt der Familiengründung schlägt die Traditionsfalle zu. Auch der Mann leidet unter diesem «arbeiten müssen». Natürlich hat es auch Vorteile. Aber gleichzeitig ist es auch eine Pflicht, drei Viertel vom Familieneinkommen beisteuern zu müssen und vor allem verhindert es eine faire Verteilung von der unbezahlten Arbeit für Kinder und Heim.

Wie kann aus Ihrer Sicht dieses Rollen-Bild verändert werden?

Theunert: Alle Länder, die weiter sind als die Schweiz, und das sind sehr viele mittlerweile, haben Massnahmen ergriffen. Nummer eins von den Massnahmen: Vaterschaftsurlaub unmittelbar nach der Geburt. Der muss nicht sehr lang sein aber gut bezahlt und vor allem verbindlich sein für Väter. So, dass sich eine neue Norm etabliert im Sinn von: Ein richtiger Vater, der ist zu Hause und schaut auch zum Kind, der baut eine eigenständige Beziehung auf zum Kind und erwirbt Kompetenzen, die es ihm erlauben, jederzeit allein die Betreuung fürs Kind zu übernehmen.

In der Frauenbewegung, gerade anlässlich des Frauenstreiks, gehen die Männer da vergessen?

Theunert: Ich finde das Manifest zum Frauenstreik natürlich aus der Perspektive der Frau formuliert. Aber ich finde es sehr ausgewogen und sehr oft auch mit Anschlüssen an die Männer. Dass die Frauenbewegung nicht eine Männerbewegung ist, das ist klar. Das ist die Aufgabe der Männer, sich selbst in Bewegung zu setzen. Dass viele Männer es völlig verschlafen, sich in Gleichstellungsangelegenheiten zu engagieren, das ist ein Männerproblem und nicht ein Frauenproblem.

Warum ist das so, dass Männer sich da nicht engagieren?

Theunert: Viele Männer meinen immer noch, sie seien als Mann auf die Welt gekommen und nicht zum Mann gemacht worden. Und viele Männer sehen nicht, wie sie von einer Veränderung profitieren könnten. Sie merken auch gar nicht, wie sehr sie darunter leiden, so eingespannt und korsettiert zu sein in diesem Leistungsschema.

Mehr dazu in den Telebasel News vom 12. Juni um 18:30 Uhr

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