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Der Telebasel News Beitrag vom 12. Juni 2019.

Basel

Freispruch im «Affentheater» um Säure-Anschlag

2015 verübten als Affen Verkleidete einen Buttersäuren-Anschlag auf eine Silvester-Party. Das Strafgericht sprach am Mittwoch einen Beschuldigten frei.

Die Vorbereitungen für eine grosse Silvestersause sind voll im Gange. Plötzlich nähern sich zwei vermummte Gestalten dem Rhypark-Saalbau. Beide tragen Affenmasken. Der eine kommt ganz in schwarz, der andere in einem weissen Schutzanzug. Letzterer ist zudem mit einer Pet-Flasche «bewaffnet». Schnurstracks begibt er sich damit in den Festsaal und verteilt dort eine Flüssigkeit. Es riecht penetrant nach Erbrochenem. Die beiden «Affen» machten sich mit ihrem Fluchtwagen aus dem Staub.

Der Buttersäure-Anschlag lässt die Party ins Wasser fallen. Das Gebäude muss geräumt werden, mehrere Anwesende verspüren ein leichtes Kratzen im Hals und Augenbrennen. Der Sachschaden für die Veranstalter beträgt über 90’000 Franken.

«Ich bin keiner dieser beiden Affen »

Etwa so könnte sich die Szene am Silvester 2015 laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt abgespielt haben. Bilder der Überwachungskamera hielten die Tat der beiden Affen fest. Während es über die Identität des schwarz gekleideten Gorillas keine Mutmassungen gibt, wurde ein 32-jähriger Basler beschuldigt, unter dem Kostüm des «weissen» Affen zu stecken.

Der junge Mann stand am Mittwoch vor dem Basler Strafgericht. Ihm wurde Sachbeschädigung und Widerhandlung gegen das Chemikaliengesetz zur Last gelegt. Der Angeklagte wies jegliche Beteiligung von sich. «Ich habe nichts mit diesem Fall zu tun und ich bin keiner dieser beiden Affen», erklärte er. Für alles Weitere machte er von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch.

Christoph Dumartheray, Advokat der geschädigten Veranstalter-Firma, forderte einen Schadenersatz von 91’500 Franken. Dabei kritisierte er deutlich die Staatsanwaltschaft, die beim Prozess nicht anwesend war. Die Ermittlungen derselben seien erlahmt. Zudem habe man nicht alle Beweismittel ausgeschöpft. «Die Untersuchung war eine Katastrophe». Die Staatsanwaltschaft sei auf die Masche des Angeklagten hereingefallen. Pikant dabei: Lange war nicht ausgemacht, ob die Basler und die Baselbieter Staatsanwaltschaft ermitteln sollten. Dieses «Schwarzpeterspiel» ging bis vors Bundesstrafgericht. Dieses beschloss im Februar 2019, dass die StaWa Basel-Stadt dazu berechtigt und verpflichtet ist, diesem Fall nachzugehen.

Beide Seiten nicht zufrieden

Interessanterweise waren beide Seiten nicht zufrieden mit den Ermittlungen zum Säure-Anschlag. Auch Susanna Marti, Verteidigerin des Beschuldigten, fand deutliche Worte zum Gang der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft sieht den Buttersäure-Anschlag nämlich im Zusammenhang mit einer ganzen Reihe von Auseinandersetzungen zwischen zwei rivalisierenden Gruppierungen rund um die Vorherrschaft um den ehemaligen Club «Fame». Sie vermutet, dass der Beschuldigte im Auftrag einer anderen Person gehandelt hat, um dem ehemaligen Veranstalter im Rhypark zu schaden.

Susanna Marti sah den Zusammenhang mit dem Fame-Konflikt als unhaltbar. Die geschädigte Firma betreibe eine «privaten Abrechnung», um den Beschuldigten, um in ein schlechtes Licht zu rücken. «Die Sachlage ist nicht im Ansatz erstellt», so Susanna Marti. Sie forderte einen vollumfänglichen kostenlosen Freispruch für ihren Mandanten sowie eine Entschädigung.

Der Gerichtspräsident gab ihr schliesslich recht. Er kam zum Schluss, dass schlagende Beweise fehlen, um den Beschuldigten als einen der Gorillas identifizieren zu können. Wer nun wirklich hinter dem Kostüm steckt, bleibt also weiterhin offen. Für den 32-Jährigen ist das mutmassliche «Affentheater» zwischen rivalisierenden Gruppen zumindest vorläufig beendet. Er wurde von beiden Anklagepunkten freigesprochen.

Mehr dazu in den Telebasel News vom 12. Juni 2019 um 18:30 Uhr und ab 19 Uhr stündlich.

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