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Der Telebasel News-Beitrag vom 11. Juni 2019.

Basel

«Mütter sind weniger verfügbar»

Jede siebte Frau kann nach ihrem Mutterschaftsurlaub nicht zurück zur Arbeit, obwohl sie das möchte. Der Arbeitgeberverband sieht darin keine Diskriminierung.

Für 15 Prozent aller Mütter führt die Mutterschaft zur Arbeitslosigkeit. Das zeigt eine Studie des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen. Dies verstosse gegen das Gleichstellungsgesetz, schreibt die NZZ am Sonntag. 

Nicht jede Stelle für reduziertes Pensum geeignet

An der Mutterschaft liege das allerdings nicht, so die Direktorin des Basler Arbeitgeberverbandes, Barbara Gutzwiller: «Das wäre missbräuchlich. Da könnte man sich auch dagegen werden. Aber nicht jede Stelle eignet sich, um in einem kleineren Pensum wahrgenommen zu werden».

Tatsächlich gaben 11 Prozent aller Frauen, die kurz nach der Mutterschaft erwerbslos wurden an, ihre Arbeit verloren zu haben, weil ein reduziertes Pensum nicht möglich sei.

Fehlende Kita-Plätze weiterer Grund

In einer Grossfirma sei Mutterschaft meist kein Problem, so Gutzwiller: «In einer Grossfirma haben sie die Möglichkeit einer organisierten Stellvertretung. In einem KMU kann es tatsächlich zu einem Engpass kommen.»

Die BASS-Studie zeigt aber auch weitere Gründe für die Arbeitslosigkeit bei Müttern auf: 71 Prozent aller Frauen fangen nicht direkt nach dem Mutterschaftsurlaub wieder an. zu arbeiten. Im Schnitt beginnen sie nach 22 Wochen wieder ihre Arbeit. Dies liege laut der Studie vor allem daran, dass viele Kitas keine Kinder unter sechs Monate aufnehmen und den Müttern somit ein Kita-Platz fehle.

Traditionelle Rollenverteilung

Dass es meist bei der Frau zur Erwerbslosigkeit führt und nicht beim Mann erklärt sich Barbara Gutzwiller so: «Wir stellen in verschiedenen Untersuchungen fest, dass viel Paare, auch wenn sie es sich vor der Geburt anders vornehmen, nach der Geburt dann doch nach traditioneller Art und Weise organisieren».

Die Verantwortung für das Kind bleibe somit bei der Mutter, was dann, nicht nur wegen des reduzierten Pensums, zu mehr Ausfällen führe und für weniger Flexibilität im Geschäft sorge: «Man hat ja nicht 24 Stunden offene Kitas und man hat auch nicht Nachbarn oder Nannies, die 24 Stunden betreuen, also ist man weniger verfügbar, weil man das Kind zu einer bestimmten Zeit holen geht».

In der Studie bemängeln viele Mütter die Gesamtdauer des Mutterschaftsurlaubes und den fehlenden Vaterschaftsurlaub.

Die Themenwoche «Alle gleichberechtigt?» auf Telebasel: Vom 10. – 15. Juni 2019 in den Telebasel News um 18:30 Uhr und ab 19 Uhr stündlich, sowie im Telebasel Report am 12. Juni 2019 ab 19:40 Uhr stündlich und in einer Spezialsendung am 15. Juni 2019 ab 19:15 Uhr stündlich. Dazu laufend interessante Themen auf telebasel.ch.

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