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Der Telebasel News Beitrag vom 8. Juni 2019.

Basel

Preis, Patient, Profit: Die Roche Turmgespräche

Die USA anerkannten neues Präparat von Novartis – mit über zwei Millionen das teuerste Medikament. Das Podium im Rocheturm erörterte Fragen im Umfeld.

Neuartige, auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Medikamente machen seit einer Weile grosse Schlagzeilen. Nicht unbedingt, weil die Pharmaindustrie verspricht, es brauche nur eine Behandlung und dann sei der Patient komplett geheilt. Nein, weil die individualisierte Therapie horrende Beträge kostet.

Diese Tage haben die amerikanischen Behörden das Mittel Zolgensma von Novartis zugelassen. Mit 2,1 Millionen Dollar das teuerste Medikament überhaupt. Auch Roche habe vergleichbare Therapien in der Pipeline: «Roche hat schon seit Jahren sehr innovative Medikamente, personalisierte Medikamente. Und wir werden auch in den nächsten zwei bis drei Jahren weitere solche hochspezifische Medikamente, die einen hohen Nutzen für den Patient haben, auf den Markt bringen», sagt der Leiter der Medikamentenzulassung von Roche.

«Du kannst dir das nicht leisten, also stirb halt leider»

Soll, kann, muss sich die Gesellschaft solch teure Medikamente leisten: 6- oder 7-stellige Beträge für einen einzelnen Menschen? Darüber haben der Chef der CSS-Krankenkasse, ein Professor und Gesundheitsökonome, der Leiter der Roche-Medikamentenzulassung sowie Theologe und Ethiker diskutiert. Zunächst erklärte der Ethiker, dass die Würde des Menschen unantastbar ist und sich nicht in einem Geldwert ausdrücken liesse. Das berge eine ethisch-moralische Verpflichtung.

«Wenn man sich eine Situation vorstellt, wo ein Medikament braucht wird, um zu überleben und ein Mensch sich das nicht leisten kann, dann können wir nicht sagen: Du kannst dir das nicht leisten, also stirb halt leider. Sondern wir müssen dem ins Auge schauen, dass es bei Medikamenten um die Gesundheit geht, ein Gut, das menschenrechtlich insofern geschützt ist, als dass jeder Mensch das Recht hat auf Zugang zu Gesundheitsversorgung.» Peter G. Kirchschläger, Professor für theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik ISE, Universität Luzern.

Das ganze Interview mit Peter G. Kirchschläger. (Video: Telebasel)

Die Diskussion drehte sich auch um Prozesse der Preisgestaltung im Zusammenspiel der Pharmaindustrie mit dem Bundesamt für Gesundheit oder wie politische Entscheide zustande kommen. Stichwort Transparenz und Wahlkampffinanzierung. Oder ob der Leistungskatalog der Grundversicherung reduziert werden soll. Nach gegen 90 Minuten Diskussion und Publikumsfragen wurde das Podium beschlossen – ohne dass das Ei des Kolumbus tatsächlich entdeckt worden wäre. Aber viele wichtigen Fragen wurden artikuliert.

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