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Der Telebasel News Beitrag vom 9. Juni 2019.

Basel

Für Katze Susi kam jede Hilfe zu spät

Die Halterin von Katze Susi musste unverhofft ins Altersheim. Fünf Monate lebte das Tier dann alleine in der Wohnung weiter und der Kanton wusste Bescheid.

Es war eine traurige, aber wahre Geschichte. In der Nacht auf Freitag verstarb Katze Susi. «Es ist schrecklich und absolut unbegreiflich, was passiert ist», sagt Nicole Rudin, Präsidentin der Tierhilfe Regio Basel (TRB) in Allschwil. Die elfjährige, komplett vernachlässigte Susi wurde in einem sehr kritischen Zustand von der Tierhilfe am 4. Juni aufgenommen.

Anzeige gegen Unbekannt

Nun erhebt Nicole Rudin, Präsidentin der Tierhilfe Regio Basel, bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen unbekannt, wie die «Basler Zeitung» berichtet. Dies wegen wegen schwerer Vernachlässigung im Sinne von Art. 26 des Tierschutzgesetzes.

Empört war auch der behandelnde Tierarzt aus Riehen: «Die Katze kam an eine Tropfinfusion, bekam Antibiotika und andere nötige Medikamente. Die Chance auf Heilung ist sehr gering. Das ganze stellt meines Erachtens einen schweren Verstoss gegen das Tierschutzgesetz dar», hielt er im Aufnahmeprotokoll fest, das Telebasel vorliegt.

Besitzerin musste ins Spital

Doch der Reihe nach: Wie Recherchen von Telebasel zeigen, musste die unter Beistandschaft stehende Besitzerin der Katze, Lucy F. *, vor fünf Monaten ins Spital. Sie war in Basel wohnhaft. Der für die Katzenbesitzerin F. vom Amt für Beistandschaften und Erwachsenenschutz eingesetzte private Pflegedienst, der anonym bleiben will, erklärte sich bereit, für die paar Tage während des Spitalaufenthalts die Fütterung der Katze zu übernehmen.

Doch die Besitzerin der Katze kam nie aus dem Spital zurück. Lucy F. wurde in ein Altersheim eingewiesen. Fortan ging täglich eine Mitarbeiterin des Pflegedienstes in der Wohnung von Lucy F. vorbei und fütterte Susi. Dies sei als Zwischenlösung gedacht gewesen, bis der Beistand alles geregelt habe, war man beim Pflegedienst überzeugt. Das Futter habe die Besitzerin bezahlt.

Abgesehen von der kurzen täglichen Fütterung sei die Katze immer allein in der Wohnung gewesen. «Bereits im Februar haben wir dem zuständigen Amt gemeldet, dass unsere Aufgabe die Pflege von Menschen, nicht die von Tieren sei», sagt eine Mitarbeiterin des betreffenden Pflegedienstes gegenüber Telebasel. Das Amt habe darauf aber einfach nicht reagiert.

Amt bedauert den Vorfall

Die offensichtlich kranke Katze einfach verhungern zu lassen, habe man dann beim Pflegedienst auch nicht übers Herz gebracht. So sei weiterhin täglich jemand vorbeigegangen und habe jeweils 15 Minuten für die Fütterung der Katze verrechnet. Brisant: «Das bezahlte der Steuerzahler», so die Mitarbeiterin des Pflegedienstes. «Mehrere Mitarbeiterinnen haben sich irgendwann geweigert, diese Aufgabe der Katzenfütterung weiterhin zu übernehmen, bis es irgendwann nicht mehr ging.»

Es stellt sich auch die Frage, weshalb die Wohnung von Lucy F. nicht aufgelöst und ein Plätzchen für Susi gesucht worden war. Denn Katzen sind im Altersheim, wo F. nun weilt, nicht erlaubt. Bei der zuständigen Abteilung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) heisst es auf Anfrage: «Wir bedauern den Tod der Katze. Gemäss den uns vorliegenden Infos konnten wir davon ausgehen, dass die Betreuung der Katze jederzeit gewährleistet war. Es war der ausdrückliche Wunsch der Klientin, dass ihre Katze nicht ins Tierheim kommt. Sie wünschte eine private Platzierung. Unsere Mitarbeitenden haben über längere Zeit versucht, einen neuen Platz für die Katze zu finden. Es wurde auch erwogen, die Katze einzuschläfern. Aber man wollte die Suche nicht aufgeben», so Sarah Thönen, Amtsleiterin des Amts für Beistandschaften und Erwachsenenschutz (ABES).

Dennoch gesteht sie ein: «Selbstkritisch müssen wir aus heutiger Sicht sagen, dass wir zu lange den Wunsch der Besitzerin befolgt haben, ihre Katze nicht ins Tierheim zu geben. Bei einem künftigen ähnlichen Fall werden wir schneller das Wohl des Tieres ins Zentrum stellen.» Und: Die bisher entstandenen Betreuungskosten würden zu Lasten der Besitzerin gehen, betont sie.

Das alles half Susi aber nicht mehr. Sie ist das Opfer von diversen Menschenversagen geworden.

*Name der Redaktion bekannt

10 Kommentare

  1. Die Klientin wünschte eine private Platzierung und die KESB hatte über mehrere Monate versucht, eine solche zu finden. Wer glaubt das? Wenn man wirklich gewollt hätte, wäre die Katze innerhalb einer Woche platziert worden. Frau Rudin in Allschwil hat die Katze auch sofort genommen und hätte sie weitervermitteln können. Hauptsache man hat keine Arbeit und kann die Kosten der Besitzerin belasten. Dies alles ist einfach nur erbärmlich.Report

  2. Diese Geschichte ist wirklich unfassbar traurig ! Was sind das nur für Menschen die Kenntnis hatten von der Situation der armen Katze und auch deren Besitzerin und einfach nichts taten?Wo bleibt da die Menschlichkeit? Einfach wegsehen und denken, dass es einem nichts angeht. Es ist eine Schande !
    Danke an Frau Rudin von der Tierhilfe, welche Susi wenigstens in ihren letzten Stunden etwas Menschlichkeit gegeben hat. Da weiss man wohin man in Zukunft Geld spenden soll. Bestimmt nicht mehr an das Tierheim, welches wegen mangelnder Bezahlung offenbar solche Fälle abweist !!!!! Vielleicht hätten diese drei Wochen Susis Leben gerettet ! Unfasslich !!!!!Report

  3. Die Frau braucht einen Beistand, kann also nicht vollumfänglich für sich selber entscheiden. Aber über ihre Katze lässt man sie entscheiden, auch wenn sie dies offensichtlich nicht zum Wohl des Tieres tun kann? Da soll noch einer drauskommen.Report

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