Adela Smajic will ihre Position im Alltag nicht durch ihr Geschlecht definieren lassen. (Bild: zVg)

Basel

«Ich lasse mich nicht in eine Opferrolle drängen»

Am 14. Juni 2019 ist Frauenstreiktag. Telebasel Glam-Produzentin Adela Smajic findet ihn unnötig. Frauen sollen ihre Stärken im Alltag unter Beweis stellen.

Telebasel hat mehrere Frauen aus der Region gebeten, über das Thema «Frauenstreiktag 14. Juni» ihre Meinung zu schreiben. Die Meinung muss sich selbstverständlich nicht mit der Redaktionshaltung decken. Ziel dieser Aktion ist der öffentliche Dialog. Adela Smajic ist Produzentin der Telebasel-Sendung Glam.

Ich werde am 14. Juni 2019 nicht streiken. Ich gehe normal arbeiten, produziere unsere People- und Kultursendung Glam und werde das Wetter moderieren. Wieso? Weil es für mich ein Arbeitstag ist, wie jeder andere.

Als ich angefragt wurde, ob ich diesen Text schreiben möchte, war ich zuerst etwas zurückhaltend. Ich weiss, dass ich eine Person des öffentlichen Lebens bin und daher für viele (vor allem Jugendliche) eine Vorbildfunktion habe. Ich weiss auch, dass ich mit meiner offenen Art bei gewissen Leuten anecke. Aber genau das macht mich auch teilweise aus. Und daher werde ich diese Zeilen nützen, und meine Meinung offen kundtun – auch wenn ich diesmal sehr wahrscheinlich wieder provozieren werde.

Auch ich werde öfters auf mein Äusseres reduziert. Ich weiss nicht, ob der Satz «Ah, du bist ja gar nicht so, wie du aussiehst» als Kompliment oder als Beleidigung gedacht ist. Fallende Blicke ins Dekolleté, abfällige Bilder vom Intimbereich fremder Männer, usw. erlebe ich immer wieder. Aber: Ich habe gelernt drüber zu stehen. Ich lasse es nicht an mich ran und schüttle einfach nur den Kopf. Es gibt nun mal solche Momente. Das lege ich auch der Frauenwelt ans Herz: Lasst solche Dinge nicht an euch ran. Versucht mit eurer Art abzuwinken. Und vergesst nicht: Nicht alle sind so. Auch nicht jedes Kompliment ist sexistisch gemeint.

«Ich gehe nicht auf die Strasse, um einen höheren Lohn zu verlangen»

Ich bin für Lohngleichheit und finde es unterirdisch, dass Frauen teilweise noch immer von Beginn an diesbezüglich benachteiligt werden. Jeder Mensch sollte so viel verdienen, wie gut er seinen Job macht. Wenn ein Mann besser ist, dann soll der Mann mehr verdienen. Wenn eine Frau besser ist, dann soll die Frau besser verdienen. Von Anfang an mit einem tieferen Lohn beim weiblichen Geschlecht einzusteigen, ist unfair. Aber, ich gehe nicht auf die Strasse, um einen höheren Lohn zu verlangen. Ich lade meine Vorgesetzten zu einem Gespräch ein, reserviere ein Sitzungszimmer und gehe mit meinen Forderungen transparent um und bin argumentativ vorbereitet. Ich fordere das, was mir zusteht. Und das tue ich nicht, indem ich am 14. Juni auf die Barrikaden gehe.

«Wir müssen unsere Stärke im Alltag zeigen»

Um etwas klar zu stellen, ich liebe es, eine Frau zu sein. Ich habe daher grosse Mühe, dass mir heutzutage von der Öffentlichkeit, die Opferrolle der Frau aufgedrängt wird. Und der Frauenstreik unterstützt das meiner Meinung nach. Ich sehe uns Frauen nicht als Opfer. Wir sind doch Menschen, die das einfordern können, was sie wollen. Klar braucht es dafür in gewissen Situationen viel Mut, Herzhaftigkeit und Stärke. Doch das sind alles Attribute, die wir Frauen besitzen. Diese müssen wir nicht am 14. Juni auf den Strassen, sondern in unserem Alltag zeigen.

3 Kommentare

  1. Wer für seine Rechte einsteht und streikt, auf die Strasse geht, auf Barrikaden steigt, blockiert oder demonstriert ist nicht in der Opferrolle. Auf die Strasse gehen und streiken ist vielmehr ein Zeichen kollektiver Macht. Das Problem ist nicht, dass Frauen lernen müssen, über sexistische Bemerkungen und entwürdigende Blicke zu stehen. Das Problem ist auch nicht, dass Frauen lernen müssen, mit ihren Vorgesetzten über ungerechte Löhne zu verhandeln. Das Problem sind die Männer, die die gesellschaftlichen Machtverhältnisse dominieren, welche Ungerechtigkeit produzieren. Um gegen diskriminierende Machtverhältnisse zu kämpfen, braucht viel mehr als individuelles Handeln. Viele sogenannte gesellschaftliche Errungenschaften, von denen wir heute alle profitieren, wurden auf der Strasse, auf Barrikaden und in Streiks erkämpft. Wäre schön, Adela am 14.06. auf der Barrikade zu sehen, gerade weil sie Vorbild für viele junge Frauen ist.Report

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