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Der Telebasel Report vom 5. Juni 2019.

Basel

Report: Vaterschaftsurlaub für Basler

Ob schweizweit oder nur für Kantonsangestellte: Überall laufen Initiativen für mehr Vaterschaftsurlaub. Gibt’s für Väter in der Region bald eine «Papizeit»?

Wer in der Schweiz Vater wird, hat von Gesetzes wegen Anrecht auf einen Tag bezahlten Urlaub. Je nach Verlauf der Geburt ist es Vätern damit unter Umständen nicht einmal möglich, bei der Geburt dabei zu sein. Ein Unding finden immer mehr Menschen. Der Zeitgeist hat spürbar in Richtung Vaterschaftsurlaub gedreht: «80% der Menschen in der Schweiz befürworten einen Vaterschaftsurlaub», sagt etwa Maya Graf, Vizepräsidentin des Vereins «Vaterschaftsurlaub jetzt!».

Sehen wir solche Bilder bald öfters? Ein Papa beim Wickeln seines Kindes. (Bild: Telebasel)

Grossfirmen im Vorteil

Erst im März wurde bekannt, dass der Basler Grosskonzern Novartis Vätern künftig 18 Wochen Vaterschaftsurlaub finanziert. Auch andere Grossfirmen in der Schweiz sind weitaus grosszügiger, als das Gesetz verlangt. Zum Beispiel Google oder Johnson&Johnson. «Wir haben eben die kritische Grösse, um solche Absenzen verkraften zu können», ist sich Thomas Bösch, Personalleiter der Novartis Schweiz bewusst.

Das sei einer der Vorteile einer Grossfirma. Man müsse sich aber auch bewusst sein, dass kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) dafür in anderen Bereichen Vorteile hätten: «Wir können niemals so kundennah, so unbürokratisch und so mitarbeiternah sein wie ein KMU», sagt Bösch. So hätte eben jede Unternehmensform seine Vor- und Nachteile.

Seltenes Glück: Ana und Peter arbeiten beide bei der Novartis und profitieren deshalb von 36 Wochen Elterunurlaub. (Bild: Telebasel)

KMUs tun sich schwer

Entsprechend gibt es in der Region auch weitaus weniger KMUs, die bereits heute einen Vaterschaftsurlaub anbieten. Nicole Weiland zum Beispiel führt ein kleines Unternehmen in Allschwil mit elf Angestellten. Sie lehnt einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub strikte ab: «Immer mehr, immer mehr: Das können wir KMUs uns nicht mehr leisten». Ihrer Meinung nach ist es nicht Aufgabe des Staats, hier in die Unternehmerfreiheit einzugreifen. Vielmehr müsse dies der Markt regeln: «Wenn all meine Konkurrenten einen Vaterschaftsurlaub haben, muss ich eben auch reagieren».

Für Nicole Weiland sei nicht einmal die finanzielle Belastung ausschlaggebend. Diese sei nämlich «verkraftbar», wie sie sagt. Es ginge vielmehr um die Absenzenregelung: «Unsere Mitarbeiter werden sechs bis zwölf Monate lang eingeschult – die kann ich nicht einfach durch eine Temporärkraft ersetzen».

Nicole Weiland (rechts) ist Kleinunternehmerin und dezidierte Gegnerin eines gesetzlich vorgeschriebenen Vaterschaftsurlaubs. (Bild: Telebasel)

Nicht alle KMUs sind skeptisch

Der Ersatz frischgebackener Väter sei tatsächlich die grösste Herausforderung, betont auch Thomas Steudler, Geschäftsführer von Steudler Press in Basel. Am Ende müssten einfach die anderen Mitarbeiter in dieser Zeit Zusatzschichten schieben. Ob diese das so toll fänden, bezweifelt er.

Dennoch ist er einem Vaterschaftsurlaub gegenüber positiv gestimmt. Für ihn würde ein solcher wohl ein paar Tausend Franken pro Jahr ausmachen. Das sei machbar. Grundsätzlich sei er nämlich auch dafür, dass Väter und Mütter in dieser Frage gleichgestellt würden.

Cilgia Gremper (rechts) vergleicht den Vaterschaftsurlaub mit einer Grippewelle: Auch in solchen Fällen seien sie im Unternehmen schon mehrmals gut durchgekommen. (Bild: Telebasel)

Vorbild Grippewelle

Auch Cilgia Gremper von der gleichnamigen Druckerei in Pratteln ist überzeugt, dass auch KMUs eine Papizeit stemmen könnten: «Am Ende ist das ja nichts anderes als eine Grippewelle: Da fallen auch plötzlich drei bis vier Mitarbeiter gleichzeitig aus».

Im Gegenteil: Der Vaterschaftsurlaub habe sogar Vorteile gegenüber der Grippewelle: «Diese Absenzen sind nämlich sehr gut planbar. Und dank des flexiblen Bezugs fallen die Väter auch nicht zwingend mehrere Wochen am Stück, sondern vielleicht auch nur ein paar Tage pro Woche aus». Alles in Allem müsse das auch für ein KMU zu schaffen sein.

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