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Der Telebasel Talk vom 5. Juni 2019.

Basel

Kampfzone Rheinufer: Kommt jetzt die Lösung?

Mit dem Sommer kommt der Streit. Die einen geniessen das Partyleben am Rheinufer. Anwohner sprechen von Lärm und Dreck. Eine Aktion soll die Lage entspannen.

Die Fronten sind seit Jahren verhärtet. Die eine Front sagt: Wir haben das Recht auf Party – auch bis in die Morgenstunden! Tausende zieht es an jedem Sonnentag ans Kleinbasler Rheinufer. Es wird gegrillt, gekifft, Bier getrunken, Party gemacht.

Auf der anderen Seite stehen die Anwohner. Während die anderen feiern, wälzen sie sich bei geschlossenen Fenstern im Bett, auch wegen des Grill-Gestanks. Der Lärm verscheucht die Nachtruhe. Einige haben die schöne Wohnlage verlassen, sind weggezogen.

Hunderte Kilo Abfall

Am Morgen steigen die Anwohner am Rheinufer über allerlei unappetitlichen Abfall. Die BZ Basel berichtete kürzlich, dass die Stadtreinigung nur schon auf der neuen Kiesschüttung im Bereich des Wettstein-Ufers bis zu 500 Liter Müll einsammle – pro Tag. Das Reinigungspersonal stosse auf Flaschen-Scherben, Fäkalien, benutzte Kondome, Erbrochenes, Plastikverpackungen.

Die Idee der Anwohner

Zu den Betroffenen gehört André Stohler. Mit anderen Anwohnerinnen und Anwohnern hat er den Verein Rheinpromenade Kleinbasel gegründet. Nach Jahren des Duldens und der Anrufe bei der Polizei hatte der Verein eine Idee, die den Dauerkonflikt entschärfen soll: Leute mit soziokultureller Ausbildung sollen vermitteln, die Feiernden ansprechen, an das Ruhebedürfnis der Anwohner erinnern, die Fronten aufweichen. Der Verein suchte das Gespräch mit dem Kanton. Kürzlich startete die Aktion mit einem vierköpfigen Team als Pilotprojekt, finanziert vom Kanton und der Christoph Merian Stiftung. Ob das die Lösung bringt?

Weitere Infos in der Medienmitteilung zum Pilotprojekt:

Das Aktionsprogramm Stadtentwicklung Basel hat vor rund 20 Jahren den Rhein als wertvollen Freiraum definiert und im Rahmen eines anschliessenden Impulsprojekts wurde die Zugänglichkeit des Ufers verbessert. Die Belebung der Rheinpromenade Kleinbasel hat in den letzten Jahren erfreulich zugenommen, dabei sind Nutzungskonflikte entstanden. Auf Initiative des Vereins Rheinpromenade Kleinbasel startet dieser nun zusammen mit der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt das gemeinsame Pilotprojekt #RHYLAX-Team zur Förderung eines respekt- und rücksichtsvollen Zusammenlebens am Rheinbord. Der Verein Rheinpromenade Kleinbasel hat zum Ziel, die Kleinbasler Rheinpromenade zwischen Schwarzwaldbrücke und Hafenareal Uferstrasse als einer der zentralen und meistgenutzten Freiräume der Stadt Basel lebenswert zu erhalten.

Von Mai bis September 2019 werden die #RHYLAX-Teams zu zweit ab dem späteren Nachmittag bis in die Nacht zu Fuss am Kleinbasler Rheinufer zwischen der Schwarzwald- und Dreirosenbrücke unterwegs sein (Mai und September jeweils freitags und samstags, im Juni, Juli und August täglich). Als Vermittlerinnen und Vermittler bauen sie einen Dialog zu den Nutzerinnen und Nutzern des Rheinbords auf und informieren diese über aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen, so zum Beispiel auch über das geltende Verbot von Lautsprecheranlagen. Insbesondere an neu entstehenden Orten wie den Kiesschüttungen bei der Wettsteinbrücke werden die Teams zu einer rücksichtsvollen Nutzung informieren.

«Für uns ist die gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Verwaltungsstellen wichtig, so war beispielsweise das Community Policing bei der Schulung der Teams beteiligt», betont André Stohler, Präsident des Vereins Rheinpromenade Kleinbasel. Die #RHYLAX-Teams sind durch ihre helle Kleidung gut erkennbar.

Das Pilotprojekt #RHYLAX-Team bildet den dritten Pfeiler der bestehenden kantonalen Kampagne #RHYLAX, die mit Plakaten und einer Plattform auf Social Media zu Respekt und Rücksicht am Rheinufer sensibilisiert. Dazu hält Roland Frank, stellvertretender Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung, fest: «Die vom Verein Rheinpromenade Kleinbasel angestellten #RHYLAX-Teams ergänzen die bestehende kantonale Kampagne #RHYLAX und haben die Botschaft: Die gegenseitige Rücksichtnahme ist die Voraussetzung für ein respektvolles Zusammenleben im öffentlichen Raum. Dank einer externen Evaluation werden wir bis Ende 2019 Aussagen über das Pilotprojekt erhalten».

#RHYLAX ist mit der Kampagne «Sauberes Basel» der Stadtreinigung abgestimmt. Die Hochschule Luzern evaluiert das Pilotprojekt. Das gesamte #RHYLAX-Projekt hat im Jahr 2019 ein Budget von 180‘000 Franken und wird je zur Hälfte von der Kantons- und Stadtentwicklung und der Christoph Merian Stiftung finanziert. Das neue Pilotprojekt #RHYLAX-Team hat ein Budget von 140‘000 Franken.

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