Kardinal George Pell muss sich vor Gericht wegen Kindesmissbrauchs verantworten. (Bild: Keystone)

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Berufungsverfahren gegen verurteilten Kurienkardinal begonnen

In Australien hat das Berufungsverfahren gegen Kurienkardinal George Pell begonnen. Er wurde wegen Kindsmissbrauchs verurteilt.

Der 77-jährige George Pell erschien am Mittwoch vor dem Obersten Gericht des Bundesstaates Victoria in Melbourne. Der Geistliche will mit seiner Einsprache erreichen, dass seine Verurteilung wegen Kindsmissbrauchs aufgehoben wird.

Ein Geschworenengericht hatte George Pell im Dezember schuldig gesprochen, sich Mitte der 90er Jahre in der Kathedrale von Melbourne an zwei 13-jährigen Chorknaben vergangen zu haben. Der damalige Erzbischof von Melbourne soll sich 1996 in der Sakristei vor den Jungen entblösst, sie unsittlich berührt und einen von ihnen zum Oralsex gezwungen haben.

Im März wurde der Kurienkardinal dann zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er sitzt seitdem im Gefängnis. George Pell ist früherer Finanzchef des Vatikans und der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der wegen Kindsmissbrauchs verurteilt wurde. Der 77-Jährige hat die Vorwürfe stets abgestritten und Berufung eingelegt.

Dünne Beweislage gegen George Pell

Im Berufungsverfahren wollen seine Anwälte argumentieren, dass George Pell wegen der dünnen Beweislage nicht hätte schuldig gesprochen werden dürfen. Die Verurteilung basierte lediglich auf der Aussage eines der mutmasslichen Missbrauchsopfer, andere Beweise gab es nicht. Das zweite mutmassliche Missbrauchsopfer war 2014 an einer Überdosis gestorben und hatte sich nie zu den Vorfällen geäussert.

Verteidiger Bret Walker sagte vor den drei Richtern am Mittwoch, George Pell sei zu Unrecht schuldig gesprochen worden. Der ehemalige Erzbischof von Melbourne hätte in der dortigen St .Patrick’s Cathedral niemals die beiden Jungen sexuell missbrauchen können, ohne aufzufallen. Zudem sei dies auch wegen seines Bischofsgewands «physisch unmöglich» gewesen.

Rückweisung, neuer Prozess oder Freispruch

George Pells Anwälte kritisieren zudem, dass die Verteidigung während des Prozesses ein Video nicht zeigen durfte, das den Kurienkardinal entlasten sollte. Ausserdem wurde Pell während des Prozesses nicht vor der Jury gefragt, ob er auf schuldig oder nicht schuldig plädiere.

Rechtsexperten räumen dem Geistlichen gute Chancen ein, das Berufungsverfahren zu gewinnen. Die drei Richter könnten Pells Berufungsantrag zurückweisen, einen neuen Prozess anordnen oder den Kardinal freisprechen. Die Anhörungen sind auf zwei Tage angesetzt, bis zu einer Entscheidung könnten dann noch Wochen vergehen.

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