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Der Beitrag in den Telebasel News vom 31. Mai 2019.

Basel

Nachbarn haben keinen Bock auf Wohnhaus-Puff

Das Bordell in einem Wohnhaus an der Schillerstrasse musste umziehen. Nun fragen sich die Nachbarn, was nach der Sanierung mit der Liegenschaft geschehen wird.

Die Transparente hängen noch. «Kein Bordell an der Schillerstrasse». Nach erzürnten Reaktionen von Anwohnern auf ein Bordell im Wohnhaus ist hier offenbar Ruhe eingekehrt. Nachbarn klagten über lärmende Freier. Wie mehrere von ihnen gegenüber Telebasel berichten, sei das in den letzten paar Tagen nicht mehr vorgekommen.

Die Eigentümerin LMS Immo AG hatte vor einem Monat gegenüber Telebasel betont, nichts von dieser Rotlichtnutzung gewusst zu haben. Sie kündigte dem Mieter, der hier einen Etablissement mit dem Namen Golden Pussy’s (sic!) betrieb, auf Ende Mai. «Der Betreiber hatte Frist bis heute für die Räumung, die Abnahme findet am nächsten Dienstag statt», sagt Roger Jann, Verwaltungsrat bei der LMS auf Anfrage.

Eventuell möblierte Zimmer für die Pharma

Dennoch sind manche Nachbarn misstrauisch. Sauer stösst ihnen auf, dass sich dort bis zuletzt ein Puff einnisten konnte, während langjährigen Bewohnern gekündigt wurde. Nun wollen sie Klarheit darüber, was nach der Sanierung der Liegenschaft passieren wird. «Wir sind noch nicht in einem Ruhezustand, weil wir nicht wissen, wie es weitergeht mit dem Haus», sagt Anwohner Otto Krumm.

Er und andere Nachbarn haben vernommen, dass eventuell Airbnb-Wohnungen, möblierte Zimmer für Pharma-Mitarbeiter oder gar Eigentumswohnungen entstehen sollen. Sollte dies zutreffen, so die Befürchtungen von Otto Krumm, werde man sich nicht mehr so einfach gegen eine allfällige Rotlichtnutzung wehren können.

Die Eigentümer wollen diese Vermutungen nicht bestätigen. «Das Konzept zur Vermietung von möblierten Einheiten an Temporärmitarbeiter der Pharmabranche wurde ins Auge gefasst», schreibt Roger Jann. Noch sei das aber nicht bekannt. Dabei versichert er, dass die Liegenschaft keiner gewerblichen Nutzung unterzogen werde. Der Bebauungsplan sehe das schliesslich gar nicht vor. «Rotlichtbetriebe sind ausgeschlossen von dieser Nutzung», versichert er.

«Es wird günstiger Wohnraum zerstört»

Die Nachbarn trauen dieser Zusicherung nur bedingt. Besonders ist für manche, dass ein Bordellbetrieb unbemerkt bis zur Sanierung bleiben konnte, während mehrere Mieter vorher das Feld räumen mussten. «Es wird günstiger Wohnraum zerstört», sagt etwa Anne-Lise Hilty. «Hier drin kann man ein Bordell betreiben, aber eine Familie mit zwei Kindern, wie sie vorher drin gewohnt hat, könnte die Miete nicht bezahlen».

Sie und andere Anwohnende möchten daher Klarheit darüber, was nach der Sanierung geschieht. In einer Petition fordern sie eine Garantie, dass die Wohnliegenschaft nicht zweckentfremdet wird. Zudem verlangen sie mehr Mittel, um solchen Wohnhaus-Bordelle frühzeitig einen Riegel zu schieben.

Das umstrittene Sex-Etablissement ist offenbar trotz Kündigungen und Anwohnerprotesten nicht am Ende. Wie einschlägige Websites verraten, ist es vom Gundeli ins Kleinbasel umgezogen. Die Eigentümerin der neuen Unterkunft für das «Golden Pussys» musste übrigens auch schon Erfahrungen mit Nachbarn machen. Ein anderer Rotlicht-Betrieb von ihr an der Brantgasse erlitt nach Einsprachen eines Altersheim vor Gericht eine Niederlage.

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