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Seit 2014 in Basel: Elena Filipovic, Direktorin Kunsthalle. (Bild: zVG/Evelyn Bencicova)

Basel

«Warum bin ich wohl die erste Direktorin in 180 Jahren?»

Wer im Land zeigt so viel Kunst von Frauen wie die Basler Kunsthalle? Wir fanden niemanden. Im Talk Elena Filipovic über die Kunstwelt und den Frauenstreik.

Machen Sie den Selbst-Test: Zählen Sie spontan, ohne weiter nachzudenken, zehn berühmte Namen in der bildenden Kunst auf. Fangen wir an: Picasso, Van Gogh, ….

Waren die Namen zweier Frau darunter? Oder wenigstens deren einer? Ja? Dann kennen Sie sich entweder gut in der Kunstwelt aus. Oder Sie besuchen regelmässig die Kunsthalle Basel. Wer das laufende und kommende Programm durchstöbert, stösst fast nur auf Namen weiblicher Künstler.

Gibt es weitere bekannte Ausstellungshäuser in der Schweiz mit vergleichbarem Renommee, die nur schon gleichauf liegen im Geschlechterverhältnis? Bei unserer Kurz-Recherche haben wir niemanden gefunden. Dass der Druck in der Kulturwelt steigt, zeigt der kürzliche Entscheid der Berliner Festspiele, während zweier Jahre beim Berliner Theatertreffen eine Quote von 50 Prozent Regisseurinnen einzuführen.

In 180 Jahren nur eine Direktorin

Von einer Quote will Kunsthalle-Direktorin Elena Filipovic jedoch nichts wissen. Nicht einmal ein Fördergedanke stecke dahinter. Sie orientiere sich am Blick voraus auf die Entwicklungen in der Kunstwelt: und stosse dabei auf die Kunst von Frauen, deren Qualität sie überzeuge. Auch im Jahr 2019 sei die Kunst von Männern sehr viel sichtbarer als jene der Frauen. «Wir müssen ja nicht glauben, dass die Kunstwelt besser mit den Frauen umgeht als die reale Welt», sagt Filipovic im Talk mit Blick auf Karrierenchancen, Entlöhnung, Unterstützung von Frauen und Männern.

«Wie soll denn sonst erklärt werden, dass ich in der 180-jährigen Geschichte des Kunstvereins die erste Direktorin der Kunsthalle Basel bin?», so Elena Filipovic, die seit 2014 im Amt ist. Die zwei wichtigsten Positionen (General Manager und Head of Exhibitions) hat sie mit Frauen besetzt. Die üblicherweise mit Frauen besetzte Kommunikationsstelle der Kunsthalle erfüllt ein Mann.

«Wir nehmen am Frauenstreik teil»

Am Frauenstreik werde sie teilnehmen – allerdings reduziert. Denn der finde exakt am für sie wichtigsten Wochenende des Jahres statt, zur ART Basel. Deshalb werde sich der Streik im Team der Kunsthalle auf zwei kurze Pausen (um 11 Uhr und um 15:30 Uhr), mit denen die Solidarität bekundet werde, beschränken. Sie müsse da sein für das kunstinteressierte Publikum. «Ich kann mein Publikum ja nicht für die Fehler der Männer leiden lassen», so die Frau aus Los Angeles, die eine der wichtigsten Kunstinstitutionen Basels leitet.

Elena Filipovic, Direktorin Kunsthalle Basel, ist ab 18:40 Uhr zu Gast im Talk vom 29. Mai 2019.

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