(Bild: Keystone)

Basel

«Der Frauenstreik setzt falsche Zeichen»

Der Frauenstreik schaffe keinen konstruktiven Dialog. Dieser Meinung ist die Baselbieter SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger.

Telebasel hat mehrere Frauen aus der Region gebeten, über das Thema «Frauenstreiktag 14. Juni» ihre Meinung zu schreiben. Die Meinung muss sich selbstverständlich nicht mit der Redaktionshaltung decken. Ziel dieser Aktion ist der öffentliche Dialog. Den Anfang machte Elisabeth Schneider-Schneiter, Nationalrätin CVP BL und Präsidentin der Handelskammer beider Basel. Darauf antwortete ihr die Basler Soziologin und Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach. Auf sie folgt nun die Kolumne von SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger.

«Für den 14. Juni 2019 haben linke Gruppierungen, Gewerkschaften und Frauenorganisationen zum nationalen Frauenstreik aufgerufen. Sie fordern in ihrem Slogan Gleichberechtigung. Punkt. Schluss! Der organisierte Streik ist in einem demokratischen Land die extremste Form, Aufmerksamkeit für ein Thema zu schaffen.

Mit Streiks erreicht man jedoch keinen konstruktiven Dialog. Sie sind wohl eher die Sprache der Konfrontation und der Maximalforderungen, die meist weit über das Ziel hinausschiessen. Dieses kollektive Marschieren und lauthalse Skandieren wirkt auf mich eher militant und verbissen. Es geht ja beim Streik gerade darum, lahm zu legen und Radau zu machen. So erstaunt es nicht, dass der Streik glücklicherweise nicht allzu sehr zur Schweizer Kultur gehört. Streiks bringen denn auch selten umsetzbare Lösungen.

«Es ist wohl eher die Sprache der Konfrontation und der Maximalforderungen»

Diesbezüglich müssen Frauen meiner Meinung nach lieber mit Taten überzeugen. Mit Taten leisten wir einen wichtigeren und langfristigeren Beitrag für die Gesellschaft. Als Unternehmerin, Handwerkerin, Mutter und Politikerin versuche ich, genau das zu leben und bringe mich aktiv ein. Ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, dass Engagement, Eigeninitiative und Unternehmertum sich lohnen und mich auch persönlich sehr bereicheren. Damit will ich nicht sagen, dass es einfach ist. Nein, es braucht viel Herzblut, Entbehrung und Leistungsbereitschaft. Diesen Aufwand muss man aber auch auf sich nehmen, wenn man ein Mann ist. Im Zentrum sollte nicht die Geschlechterfrage, sondern die Leistung, der Einsatz und die Kompetenz stehen. So schaffen wir gelebte Gleichberechtigung.

«Im Zentrum sollte nicht die Geschlechterfrage, sondern die Leistung stehen»

Es wurde für die Frauen und ihre Anliegen schon sehr viel erreicht. Frauen studieren, sie gründen Familien und sie führen unabhängige Leben. Sie übernehmen Verantwortung in der Politik, Wirtschaft und im privaten Umfeld. Ja, sie leiten grosse Konzerne und arbeiten in Führungspositionen. Die Frauen sind gleichberechtigt, sind frei und können sich durchsetzen. Oft sagt man den Frauen nach, dass sie die besseren Chefinnen seien – sie managen das Leben vieler, agieren auf unterschiedlichsten Ebenen und wechseln ständig die Rollen. Sie sind oft alles in Einem: Mutter, Hausfrau und Geschäftsfrau.

Umgekehrt kann aber das gleiche heute über die Männer gesagt werden: Sie sind Vater, Hausmann und Geschäftsmann in Einem. Sie tragen genau wie die moderne Frau Verantwortung in Politik, Unternehmen, Vereinen und Familie gleichzeitig. Im 21. Jahrhundert soll darum in der Schweiz nicht die Geschlechterfrage im Vordergrund stehen, sondern jeder und jede soll sich fragen, wie kann ich mich einbringen und was kann ich bewegen. Wer will, kann sich einbringen und engagieren, unabhängig vom Geschlecht.

Darum bin ich gegen den Frauenstreik und möchte an diesem Tag mit Leistung und Fleiss etwas zur Gleichberechtigung beitragen und für meinen Sohn und meine Tochter als Mutter und Mensch ein Vorbild sein.»

Zur Autorin: Sandra Sollberger ist seit November 2015 Nationalrätin. Mittlerweile gehört sie zur Parteileitung der SVP Schweiz. Zuvor politisierte sie als Landrätin und als Gemeinderätin in Bubendorf. Die eidgenössisch diplomierte Malermeisterin leitet ihr Familienunternehmen.

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