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Die Telebasel Spezialsendung zur Themenwoche Food-Wahn vom 25. Mai 2019.

Basel

Spezialsendung Food-Wahn

Gesundes Essen, Schönheits- und Fitness-Sucht. Alles aktuell in unserer Gesellschaft . Wie das konkret aussieht und was es bedeutet zeigt die Sendung Food-Wahn.

Es duftet. Das Menu der 24-jährigen Innenarchitektur-Studentin Charlotte Martin: Eine Gemüsepfanne mit Peperoni, Zucchetti und Lauch. Fleischbeilage: Fehlanzeige. Mit ihrer Ansicht ist die Sankt-Gallerin nicht alleine. Immer mehr, vor allem junge Menschen, verzichten in der Schweiz auf Fleisch. Fast jede Fünfte von allen 19- bis 34-Jährigen isst fleischlos, besagt eine Studie von Swissveg. Nochmals ein Fünftel bezeichnet sich wie Charlotte Martin als Flexitarier und versucht möglichst oft auf Fleisch zu verzichten. Das spüren auch die Detailhändler wie die Migros. Diese bieten immer mehr fleischlose Produkte an.

Gesundes Essen macht krank

Ganz ein neues Phänomen der Esstörungen ist die Orthorexia Nervosa. Eine Essstörung, die noch nicht als Krankheitsbild definiert ist, aber in direktem Zusammenhang mit der Ernährung steht. Dabei schauen Betroffene ganz genau, was sie essen und welche Inhaltsstoffe ihr Essen hat. Es dreht sich alles nur noch um das Essen.

Das sei aber nur ein Teil des Problems, erklärt Claudia Gramespacher, Leiterin Ambulanz ZPP an den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) in Basel: «Diese Personen können sich nicht mehr mit anderen Menschen treffen, um zu essen. Sie müssen das vermeiden, weil sie  ungesunde Sachen nicht essen können. Das heisst, es kommt zu einer zunehmenden sozialen Isolation.»

Draussen will man essen

Sie sind mittlerweile schon Kult in der Region: Die Streetfood-Festivals am Hafen oder bei der Messe. Saftige Burger brutzeln direkt vor den Augen um die Wette, süsse Verlockungen schreien nach hungrigen Mäulern. Von ungarischen Baumstriezeln bis hin zu Kängurufleisch – die kulinarische Reise führt durch die ganze Welt.

Der Trend hin zum Streetfood entspreche den Trends auch in anderen Gesellschaftsbereichen, sagt Sebastian Dümling, Kulturwissenschaftler an der Uni Basel: «So wie wir arbeiten, so wollen wir auch essen, so wollen wir auch Urlaub machen: nämlich sehr flexibel, sehr selbstbestimmt – eben sehr besonders».

Zweifelhafte Pulver und Pillen

Der Fitness-Trend bei den 19-34-Jährigen zeigt sich in der Statistik des Bundes. 2002 haben sich 28 Prozent aller Frauen als trainiert bezeichnet. Bei den Männern knapp 43 Prozent. 15 Jahre später sind es bei den Frauen ein Drittel und bei den Männern praktisch jeder zweite, der sich als trainiert bezeichnet. Auf diese Gruppe zielt die Supplement-Industrie ab.

Das 30-jährige Fitness-Modell weiss, wie wichtig beim Thema Nahrungsergänzung Vertrauenspersonen sind. Denn auf dem Markt gebe es viele Scharlatane. «Es gibt ganz viele, die darauf hereinfallen. Denn es gibt so viele, die Präparate anbieten. Jeder will seine Philosophie an den Mann bringen und natürlich auch sein Geld verdienen», so Andrea Schärer.

Hollywood-Diät auf dem Vormarsch

Fitness und Ernährung sind im Trend. Damit verbunden auch gutes Aussehen. Das spürt Dominik Schnyder auch in seiner Praxis in Riehen. Dort bietet er die Hollywood-Diät an. Und merkt: In letzter Zeit kommen immer mehr Menschen, die möglichst schnell Kilos verlieren wollen.

«Das Spezielle an dieser Diät ist, dass man eine 500-Kalorien-Diät macht. Mit 500 Kalorien könnte man eigentlich nicht arbeiten, man ist nicht leistungsfähig», erklärt Schnyder «Bei dieser Diät spritzt man sich täglich eine niedrige Dosierung des Schwangerschaftshormons HCG, das man auch beim Schwangerschaftstest misst.»

Hergestellt werden die Hormonspritzen aus dem Urin schwangerer Frauen. Damit nehme man vor allem am Bauch ab. In sechs Wochen könne man damit sechs bis acht Kilo verlieren. Für Ernährungsberaterin Simone Itin sind Diäten kein Mittel, um sein Gewicht und Wohlbefinden in den Griff zu kriegen.

Spezialsendung zur Themenwoche Food Wahn am 25. April 2019 ab 19:15 Uhr stündlich.

Alle Beiträge der Themenwoche Food Wahn finden Sie hier.

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