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Der Telebasel News Beitrag vom 23. Mai 2019.

Basel

«Die Anderen haben ein Aufbauproblem»

Der Kampf um den Sitz in der Regierung für die zurücktretende Regierungsrätin Eva Herzog (SP) hat noch nicht begonnen. Fehlen die Kandidaten?

Ende Januar 2020 wird im Basler Regierungsrat der Sitz der Finanzdirektorin Eva Herzog frei. Eigentlich müsste jetzt der Wahlkampf um den frei gewordenen Sitz beginnen, wirklich bereit dafür scheint aber erst die SP zu sein. Bei den Bürgerlichen wird noch nach «Freiwilligen» gesucht. Die Basler GLP-Parteipräsidentin Katja Christ spricht gar von einem «Aufbauproblem» möglicher Kandidaten anderer Parteien.

Keine Kandidaten von der SVP

«Wir haben zwar noch nicht darüber gesprchen. Wahrscheinlich wird die SVP jetzt aber niemanden stellen», sagt der Basler SVP-Präsident Edi Rutschmann gegenüber Telebasel. In einer Einzelkandidatur habe die SVP keine Chance, gibt er zu bedenken. Und da es nichts bringe, würde die Partei jemanden mit Potenzial so nur «verheizen».

Stattdessen wolle die Basler SVP einen bürgerlichen Kandidaten aus einer anderen Partei unterstützen. Ambitionierte Anwärter der Bürgerlichen auf den frei gewordenen Sitz haben sich bisher noch nicht zu Wort gemeldet und es stellt sich die Frage: Gibt es die denn überhaupt?

Anspruchsvolle Suche

Auch der Basler FDP-Präsident Luca Urgese gibt zu: «Ich bestreite nicht, dass es eine anspruchsvolle Suche ist». Noch stünden die Gespräche allerdings bevor. «Jetzt schon Vorwürfe zu erheben, finde ich etwas seltsam. Es ist erst drei Tage her, dass Eva Herzog ihren Rücktritt bekannt gegeben hat», so Urgese.

Versäumnis der anderen Parteien

Deutliche Vorwürfe erhebt Katja Christ von der GLP: «Die anderen Parteien haben ein Aufbauproblem in der Basis. Die haben das einfach versäumt», kritisiert sie. Ihre eigene Partei müsse noch besprechen, ob sie ins Rennen um den Regierungsratssitz geht, sie stehe jetzt noch allem offen gegenüber. «Wir haben die Personalarbeit gemacht», so Katja Christ weiter.

Nur noch eine Frau im Regierungsrat

Wäre die Basler GLP-Parteipräsidentin Katja Christ also eine mögliche Kandidatin? Ein Kriterium, das neben anderen Qualifikationen für sie spricht, ist die Tatsache, dass sie im Regierungsrat für einen höheren Frauenanteil sorgen würde. Ohne Eva Herzog verbleibt einzig Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann als Frau im Regierungsrat.

«Eine Frau wäre besser. Ein gemischtes Gremium funktioniert immer besser», findet die Basler CVP Grossrätin Andrea Elisabeth Knellwolf. Es sei aber nicht zwingend, dass die Parteien eine Frau stellen müssten.

Auch Katja Christ selber will die Suche nach der Nachfolge nicht auf das Geschlecht reduzieren: «Ich finde schon, es sollte eine ausgeglichene Vertretung in der Regierung geben, aber es geht sowieso nur um ein Jahr. Dann wird der gesamte Regierungsrat neu gewählt und dafür jetzt zwanghaft Frauen zu suchen, wo keine sind, macht auch keinen Sinn».

Ungelegener Zeitpunkt

Damit spricht Katja Christ einen weiteren Punkt an, der für die Anwärterflaute unter den Bürgerlichen sorgen könnte. Im Herbst 2020 stehen die Gesamterneuerungswahlen an. Die Chancen, dann einen oder gleich mehrere Sitze für sich gewinnen zu können, rechnen sich die Bürgerlichen wahrscheinlich höher aus. Momentan befinden sich die Parteien im Nationalratswahlkampf. Der freie Sitz im Regierungsrat kommt also gänzlich ungelegen.

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