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Der Beitrag in den Telebasel News vom 21. Mai 2019.

Basel

Gesund essen kann krank machen

Orthorexia Nervosa ist neu. Und noch nicht als Krankheit anerkannt. Doch für immer mehr Personen wird das strikt gesund Essen zum Problem mit fatalen Folgen.

Bulimie und Magersucht verschwinden einfach nicht. Im Gegenteil: Zu den klassischen Essstörungen kommen noch neue Krankheiten dazu. Binge-Eating zum Beispiel. Das sind Fressattacken wie bei der Bulimie aber ohne das Übergeben danach. Ganz ein neues Phänomen ist die Orthorexia Nervosa. Eine Essstörung, die noch nicht als Krankheitsbild definiert ist, aber in direktem Zusammenhang mit der Ernährung steht.

Dabei schauen Betroffene ganz genau, was sie essen und welche Inhaltsstoffe ihr Essen hat. Es dreht sich alles nur noch um das Essen. Das sei aber nur ein Teil des Problems, erklärt Claudia Gramespacher, Leiterin Ambulanz ZPP an den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) in Basel: «Diese Personen können sich nicht mehr mit anderen Menschen treffen, um zu essen. Sie müssen das vermeiden, weil sie  ungesunde Sachen nicht essen können. Das heisst, es kommt zu einer zunehmenden sozialen Isolation.»

Ältere Frauen mit Essstörungen

Bei den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel spürt man, dass Essstörungen nicht mehr nur ein Problem von jungen Erwachsenen sind. «Wir merken, dass Kinder oder Mädchen schon Essstörungen entwickeln. Oder ältere Frauen. Also Frauen, die in den Wechseljahren sind und die nochmals oder erstmals in eine Essstörung hineinrutschen. Das ist zunehmend», so Gramespacher.

Essstörungen auf dem Vormarsch

Das führt dann zu Einsamkeit und Depressionen. Oft erkennen die Betroffenen das radikal-gesund-essen erst dann als Problem, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Essstörungen allgemein nehmen wieder zu. «Ich glaube das wird immer mehr. Generell ist ja ein Optimierungsdrang bei uns in der Gesellschaft im Gang. Wir müssen alle immer alles viel besser im Griff haben und leistungsfähiger sein», so Gramespacher.

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