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Schweiz

60’000 Menschen unschuldig weggesperrt und fake Instagram-Follower

Bis zu 60'000 unschuldig weggesperrte Menschen in der Schweiz und viele falsche Instagram-Follower: Die Schlagzeilen der Sonntagspresse in der Übersicht.

60’000 unschuldig Eingesperrte

Schweizer Behörden haben laut einer Expertenkommission des Bundes im 20. Jahrhundert insgesamt bis zu 60’000 unschuldige Menschen in Anstalten oder Gefängnissen weggesperrt. Dies berichten «NZZ am Sonntag» und «Le Matin Dimanche» unter Berufung auf Angaben der vom Bundesrat eingesetzten, unabhängige Expertenkommission (UEK).

Die Forscher sammelten erstmals Zahlen zum Ausmass der administrativen Versorgung in der Schwez. Die Betroffenen wurden ohne Gerichtsverfahren in Anstalten oder Gefängnisse gesteckt, weil sie keine Arbeit hatten, zu viel tranken, unehelich schwanger waren oder sonst nicht dem Idealbild der Gesellschaft entsprachen.

Bis 1981 waren solche Zwangsmassnahmen möglich. Die Praxis war dem Bericht zufolge weit verbreitet. Diese zeige die hohe Zahl von Einrichtungen, in denen die Opfer versorgt worden seien. Die Historiker fanden demnach 648 solche Institutionen, darunter Arbeitsanstalten, Psychiatrien, Strafanstalten oder Trinkerheilstätten.

Die Zahlen würden zeigen, dass die administrative Versorgung in der Schweiz ein Phänomen grosser Tragweite gewesen sei, sagte UEK-Präsident und Zürcher Ex-Justizdirektor Markus Notter der «NZZ am Sonntag». «Wenn sich eine Gesellschaft bedroht fühlt, ist sie zu vielem fähig – auch zu Dingen, über die man sich im Nachhinein wundert.» Notter will am Montag offiziell über die Erkenntnisse informieren.

Amherd offen für Frauen-Kandidatur

Die Schweizer Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) ist «offen» gegenüber der Kandidatur einer Frau an der Spitze der Armee. Eine solche Entscheidung würde aber nicht wegen des Geschlechts getroffen, «sondern weil es die beste Kandidatur ist», sagte die christdemokratische Bundesrätin in einem Interview mit der Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche».

Der Armee «mangelt es unter den Kadern eindeutig an Frauen», stellte die Walliserin fest und betonte, dass es zuerst notwendig sei, mehr weibliche Soldaten zu rekrutieren, um dann mehr weibliche Offiziere zu haben. In diesem Sinne sei sie bereit, angehende Offiziere in zivile Schulen zu schicken, wo die Militärs ihre Arbeit präsentieren sollen. «Aber es sind die Leiter dieser Institutionen, die das letzte Wort haben müssen.»

Was die mögliche Wehrpflicht für Frauen betrifft, so erklärte Amherd im Unterschied zur bisherigen Haltung des Bundesrat, «offen für diese Frage sein». Angesichts des Mangels an Armeepersonal sagte Amherd weiter: «Ich will keine Optionen ausschliessen. Es werden mehrere Wege erforscht, um die Armee attraktiver zu machen.»

Maurer Teil von Trumps-Inszenierung

Der Besuch von Bundespräsident Ueli Maurer (SVP) beim US-Präsidenten Donald Trump am Donnerstag in Washington war nach Ansicht eines früheren Schweizer Diplomaten Teil von Trumps Inszenierung im Konflikt zwischen den und USA und dem Iran. «Für Trump ist der Hinweis auf die Rolle der Schweiz nützlich, um zu behaupten, er möchte mit Teheran ins Gespräch kommen, nachdem er den Iran massiv wirtschaftlich, politisch und militärisch unter Druck gesetzt hat», sagte der Ex-Botschafter und Zürcher alt SP-Nationalrat Tim Guldimann im Interview mit dem «SonntagsBlick».

Guldimann war von 1999 bis 2004 Schweizer Botschafter im Iran und von 2010 bis 2015 Botschafter in Berlin. Trump rassle mit dem Säbel und gebe gleichzeitig den «Dealmaker», erklärte der in Berlin lebende 68-Jährige weiter. Seit Donnerstag sei die Schweiz Teil von dieser Inszenierung. «Das ist okay, denn diese Statistenrolle bringt auch den Vorteil besserer Kontakte mit Washington.» Diese Gunst habe der Bundespräsident für das Dossier des Freihandelsabkommens Schweiz-USA genutzt.

Die Schweiz ist Schutzmacht zwischen den beiden Konfliktparteien USA und Iran. Die Eidgenossenschaft vertritt die US-Interessen in Teheran und ebenso die iranischen Interessen in Washington.

Immer weniger Zivilschützer

Beim Schweizer Katastrophenschutz haben die Neurekrutierungen ein Rekordtief erreicht. Wurden lange Zeit jährlich 6000 junge Männer für den Zivilschutz ausgehoben, waren es in den vergangenen zwei Jahren weniger als 4000, wie «Ostschweiz am Sonntag» und «Zentralschweiz am Sonntag» berichten.

Die Kantone schlagen demnach nun Alarm und wollen sich beim Zivildienst bedienen. Die zuständige Regierungskonferenz will Bundesrätin Viola Amherd (CVP) kommende Woche einen Brief zukommen lassen mit der Forderung nach einer Arbeitsgruppe. «Das Bestandesproblem ist dramatisch», sagte Alexander Krethlow, Generalsekretär der Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr den Zeitungen. «Wir müssen möglichst schnell prüfen, wie Zivildienstleistende künftig auch im Zivilschutz eingesetzt werden können.»

Den Kantonen schwebt demnach das Modell einer «Sicherheitsdienstpflicht» vor, bei dem Zivildienst und Zivilschutz zu einem Katastrophenschutz fusioniert würden. Zivildienstliche Tätigkeiten im Sozial- und Gesundheitswesen wie auch zu Gunsten  der Natur würden damit eingeschränkt.

Fast die Hälfte der Instagram-Follower sind fake

Jeder dritte Schweizer Instagram-Follower ist einer neuen Studie zufolge erfunden. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, würden Berechnungen des US-amerikanischen Start-ups Hypeauditor dies nahelegen. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, solche Fälschungen aufzuspüren. Weltweit seien sogar 46 Prozent der Follower auf Instagram gefakt, wird Firmenchef Alex Frolow zitiert.

Immer mehr Instagrammer kaufen sich demnach im Wettbewerb um Partnerschaften und Werbedeals mit Unternehmen Follower, Likes und Kommentare. In den sozialen Medien floriert das Geschäft mit den sogenannten Influencern. Bei diesen handelt es sich um für die Werbeindustrie interessante Meinungsmacher mit Ansehen, Einfluss und Reichweite. Bis im kommenden Jahr sollen gemäss der Influencer-Marketingagentur Mediakix weltweit fast 2,5 Milliarden US-Dollar mit jungen Social-Media-Promis umgesetzt werden.

30 bis 40 Millionen Franken sollen es heuer in der Schweiz sein. Marken und Werbetreibende ermitteln gemäss dem Bericht vermehrt mit künstlicher Intelligenz und schlauen Algorithmen die Qualität von Instagram-Profilen.

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