Die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter hält nichts von einem Frauenstreik. (Keystone)

Baselland

Schneider-Schneiter: «Wir Frauen brauchen keinen Frauenstreiktag»

Am 14. Juni 2019 ist Frauenstreiktag. Aber den hält CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter für unnötig. Und sogar kontraproduktiv.

Telebasel hat mehrere Frauen aus der Region gebeten, über das Thema «Frauenstreiktag 14. Juni» ihre Meinung zu schreiben. Die Meinung muss sich selbstverständlich nicht mit der Redaktionshaltung decken. Ziel dieser Aktion ist der öffentliche Dialog. Den Anfang macht Elisabeth Schneider-Schneiter, Nationalrätin CVP BL und Präsidentin der Handelskammer beider Basel.

«Wir brauchen Frauen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Nicht im Streik»

«Lohn. Zeit. Respekt!» So das Motto des Frauenstreiktags 2019 für die Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt. An dieser Initiative stört mich dreierlei: das Ausrufezeichen, der Gleichheitsanspruch und der Fokus auf die Arbeitswelt.

«Klare Worte bewirken mehr als laute Schreie»

In bewährt gewerkschaftlicher Manier wird die Forderung zur Befehlsform, mit dem Gang auf die Strasse zum Klassenkampf. Wir sehen Protestzüge durch Grossstädte, Versalien auf Banderolen, pöbelhafte Massen und noch mehr Imperative. Haben wir Frauen das wirklich nötig? Ich persönlich sehe uns nicht als gellende Bande, die nur mit populistischen Parolen und medialer Multiplikation von sich reden macht. Wir sind doch selbstbewusst, differenziert und kreativ genug, um unseren Sichtweisen und Argumenten Gehör zu verschaffen. Wir legen in allen Bereichen tatkräftig und beharrlich Hand an, die einen im Kleinen, die anderen im Grossen. Wir können analysieren, evaluieren, argumentieren. Denn wir wissen: Klare Worte bewirken mehr als laute Schreie. Deshalb müssen wir uns mutig ins Rampenlicht stellen und für unsere eigene Meinung einstehen. Denn auf der Strasse gewinnen wir keinen Kampf. Sondern nur dort, wo er ausgefochten wird.

«Vielleicht sollten wir vielmehr ein neues Selbstverständnis dafür entwickeln, was wir (besser) können»

Gleichstellung, Chancengleichheit, Gleichberechtigung – es gibt viele Begriffe, die das umschreiben, was Frauen anstreben: das Gleiche wie der Mann. Nur: Möchten wir das wirklich? Möchten wir nicht vielmehr unser Eigenes? Wir suchen Akzeptanz dafür, was wir tun; von anderen Frauen genauso wie von Männern. Vielleicht sollten wir vielmehr ein neues Selbstverständnis dafür entwickeln, was wir (besser) können. Natürlich herrschen Lohn- und Chancenungleichheit. Und natürlich finde auch ich das untragbar. Aber in einer männerdominierten Welt gelten von Männern geschriebene Regeln. Also müssen wir Frauen unsere eigenen Trümpfe ausspielen. Dazu brauchen wir Standhaftigkeit gegenüber harter Kritik; Männer sind diesbezüglich bekanntlich nicht zimperlich.Und dazu brauchen wir eine gesunde Selbstachtung und eine gehörige Portion Stolz auf unsere weiblichen Qualitäten wie Motivation, Durchsetzungskraft, Neugierde oder Flexibilität. Diese Eigenschaften machen uns Frauen einzigartig, nicht gleichgestellt.

«Wir haben das Talent, uns weit über die Arbeit hinaus zu engagieren. Wir sind sozialkompetent, vielseitig interessiert, offen und mutig»

Die Arbeitswelt ist voller Diskriminierung. Die Löhne für Männer und Frauen sind bei gleicher Funktion oft empörend abweichend. Die Frauenquoten in Führungsgremien sind vernichtend gering. Betreuung, Angehörigenpflege, Freiwilligenarbeit, Mutterschaft und vieles mehr werden unzureichend abgegolten. Sexismus am Arbeitsplatz ist trauriger, aber wahrer Alltag. Das ist inakzeptabel. Und trotzdem sollte uns Frauen nicht nur unser Ansehen in der Arbeits-, also Männerwelt wichtig sein. Denn wir haben das Talent, uns weit über die Arbeit hinaus zu engagieren. Wir sind sozialkompetent, vielseitig interessiert, offen und mutig. Wir können mehr als funktionieren. Wir können das Leben. Das macht uns Frauen zu einem unverzichtbaren (und grösseren) Teil der Gesellschaft – weit über die Arbeitswelt hinaus.

Liebe Frauen, liebe Männer: Wir Frauen brauchen keinen Frauenstreiktag, damit man uns hört. Wir brauchen mehr Selbstwertgefühl, mehr Courage fürs Rampenlicht und eine dickere Haut. Nur so können wir Alltag und Zukunft als Partner auf Augenhöhe gestalten. Darum, liebe Frauen, lasst uns Frauenpower zeigen – mit erhobenem Haupt, nicht mit erhobenen Fäusten.

Elisabeth Schneider-Schneiter, Nationalrätin (CVP BL).

3 Kommentare

  1. Wasser predigen und Wein trinken.
    Typisch für unsere Politikerinnen. Keine Kämpferinnen.
    Selber in der Comfortzone, vom Steuerzahler finanziert und andere Frauen im Stich lassen und die Drecksarbeit machen lassen.
    Schliessen sie nicht von sich auf andere Frau Schneider Schneiter.Report

  2. Liebe Frau Schneider Schneiter
    Sie haben es natürlich, als zu den in vieler Hinsicht privilegierten Frauen zählend, nicht nötig.
    Und wieder könnte man sagen: Jeder Mensch sagt die Wahrheit – seine.Report

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