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Der Telebasel News Beitrag vom 9. Mai 2019.

Basel

FCB-Chaot teilweise schuldig gesprochen

Fast sechs Jahre nach dem Spiel gegen Schalke 04 hat das Basler Strafgericht einen FCB-Chaoten verurteilt. Er beging unter anderem Landfriedensbruch.

Die Basler Staatsanwaltschaft beantragte am Strafgericht für den mutmasslichen FCB-Hooligan eine bedingte Freiheitsstrafe von sieben Monaten mit zwei Jahren Bewährungsfrist. Die Anklage basierte im Wesentlichen auf Videoaufnahmen, die die Ordnungskräfte der Polizei im Vorfeld der Champions League-Partie FC Basel gegen den FC Schalke 04 am 1. Oktober 2013 aufgenommen hatten.

Vor dem Anpfiff hatte die schwer gerüstete Polizei alle Hände voll zu tun, um die Anhänger beider Fanlager nicht aufeinander treffen zu lassen. Dazu riegelte der Ordnungsdienst die St.-Jakob-Strasse mittels eines doppelten Kordons ab.

Videosequenzen waren entscheidend

Die Gruppe offensichtlich gewaltbereiter FCB-Anhänger, in deren Reihen der heute 25-jährige Angeklagte mehr oder weniger klar – trotz Sturmhaube – identifiziert werden konnte, versuchte mehrere Male, die Polizeireihen zu durchbrechen. Wohl um die direkte Konfrontation mit den Schalker Anhängern zu suchen.

In den Filmsequenzen, in denen der Beschuldigte erkennbar ist, kommt es allerdings nicht zu strafbaren Handlungen. Diese geschahen in Form von Gewalt gegen einzelne Polizisten erst später – dort ist der Angeklagte nicht zu sehen.

Das war auch das Hauptargument der Verteidigung. Nur weil der Angeklagte zu Beginn des Films zu sehen ist, könne nicht mit Sicherheit darauf geschlossen werden, dass er auch bei den wüsten Szenen danach, die sich gegen die Polizei richteten, dabei war.

Auch habe der Angeklagte unter dem überaus lange dauernden Strafverfahren gelitten. Sind doch zwischen dem Champions League-Abend im Oktober 2013 und der heutigen Verhandlung annähernd sechs Jahre verstrichen. Das sei schon Strafe genug.

Stawa verschleppte Anklage

Weshalb es so lange dauerte, konnte selbst der junge Staatsanwalt nicht genau erklären. Er hat den Fall von einem Vorgänger geerbt. Offenbar ist das Strafverfahren bei den Strafverfolgern einfach liegen geblieben.

Dennoch sprach die Richterin den Angeklagten des Landfriedensbruchs schuldig. Auch die passive Teilnahme an einer solchen Zusammenrottung ist strafbar, weil diese gegen das öffentliche Interesse, eben den «Landfrieden», verstösst. Auch zum Straftatbestand der Drohung und Gewalt gegen die Polizei setzte es einen Schuldspruch ab. Einzig vom Raufhandel wurde der Beschuldigte freigesprochen, da es keine nachgewiesenen Verletzungen gab.

Dieser Punkt bezieht sich allerdings nicht auf die Geschehnisse vor dem Joggeli, sondern auf eine verabredete Schlägerei in einem Waldstück bei Müllheim (D). Dort trafen sich Gewaltsuchende FCB-Anhänger mit solchen des SC Freiburgs zu einer unter Hooligans genanten Partie «Wald und Wiese»; das heisst zu einer vereinbarten Schlägerei.

Abgemildertes Strafmass

Unter dem Strich resultierte für den Beschuldigten eine bedingte Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 130 Franken. Strafmildernd rechnete ihm das Gericht an, dass die Staatsanwaltschaft das Gebot zur Beschleunigung von Strafverfahren klar verletzte. Sind doch rund zwei Drittel der Verjährungsfrist bereits verstrichen.

Sicher vier Jahre sei in diesem Verfahren gar nichts passiert, das Dossier habe in irgendeiner Schublade geruht, so das Gericht. Ausserdem habe sich der Angeklagte seither nichts mehr zu schulden kommen lassen und sein Leumund war zuvor ein unbeschriebenes Blatt.

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