Featured Video Play Icon
Der Telebasel Talk vom 8. Mai 2019.

Basel

Multikulti-Debatte an GGG-Fachtagung

Unter dem Titel «Assimilation oder Multikulturalismus?» lädt die Basler GGG den streitbaren Soziologen Ruud Koopmans an eine Fachtagung. Sie ist ausgebucht.

Die Fachtagung mit der GGG verspricht eine hitzige Diskussion zu einer schwierigen Frage: «Assimilation oder Multikulturalismus?» Auf dem Podium sitzen SP-Mitglied und «Ausländeranwalt» (Bezeichnung Tagesanzeiger) Marc Spescha und der niederländische Soziologe Ruud Koopmans, der von Einwanderern mehr Anpassung fordert.

Multikulti schade den Zuwanderern. Insbesondere Muslimen, da sich diese mehr als andere Bevölkerungsgruppen absetzten. Er verwendet das in akademischen Kreisen ungeliebte Wort «Assimilation». Zwar hält sich Koopmans für einen Linken. Aber die Linke ist es, die ihn am schärfsten attackiert. Als in den Niederlanden der Fraktionschef der Grünen in der Rushdie-Affäre erklärte, dass sich der Autor die Fatwa selbst eingebrockt habe, trat Koopmans aus. 

Spielt Diskriminierung keine Rolle mehr?

Unter Assimilation versteht Ruud Koopmans zunächst einmal, sich problemlos in der Sprache des neuen Wohnlandes verständigen zu können und hauptsächlich dessen Medien zu nutzen, ferner seine Bekannten und Freunde nicht nur in den eigenen Kreisen, sondern auch in der Mehrheitsgesellschaft zu finden.

Arbeitgebern wirft er in Bezug auf muslimische Bewerber zwar stereotypes Denken vor, empfiehlt jedoch Zurückhaltung mit Begriffen wie Rassismus oder Diskriminierung. Die FAZ fragte ihn 2016: In Ihren Befunden spielt Diskriminierung also keine Rolle mehr? Koopmans: «Wenn man die genannten kulturellen Aspekte berücksichtigt, bleiben jedenfalls keine signifikanten statistischen Unterschiede mehr. Es gibt sicherlich Diskriminierung, diese fällt nur viel geringer aus als bislang angenommen». Den Killerfaktor für eine Anstellung hält er die kulturelle Nähe – die die Einwanderer zu suchen hätten.

Unbequeme Fakten

Schon die Orientierung an der «Mehrheitsgesellschaft» stösst auf Widerstand. Dem Soziologieprofessor am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) warfen etwa Kommilitonen der Humboldtuniversität vor, «Stimmung gegen Personen muslimischen Glaubens in Deutschland zu machen».

Er hält dagegen, dass die meisten Menschen unbequeme Fakten nicht hören wollten. Ruud Koopmans habe sich sein Linkssein «kaputtrecherchiert», befand die Zeit. In der Zeitschrift Emma resümierte er 2016 eigene Forschungsergebnisse über muslimische Einwanderer: «30 Prozent der ­Befragten in Deutschland haben ein fundamentalistisches Weltbild. In Belgien und Frankreich waren es sogar 50 Prozent». Die drei Fragen lauteten: Sollten Muslime zu den Wurzeln des Islam zurückkehren? Gibt es nur eine bindende Auslegung des Koran? Sind religiöse Regeln wichtiger als säkulare Gesetze? Wer drei Mal «ja» antwortete, gehörte dazu.

Die GGG schreibt:

«GGG Migration ist die grösste Stelle für Migrationsfragen in Basel-Stadt. Sie beschäftigt sich regelmässig mit aktuellen Fragen, die die Bevölkerung und Politik beschäftigen. Deshalb hat GGG Migration den prominenten Forscher Prof. Dr. Ruud Koopmans als Referenten zu ihrer jährlichen Fachtagung Integration eingeladen. Das Publikum besteht aus Fachpersonen aus Migrationsbehörden, Sozialämtern, NGOs, Fachhochschulen, Hilfswerken und Verantwortlichen von Gemeindeverwaltungen. Leider ist die morgige Veranstaltung vollständig ausgebucht.»

Wie gut funktioniert Integration in der Schweiz? Was will der Soziologe an der GGG-Fachtagung mitteilen? Ruud Koopmans erklärt seine Sicht ab 18:40 Uhr im Talk vom 8. Mai 2019.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*