Unsere Praktikantin Stéphanie Mollet als Slytherin-Zauberschülerin zusammen mit Bösewicht Lord Voldemort. (Bild: Telebasel)

Basel

Was hinter dem Fantasy-Hype steckt

Was macht «Game Of Thrones» und Co. so populär? Eine Cosplayerin, ein Soziologe und ein Experte für Fantasy-Literatur erklären ihre Sicht auf den Trend.

Die 22-jährige Stéphanie Mollet ist in der Cosplayer-Szene aktiv. Für die Online-Praktikantin bei Telebasel war Harry Potter die Initialzündung für dieses Hobby. An der diesjährigen Fantasy Basel wird sie daher als Draco Malfoy und Narcissa Malfoy die Messehallen unsicher machen. Auch als Polly Shelby aus der Gangster-Serie Peaky Blinders wird man die Cosplayerin sehen.

Lesen gelernt dank Fantasy-Büchern

Während der Fantasy Basel in diese fremde Welt einzutauchen, ist für sie mehr als ein Kostümball. «Ich habe mir selbst mit Harry Potter das Lesen beigebracht», sagt Stéphanie Mollet. Bereits als Sechsjährige im Kindergarten verschlang sie die Bücher von Joanne K. Rowling.

Für sie ist das Universum rund um den jungen Magier ein wichtiger Teil des Lebens. «Das war für mich immer ein Fluchtort.» Auf ihrem Bücherregal stehen daher ausser der Romanreihe auch Zauberstäbe und Figuren aus der Hogwarts-Welt.

Mollet ist nicht die Einzige, die gerne in die Rolle von Film-, Roman- und Comicfiguren schlüpft. Die Fantasy Basel lockte letztes Jahr 52’000 Besucher an. Besonders auf Interesse stossen dürfte dieses Jahr der Thron aus der Serie «Game of Thrones», die in aller Leute Munde ist – sofern er denn noch den Weg nach Basel findet. Schwierigkeiten bei der Lieferung verzögern die Ankunft der Attraktion um unbestimmte Zeit. Seit dem Hype um «Herr der Ringe» und «Harry Potter» zu Beginn der Nullerjahre bleibt die Fantasy-Popularität ungebrochen.

Kritik an Männer-Fantasien

Warum gerade in den letzten Jahren dieses Genre derart beliebt ist, hat mehrere Gründe. Der Basler Soziologe Ueli Mäder sieht etwa die Fantasy Basel als Forum für Popkultur, die zeigt, was gesellschaftlich interessiert. «Die inszenierte Traumwelt kontrastiert unsere Realität, die sie aber auch reproduziert», sagt Mäder. «So wirbt eine halbnackte Frau für die Veranstaltung – sie verstärkt Männer- und Superman-Fantasien.»

Für problematisch hält Ueli Mäder auch die Darstellung von Gewalt. Dies, weil im Alltag die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen könnten. Positiv findet Mäder an Fantasy, dass sie viel Kreatives und Ausgefallenes zeige und gar – wie im diesjährigen Messeprogramm – Interesse für den Weltraum und neue Forschungsbereiche wecke. «Viele Inszenierungen kommen aber übersteigert technisiert und fetischisiert daher. Da fehlen mir die sozialen Utopien», findet Mäder.

Fantasy soll nicht nur weltfremd sein

Weniger pessimistisch sieht das der Basler Literaturwissenschaftler Daniel Lüthi. Er schrieb seine Doktorarbeit über Fantasy-Romane. Im Hype um das Genre sieht er zwei Deutungsmuster. Auf der einen Seite stehe Fantasy für einen Eskapismus, eine Flucht in eine bessere Welt.

Auf der anderen Seite gebe es die Ansicht, dass sich die Fantasy-Welten eigentlich gar nicht gross von der realen Welt unterscheiden. Man denke etwa an die Intrigen in «Game Of Thrones» oder an die Schlachten in «Herr der Ringe». Auch wenn zum Beispiel der Schriftsteller J.R.R. Tolkien den Einfluss des Zweiten Weltkriegs auf seine Bücher stets abstritt, sind viele Kritiker der Meinung, dass die Parallelen dennoch unübersehbar sind.

«Dem Fantasy-Genre wird oft der Vorwurf gemacht, es sei weltfremd – doch das stimmt bei genauerem Hinsehen gar nicht», sagt Daniel Lüthi.  So thematisiere vor allem die neuere Literatur auch Themen wie Sexismus und Rassismus – eben aus der Fantasy-Perspektive. «So brechen weibliche Figuren nun aus dem Klischee der Passivität aus und sind selbst Heldinnen, ferner sind auch Orks nicht immer nur böse, sondern oft einfach bloss anders.»

Fantasy als Weltflucht oder Sinnbild der Welt? «Es sind zwei Seiten derselben Medaille», sagt Lüthi. «So ist Fantasy oft ein Spiegel der Welt, wenn auch ein verzerrter.»

Verfolgen Sie die Fantasy Basel ab Freitagmittag online im Ticker auf telebasel.ch.

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