Der Japanische Kaiser Akihito gibt sein Amt an seinen Sohn weiter. (Bild: Keystone)

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In Japan endet eine Ära

Zum ersten Mal in der ältesten Erbmonarchie der Welt seit 200 Jahren dankt der Kaiser des Landes ab und macht den Thron für seinen Sohn frei.

Japans Kaiser Akihito hat den Göttern des Landes seine Abdankung angekündigt. Der 85 Jahre alte Monarch führte am Dienstag in den Schreinen seines Palastes religiöse Riten aus – gekleidet in die moderne Version einer jahrhundertealten höfischen Tracht aus goldbrauner Robe und hoch aufragender schwarzer Kopfbedeckung.

In den Heiligtümern der japanischen Ur-Religion Shinto wird unter anderem die Sonnengöttin Amaterasu Omikami verehrt. Den Mythen nach sind die japanischen Kaiser unmittelbare Nachfahren von Amaterasu Omikami.

Sohn Naruhito übernimmt

Formal dankt Akihito um Mitternacht (17 Uhr MESZ) ab, womit seine 30-jährige Regentschaft namens «Heisei» (Frieden schaffen) endet. Es ist das erste Mal seit rund 200 Jahren in der ältesten Erbmonarchie der Welt, dass ein Kaiser zu seinen Lebzeiten abdankt. Am Tag darauf besteigt Akihitos ältester Sohn, Kronprinz Naruhito (59), den Thron und läutet damit eine neue Ära für Japan ein.

Sein Vater Akihito wollte zuvor am Dienstag bei einer staatlichen Abdankungszeremonie im Palast ein letztes Mal Worte an die Öffentlichkeit richten. Es wird die letzte Rede Akihitos als Tenno sein. Als Vertreter der Öffentlichkeit wird der rechtskonservative Ministerpräsident Shinzo Abe im Beisein von rund 300 Gästen und Mitgliedern der Staatsspitze Worte der Dankbarkeit für den seit 30 Jahren amtierenden Tenno aussprechen.

Akihitos «Heisi»

Akihitos Regentschaft «Heisei» war für Japan eine Zeit des Friedens, aber auch der Katastrophen – wie das Erdbeben in Kobe 1995 und die Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall 2011 in Fukushima. Wirtschaftlich ging es zudem mit Japan in dieser Zeit bergab. Voller Erwartung blicken die Japaner denn auch auf die Ära des neuen Kaisers Naruhito, der die Regierung den Devisennamen «Reiwa» gab. Offiziell wird dies mit «schöner Harmonie» übersetzt.

Akihito war der erste Repräsentant eines etwas moderneren, dem Volke näheren Hofes. Als damaliger Kronprinz brach er im April 1959 mit der fast 2000 Jahre alten Hoftradition und heiratete mit der Unternehmertochter Michiko Shoda eine Bürgerliche.

Die Hochzeit zwischen Akihito und seiner «Tennisplatz-Liebe» versetzte damals Millionen Japaner in wahre Begeisterungsstürme. Ihre Kinder kamen im Krankenhaus und nicht im Palast zur Welt. Michiko schaffte die Amme ab und stillte ihre Kinder selbst, bis dahin unvorstellbar.

Während Akihito wie üblich ab dem dritten Lebensalter von einer fremden Familie aufgezogen wurde, erzogen er und Michiko ihre Kinder selbst. «Ab dem jetzigen Kaiser kann man erstmals von einer kaiserlichen Familie sprechen», meint der Tenno-Experte Ernst Lokowandt in Tokio. Zwar darf sich ein japanischer Kaiser zu politischen Fragen nicht äussern. Dennoch wurde Akihito zum Verfechter der pazifistischen Nachkriegsverfassung. Trotz seiner eigenen angeschlagenen Gesundheit setzte er sich mit Michiko für die Opfer von Katastrophen ein, spendete den Menschen Trost und machte Mut.

Erwartungen an Naruhito

Es wird erwartet, dass der künftige Kaiser Naruhito seinem Vater nacheifert. Zugleich erwartet man von ihm ebenfalls Neues, das zur künftigen Entwicklung der Gesellschaft passt. Palastbeobachtern zufolge dürfte sich Naruhito als erster Kaiser, der im Ausland studierte, verstärkt auf globale Fragen konzentrieren.

Seine Frau, die künftige Kaiserin Masako, ist eine in Harvard ausgebildete Diplomatin. Seit 15 Jahren erholt sie sich nach offiziellen Angaben von einer «Anpassungsstörung», die vom Stress ihres Amtes herrühre.

Beobachter sehen dahinter vor allem den lange Zeit auf ihr lastenden Druck, einen männlichen Thronfolger zu gebären. Die künftige Kaiserin brachte zwar schliesslich Tochter Aiko zur Welt, doch Frauen ist der Thron in Japan verwehrt.

Das Volk bringt für Masako jedoch längst nicht mehr nur Mitleid auf: Kritiker vermissen bei ihr einen «Geist der Selbstlosigkeit», den ihre Schwiegermutter für das Volk aufbrachte.

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