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Der Telebasel News-Beitrag vom 29. April 2019.

Basel

Pinguin-Wirt bangt um seine Bier-Sammlung

Der Beizen-Historiker, Wirt und Fümoar-Präsident Mario Nanni hat genug. Er wird sich nach 39 Jahren im Restaurant Pinguin Ende August zurückziehen.

«Wir hören Ende August auf», bestätigt Mario Nanni, Wirt des Restaurants Pinguin zum Bier-Huus, auf Anfrage von Telebasel. «Ich bin jetzt müde geworden und irgendwann muss man aufhören», sagt Nanni nach 39 Jahren im Pinguin. «Ich kann ja nicht am Schluss mit dem Rollator servieren – ich glaube, ich habe den ruhigen Lebensabend verdient.»

Wohin mit all den Biergläsern?

Sein Restaurant erlangte über die Jahre Kult-Status. Nicht nur die über hundert Bier- und Senfsorten sorgten stets für Aufsehen. Auch die riesige Sammlung an Bier-Utensilien, die er über die Jahre zusammentrug, zeichnete die Beiz in der Schützenmattstrasse aus. Mehr als 6’000 Objekte lagert Mario Nanni momentan, etwa ein Drittel davon sind Biergläser aus aller Welt. Doch wenn das Lokal Ende August 2019 schliesst, muss auch das gesamte Inventar verschwunden sein.

«Mein Traum war immer, ein internationales Biermuseum zu machen», sagt Mario Nanni. Da er dieses Vorhaben nie umsetzen konnte, muss er sich nach einer neuen Bleibe für seine «Bier-Devotionalien» umsehen. Kopfzerbrechen bereitet ihm vor allem seine Sammlung an Biergläsern in allen Formen und Farben.

«Das ist genau mein Problem. Finden wir keinen Nachfolger, der mein Konzept übernehmen will, dann verpacke ich die Gläser und schicke sie ins Lager nach Vevey. Mein Importeur hat dort sein Lager und sammelt selber. Der macht dann vielleicht einmal ein Museum daraus. Aber ich will diese Gläser nicht hier in einen Container stellen und dann noch Miete dafür bezahlen», erklärt Mario Nanni.

Für den ganzen Rest der Sammlung wie Bierbrauerei-Spiegel, Bierdeckel oder Bier-Utensilien will Nanni jemanden finden, der das alles zusammen übernimmt. Er wäre etwa bereit, die ganze Dekoration dem Nachpächter zu verkaufen.

Gründer des grössten Vereins der Stadtgeschichte

Mario Nanni selbst erlangte Bekanntheit durch mehrere Auftritte in der Öffentlichkeit. Allerdings nicht in seiner Funktion als Pinguin-Beizer, sondern als Präsident des Vereins Fümoar.

Um dem auf den 1. Mai 2010 eingeführten eidgenössischen Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen entgegen zu wirken, behalf sich der Verein mit einem Kniff: Da das Gesetz das Rauchen in öffentlich zugänglichen Lokalen verbietet, versuchte der Verein Fümoar dies mit einem Vereins-Modell, das dessen Mitglieder als geschlossene Gesellschaft auswies, zu umgehen. Bei den dem Modell angeschlossenen Gaststätten konnte jedermann an Ort und Stelle für zehn Franken einen Mitgliedsausweis erstehen.

2015 warf mario Nanni dann die Flinte ins Korn. Damit war auch der grösste Verein der Basler Geschichte Vergangenheit. Bei der Auflösung besassen rund 200’000 Menschen eine Fümoar-Mitgliedskarte.

Mario Nanni spricht von leerer Fümoar-Kasse

Längst ist der Verein eine Art Leiche. Formell besteht er noch, doch es gibt kaum mehr Mitglieder und Aktivitäten. Wie Mario Nanni gegenüber Telebasel versichert, werde der Verein bald offiziell aufgelöst. In der Vereinskasse sei «praktisch nichts mehr». Fümoar habe alle seine Mittel gemeinnützigen Organisationen vermacht.

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