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Der Telebasel News Beitrag vom 27. April 2019.

Region

Viele Brauereien, aber zu wenig Brauer

Die Brauereien boomen, doch pro Jahr gibt es nur rund zehn Lehrlinge auf diesem Gebiet. Und: von 1'000 Braustätten bilden nur 25 Betriebe Lehrlinge aus.

Für viele Büezer steht es auf dem Pflichtprogramm nach einem harten Arbeitstag: Das Feierabend-Bier. Ob Weltmarke oder Kleinstbrauerei – Die Biervielfalt wird beinahe täglich grösser. Nur: Wer soll all den Gerstensaft brauen? Denn trotz boomender Craft-Brauereien, bleiben Lernende der Brauerei-Kunst eine kleine Gruppe.

Dazu Marcel Kreber, Direktor Schweizer Brauerei-Verband (SBV): «Wir haben in den letzten Jahren immer zwischen sieben und zwölf Lernende ausgebildet. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass es 1990 noch 32 Brauereien gab, haben diese Zahlen seither aber nicht mit dem Brauerei-Gründungboom der letzten 20 Jahre mitgehalten».

Die Wenigsten bilden Lehrlinge aus

Laut der Brauerei Feldschlösschen bilden von über 1’000 Braustätten in der Schweiz nur 25 Betriebe Lehrlinge aus. Und solche zu finden, sei nicht leicht. «Im Vergleich zu allgemeinbildenden Schulen verliert die betriebliche Grundbildung leider kontinuierlich an Bedeutung. Zudem wissen viele nicht, dass man eine dreijährige Lehre zum Lebensmitteltechnologen machen muss, um Brauer zu werden», so Stéphane Quelle, Ausbilder für Lebensmitteltechnologen bei Feldschlösschen.

Und weiter: «Zu Recht beschäftigen sich die Jugendlichen unter 16 Jahren, wenn sie sich für einen Berufsweg entscheiden sollten, noch nicht mit dem Thema Bier». Die Bier-Branche müsse sich für weitere Ausbildungsplätze einsetzen, denn es gehe um die Qualität des Schweizer Bieres.

Feldschlösschen startet deshalb eine Aktion: Vier Lernende haben eigens ein Bier kreiert, das seit dieser Woche verkauft wird. Der Erlös fliesst in den Ausbildungsfonds der Bierbrauer und dient unter anderem der Einrichtung einer Lernwerkstatt für Nachwuchs-Bierbrauer. So sollen mehr Jugendliche motiviert werden, das Handwerk des Bierbrauens zu erlernen.

Die Ausbildung zum Bierbrauer

Die Lehre zum Lebensmitteltechnologen EFZ dauert drei Jahre. Während dieser Zeit arbeiten die Lernenden bei Feldschlösschen in allen Produktionsbereichen – vom Sudhaus über die Gärung und die Filtration bis zur Abfüllung sowie im Labor. So bekommen sie alle Schritte des Brauprozesses mit und lernen, wie die verschiedenen Bierspezialitäten hergestellt, abgefüllt und verpackt werden.

An der Berufsfachschule im Strickhof lernen sie zusammen mit Auszubildenden mit anderen Schwerpunkten noch viel mehr über Rohstoffe, Verfahrenstechnik oder Qualitätsmanagement. Die Ausbildung schliessen sie mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis ab.

Die Berufsbezeichnung «Lebensmitteltechnologe mit Schwerpunkt Bier» ist manchen aber ein Dorn im Auge: «Für mich war es eine grosse Enttäuschung, als es hiess, dass ich nachher Lebensmitteltechnologe bin – und kein Brauer. Denn ich mache hier die Ausbildung zum Brauer, ich lerne alles, was ein Brauer in Deutschland genauso macht, aber ich bin nachher ein Lebensmitteltechnologe. Das kratzt an unserem Stolz, wenn ich das so sagen darf», erklärt Feldschlösschen-Lehrling Scognamiglio.

Aus diesem Grund gebe der Schweizer Brauerei-Verband den Absolventen der Ausbildung ein Brauer-Zertifikat.

Mehr dazu ab 18:30 Uhr in den Telebasel News vom 27. April 2019.

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