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Der Telebasel News-Beitrag vom 25. April 2019.

Basel

Krank machen per WhatsApp

In nur wenigen Klicks via WhatsApp zum Arztzeugnis. Das verspricht ein Deutsches Start-Up-Unternehmen. Seriös oder völliger Unsinn?

«Wählen Sie Ihre Symptome» oder «Für wie lange fühlen Sie sich arbeitsunfähig?». Mit solchen Fragen will das Unternehmen AU-Schein.de per digitalem Fragebogen beurteilen lassen, ob jemand eine Krankschreibung für eine Erkältung bekommt oder nicht. Sind die Symptome zu stark, gibt es keine. Bei Halsschmerzen, Husten und laufender Nase erhält man innerhalb von zwei Stunden und für neun Euro ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis per WhatsApp geschickt.

«Unseriös und grob fahrlässig!»

Seit Dezember 2018 gibt es das Unternehmen des Hamburger Rechtsanwaltes Can Ansay in Deutschland. Jetzt soll es auch in der Schweiz zulässig sein.

Grundsätzlich sind Krankschreibungen ausländischer Ärzte zulässig, dass diese nun aber nur noch per Klicks und ohne Rückfragen oder direktem Kontakt zum Arzt erstellt werden, hält der Basler Arzt und Grossrat Felix Eymann für grob fahrlässig: «Ich halte gar nichts davon. Jeder predigt, wir wollen die Hausarztmedizin fördern und den Ärzten trotz grosser Schwierigkeiten helfen und was macht man? Man legt ihnen Steine in den Weg mit solchen Clowns, die jetzt auch noch ferngesteuert Geld in der Schweiz verdienen wollen. Das ist auf keinen Fall zu verantworten».

Grosse Skepsis gegenüber Schwänzern

Auch der Arbeitgeberverband steht dem neuen Unternehmen skeptisch gegenüber. Arbeitnehmer hätten es so noch viel einfacher, zu simulieren und einen Tag frei zu machen. Ob der Arbeitgeber allerdings das Zeugnis anerkennt oder nicht, bleibt ihm diesem überlassen.

Üblicherweise fordern Firmen sowieso erst nach drei Tagen Arztzeugnisse ein. Bei AU-Schein.de sind Krankschreibungen nur für einen bis drei Tage möglich.

«Wer eine Krankschreibung bekommen will, bekommt die auch»

Dass sich die Anzahl an Blaumachern erhöht bezweifelt Oskar Scherner, der die Arztzeugnisse für AU-Schein.de unterzeichnet: «Das ist bekannt, dass jeder Patient, der eine Krankschreibung bekommen will, die auch bekommt. Ob nun durch andere vorgetäuschte Symptome oder sonst wie. Das ist die Realität».

Mit der Website können unnötige Arztbesuche und damit verbundene Kosten umgangen werden, so Scherner. Um Simulanten entgegen zu wirken, erlaube das Unternehmen nur zwei Krankschreibungen pro Jahr pro Person.

In Zukunft will das Unternehmen auch Arztzeugnisse für Magen-Darm-Grippe und Rückenschmerzen anbieten.

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