(Bild: Keystone)

International

Anschlagsgefahr in Sri Lanka ist noch nicht gebannt

Vier Tage nach den blutigen Anschlägen in Sri Lanka ist die Gefahr weiterer Angriffe offenbar nicht gebannt: Im ganzen Land bleiben die katholischen Kirchen zu.

Die Polizei hat die Bevölkerung um Hinweise zu sechs Verdächtigen gebeten. Sie veröffentlichte am Donnerstag die Namen und Fotos von drei Männern und drei Frauen. Diese würden im Zusammenhang mit den Selbstmordanschlägen vom Ostersonntag gesucht.

Aufruf zu Wachsamkeit

Einige Twitter-Nutzer gaben an, dass eines der Bilder möglicherweise eine bekannte muslimische US-Aktivistin mit sri-lankischer Abstammung zeige.

Die US-Botschaft in Sri Lanka warnte vor möglichen weiteren Anschlägen auf Gotteshäuser. Diese sollten von Freitag bis Sonntag gemieden werden, twitterte die Botschaft am Donnerstag unter Berufung auf die sri-lankischen Behörden. «Bleiben Sie weiter wachsam und meiden Sie grössere Menschenmengen», hiess es.

Der höchste Beamte des Verteidigungsministeriums musste inzwischen seinen Posten räumen. Hemasiri Fernando habe dem Präsidenten sein Rücktrittsschreiben übergeben und sein Versagen eingestanden, sagte ein Ministeriumsvertreter.

Regierung und Behörden stehen unter grossem Druck, da es im Vorfeld der Selbstmordattentate konkrete Hinweise und Warnungen gegeben hatte. Auch der Polizeichef des Inselstaates war von Präsident Maithripala Sirisena angewiesen worden, seine Kündigung einzureichen.

Bei den Anschlägen auf drei Fünf-Sterne-Hotels und drei christliche Kirchen sowie bei zwei weiteren Explosionen waren am Ostersonntag nach inzwischen deutlich nach unten korrigierten offiziellen Angaben 253 Menschen getötet worden.

Die Behörden in Colombo machen die einheimischen Islamistengruppe National Thowheeth Jama’ath (NTJ) für die Anschläge verantwortlich, gehen aber davon aus, dass sie ausländische Unterstützung gehabt haben muss. Die Jihadistenmiliz «Islamischer Staat» (IS) reklamierte die Tat für sich.

Warnungen eingegangen

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach am Mittwoch von schwerwiegenden Versäumnissen der Sicherheitsbehörden, da die Informationen nicht weitergegeben worden seien. Unter anderem Präsident Sirisena versichert, nicht informiert gewesen zu sein, obwohl er auch Verteidigungsminister und Minister für Recht und Ordnung ist.

Nach Angaben eines indischen Sicherheitsvertreters warnte Indien mehrfach seinen Nachbarn vor möglichen Selbstmordanschlägen auf Kirchen und die indische Botschaft, zuletzt zwei Wochen vor Ostersonntag.

Die Hinweise stützten sich demnach auf Erkenntnisse aus einer Razzia im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, bei der sieben Verdächtige festgenommen und mehrere Dokumente beschlagnahmt wurden. Indischen Medienberichten zufolge erging die erste Warnung bereits im vergangenen Dezember an die Behörden in Sri Lanka.

Sri Lankas Sicherheitsbehörden nahmen bisher 75 Verdächtige fest. An der Suche nach weiteren Tätern und Hintermännern beteiligten sich tausende Soldaten von Armee, Marine und Luftwaffe. Am Donnerstag wurden ihre Zahl nochmals um über 3000 aufgestockt. Gleichzeitig wurden alle Drohnenflüge verboten und Pläne verschoben, während der Nebensaison ab Mai die Visapflicht für 39 Staaten aufzuheben.

Solidarität mit Christen

Spitzenvertreter der katholischen Kirche in Sri Lanka übten scharfe Kritik an Versäumnissen in Sicherheitsapparat und Regierung. «Das ist eine überaus schwerwiegende Sache, denn das bedeutet, dass das Massaker hätte vermieden werden können», sagte Kardinal Albert Malcolm Ranjith der italienischen Nachrichtenagentur SIR. Wäre er vor den Terrorplänen gewarnt worden, hätte er die Osterliturgien in den Kirchen abgesagt, so der Kardinal gegenüber dem Radiosender CBC.

In Neu-Delhi demonstrierten mehr als 100 Führungspersönlichkeiten der Religionen Indiens bei einer Versammlung vor der Kathedrale Sacred Heart ihre Solidarität zu den Christen in Sri Lanka. An der Kundgebung nahmen Katholiken, Muslime, Hindus und Sikhs teil, berichtete der asiatische katholische Pressedienst «Ucanews» am Donnerstag.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel

Auch interessant