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Der Telebasel Talk vom 23. April 2019.

Basel

Gratulation: Der Teufelhof feiert seine ersten 30 Jahre

Der Teufelhof Basel wurde 1989 eröffnet. Im Talk sprechen die Gründer Monica und Dominique Thommy-Kneschaurek und der neue Besitzer Raphael Wyniger darüber.

Die (sehr lesenswerte) Geschichte des Teufelhofs kann man hier nachlesen. Darum hier ein paar persönliche Erinnerungen. Wenn etwas 30 Jahre alt wird, das man kennenlernte als man jung war, wandelt es sich im Rückblick zu Glitzersteinen, die den eigenen Weg beleuchten. Auch dann, wenn ich zum Teufelhof keine übererregte Liebesbeziehung hatte, er hat mich und mein Leben mitgeformt. Und wohl auch das vieler anderer. Ein Basel ohne Teufelhof: nicht mehr vorstellbar. Und dennoch erinnert man sich noch, wie alles begann.

Der Teufel, der mich erregte

Wir waren süsse 17 oder 18 als uns ein Lehrer, leider weiss ich seinen Namen nicht mehr, ins «Café zum Teufel» am Andreasplatz schleppte. Dieser Lehrer trug Bart, T-Shirts, Turnschuhe und hörte «A Saucerful of Secrets» von Pink Floyd. Er sprach zu uns als erwachsene Autoritäten.

Der ganze «Teufel» war ausgehängt mit Bildern, Skizzen, Karikaturen des Leibhaftigen, die mich beunruhigten und erregten. Das alles, der Lehrer, Pink Floyd, der Andreasplatz, waren Aufbrüche für mich. Sie legten unwiederbringlich Teile von mir frei, die nichts mit meiner Herkunft zu tun hatten. Auf den Routen meines Stadtbesuchs wurde das Café zum Teufel zum roten Punkt.

Das verzerrte Gesicht von Picasso

Im Teufel trug der Pfarrer, der die Trauerrede für meine Grossmutter hielt, eigene Texte vor. Neben den vielen Zeitungen lag auch eine Hauspostille herum. Ich erinnere mich an ein Satire-Programm von Monica und Dominique Thommy-Kneschaurek: Sie guckten auf ein Bild, verzogen und verzerrten ihre Gesichter, kehrten das Bild gegen das Publikum: ein spätkubistisches Bild von Picasso.

Der Teufel sah so ein bisschen alternativ aus, und in unserer chronischen Geldknappheit hofften wir, dass die Kaffees und Kuchen etwas billiger wären als andernorts. Schliesslich musste man sie auch an der Theke selbst holen. Doch dem war nicht so.

«Sauteuer, aber saugut»

Daran dachten wir, als wir erfuhren, dass die Thommys den Teufelhof kauften, um ein «Kulturhotel» daraus zu machen. Erste Testberichte aus dem Restaurant im ersten Stock erreichten unseren weiterhin finanziell klammen Freundeskreis: sauteuer, aber auch umwerfend saugut! Und in herrschaftlich-prächtigen Räumen.

Kulturhotel! Allein der Begriff war ein Gong für das Bewusstsein. Im Doppelsinne: Wir begriffen, das war was ganz Neues. KünstlerInnen, die die Hotelzimmer gestalteten; Wohnräume also, in die direkt einzigartiger Kunstanspruch intervenierte.

Andererseits lag sowas ganz selbstverständlich in der damaligen Luft: Industriehallen etwa wurden zu Galerien und Konzertlokalen umgestaltet. Künstlertum und Alltagswelt verflüssigten sich einander: Das war es, was wir damals wollten, worüber wir in WG-Küchen oder in der «alten Stadtgärtnerei» sprachen.

«Die Spaghetti an …»

Der Teufelhof wurde zum neuen roten Punkt (der Garten, die Bar, das Restaurant) auf meiner Karte. Wütend erfuhren wir davon, dass es Anwohnerklagen gab: Man durfte das Restaurant ab 9 oder 10 Uhr abends nicht Richtung Heuberg verlassen.

Zuweilen leisteten wir uns ein «Das Kuchenstück mit …» oder «Die Spaghetti an …» und lächelten über die Manieriertheiten auf der Speisekarte. Wir dachten, hier kommt eine Zeit, wo die Tradition nicht mehr das Hauptargument ist, sondern der Stil, den man bewusst macht, eigens erfindet, als öffentliche Intervention einführt. Im Teufelhof schmeckten «Die Spaghetti an …», mit den Jahren auch «Das Filet mit …» herrlich: Man hätte gern die doppelte Portion verschlungen.

Auf dem Weg zur Toilette immer dasselbe Spiel: Da hing (oder hängt?) so etwas wie ein rudimentärer Synthesizer, der auf Handbewegungen reagierte. Ich musste immer damit spielen.

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