(Bild: Keystone)

International

Anschläge in Sri Lanka als Vergeltung für Christchurch

Die Anschläge in Sri Lanka sind nach ersten Erkenntnissen der Regierung eine Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März.

Das erklärte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Dienstag im Parlament.

Die Zahl der Toten stieg ihm zufolge inzwischen auf 311 – darunter 37 Ausländer. Mehr als 500 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Spitälern behandelt. 42 Menschen waren demnach in Gewahrsam. Darunter sei auch ein syrischer Staatsbürger.

Sieben Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag in drei Kirchen und drei Luxushotels in die Luft gesprengt. Eine extremistische Islamistengruppe mit Verbindungen zur Gruppe National Thowheeth Jamaath habe nach Einschätzung der Regierung die Anschläge verübt, sagte Wijewardene. Rachegelüste und Hass, nicht Religion, hätten die Täter motiviert.

Soziale Medien gesperrt

In der Nacht auf Dienstag hatte erneut eine Ausgangssperre gegolten. Um das Verbreiten von Gerüchten zu unterbinden, blieb der Zugang zu sozialen Medien gesperrt.

Sirisena habe den Notstand im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der Wahrung der öffentlichen Ordnung und zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen erklärt, hiess es in einer Erklärung des Präsidenten. Die Sicherheitskräfte sollen seinem Büro zufolge weitreichende Befugnisse erhalten.

Nach dem Gesetz können diese etwa für Hausdurchsuchungen ohne Erlaubnis eines Gerichts und für Verhaftungen ohne Haftbefehl gelten. Solche Bestimmungen waren während des Bürgerkriegs in Sri Lanka von 1983 bis 2009 fast dauerhaft in Kraft – und auch darüber hinaus noch bis 2011.

Die Hintergründe für die Taten blieben unklar. Einer der Attentäter war nach Angaben eines Kabinettsministers vor wenigen Monaten wegen der Beschädigung von Buddha-Statuen festgenommen worden. Bei neun Festgenommenen handelte es sich um Mitarbeiter einer Fabrik, die einem der anderen Täter gehörte. Mehr als 20 Häuser seien inzwischen durchsucht worden, sagte die Polizei.

Täter international vernetzt

Die Regierung ist überzeugt, dass die Täter Hilfe aus dem Ausland gehabt haben müssen. «Wir glauben nicht, dass diese Angriffe von einer Gruppe von Menschen verübt wurden, die auf dieses Land begrenzt waren», sagte Kabinettssprecher Rajitha Senaratne. «Es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären.»

Nach den Worten von Senaratne gab es vor den Attacken Hinweise auf Anschlagspläne der National Thowheeth Jamaath. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert. «Wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid», sagte Senaratne im Namen der Regierung.

Sirisena berief ein dreiköpfiges Team ein, das die Anschlagsserie untersuchen und in zwei Wochen einen ersten Bericht vorlegen soll. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte an, Spezialisten mit Expertise in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung zu entsenden.

Die meisten Opfer hatte es bei den Anschlägen in den Kirchen gegeben, als gerade Ostergottesdienste stattfanden. In dem Inselstaat sind etwa sieben Prozent der 20 Millionen Einwohner Christen.

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