Papst Franziskus bei der Feier des Kreuzwegs. (Screenshot: Youtube)

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Papst beklagt bei Kreuzweg Gleichgültigkeit und Egoismus

Papst Franziskus hat am Karfreitag beim Kreuzweg in Rom «von politischem Kalkül gepanzerte Herzen» beklagt. 15'000 Gläubige verfolgten die Zeremonie.

Der Kreuzweg ist eine Jahrhunderte alte Tradition und stellt in 14 Stationen Jesus’ Leidensweg bis zur Kreuzigung nach. Papst Franziskus sprach am Ende ein Gebet. Darin beklagte er nicht nur die Abschottung vor Migranten, sondern auch die Gleichgültigkeit und den Egoismus der Menschen. Er lenkte den Blick auch auf den Klimawandel: Die Erde leide «ernsthaft», allerdings seien die Augen der Menschen egoistisch und durch Gier und Macht erblindet.

Einzelschicksale hervorgehoben

Franziskus gedachte zudem der Kinder, die «in ihrer Unschuld und Reinheit verletzt» wurden, was wiederum als Anspielung auf den sexuellen Missbrauch durch Geistliche verstanden werden kann. Die Kirche, die sich laut Franziskus «ständig von innen und aussen angegriffen» fühle, steckt wegen Skandalen um Missbrauch und dessen Vertuschung in mehreren Ländern der Welt in einer tiefen Krise.

Die an den Stationen des Kreuzwegs verlesenen Worte hatte die italienische Nonne Eugenia Bonetti verfasst. Sie beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Opfern von Zwangsprostitution und Sklaverei. Was sie schildert, geht ins Mark: Sie beschrieb in ihrem sehr direkten Text auch Einzelschicksale von Prostituierten. So wurde etwa von «einer Minderjährigen mit einem zierlichen kleinen Körper» erzählt, «die ich eines Nachts in Rom traf, wo Männer in luxuriösen Wagen Schlange standen, um dieses Mädchen auszubeuten». Sie prangerte aber auch das Sterben von Flüchtlingen in der Wüste oder im Mittelmeer am Karfreitag an. Die Nonne rief zudem dazu auf, gegen die «schrecklichen» Flüchtlingslager in Libyen vorzugehen.

Verhärtete Herzen

Papst Franziskus rief in einem kurzen Gebet zum Abschluss nochmals dazu auf, die Schicksale aller Leidenden in der Welt zu sehen, von Hungernden bis zu «den Flüchtlingen, die die Türen verschlossen finden aus Angst und wegen der durch politisches Kalkül verhärteten Herzen».

Ostern ist für Christen das wichtigste Fest. Den Höhepunkt stellt die Osternacht dar, die der Pontifex am Samstagabend im Petersdom mit einer Liturgie begeht. Dabei wird an die für den christlichen Glauben zentrale Auferstehung von Jesus Christus erinnert. Am Sonntag spendet der Papst dann den Segen «Urbi et Orbi».

Auch in Jerusalem erinnerten Christen an die Kreuzigung und den Tod von Jesus. In mehreren Prozessionen zogen sie durch die Altstadt. Mönche liefen in ihren braunen und schwarzen Gewändern über die Via Dolorosa, Gläubige sangen und trugen Holzkreuze. Protestanten gingen den Pilgerweg zur evangelischen Erlöserkirche, Katholiken zur Grabeskirche.

Israel öffnet Grenzen

Die Grabeskirche in Jerusalem steht an der Stelle, wo Jesus dem christlichen Glauben nach gestorben und wiederauferstanden ist. An Karsamstag und Ostersonntag werden in der Grabeskirche auch Messen gefeiert. Die israelische Regierung sagte am Freitag zu, dass auch Hunderte Christen aus dem von dem Land blockierten Gazastreifen zu Ostern nach Ost-Jerusalem und in das Westjordanland reisen dürfen.

Der Karfreitag fiel auch mit dem Beginn des jüdischen Pessach-Festes zusammen. Da es sich um ein Pilgerfest handelt, wird in diesen Tagen auch mit vielen jüdischen Besuchern in Jerusalem gerechnet.

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