Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Beitrag vom 19. April 2019.

Basel

Zerstörte Bäume und ein Knochen-Depot

Ein Pilz machte den Bäumen bei Kirche St. Chrischona den Garaus. Nach der Fällung machten Archäologen makabere Entdeckungen auf dem einstigen Friedhof.

Schätzungsweise 85 Jahre wuchsen die Kastanien an der Südfassade der Kirche empor, bis sie im Dezember 2018 gefällt und mitsamt ihrem Wurzelwerk entfernt worden sind. Ein Pilzbefall war schuld an der Misere, wie Markus Dörr vom Theologischen Seminar St. Chrischona (TSC) erklärt. «Es bestand die Gefahr, dass faule Äste herunterfallen und die vielen Besucher hätten verletzen können». Ein Sicherheitsrisiko war also ausschlaggebend. Mit der Stadtgärtnerei habe das TSC sämtliche Optionen geprüft. Schlussendlich entschieden sich die Grundeigentümer, die Bäume zu fällen.

Neue Bäume geplant

Mancher Besucher von St. Chrischona allerdings trauert den Kastanien nach, wie Einträge im Gebetsbuch der Kirche dokumentieren. Lange müssen sie aber nicht Trübsal blasen. Es laufen bereits die Planungen für die Anpflanzung neuer Bäume anstelle der gefällten Kastanien.

Nach der Abholzung der Kastanien nutzte die archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt die Gunst der Stunde, um den Bereich zu untersuchen. Die Archäologen fanden Mörtelreste, lose Kalksteine und einzelne menschliche Knochen sowie ein Knochendepot.

Knochen-Depot gefunden

Das ist nicht weiter verwunderlich. Haben die Bettinger doch bis 1828 ihre Toten auf dem Vorplatz der Kirche begraben. Es wird vermutet, dass die Kastanien nach einer Renovierung der Kirche in den 1930er Jahren direkt über den einstigen Gräbern gepflanzt wurden.

Zwar kam es schon in den 1970er-Jahren zu Grabungen auf dem einstigen Gottesacker. Nach den Baumfällungen konnten die Archäologen den ganzen Kirchenvorplatz unter die Lupe nehmen. Dabei stiessen sie auch auf ein Knochendepot. Vermutlich handelt es sich hier um die Knochen aus dem Beinhaus der Kirche.

Ein Beinhaus gegen die Zahnschmerzen

Vermutlich wollte die von Christian Friedrich gegründete Pilgermission die Gebeine im 19. Jahrhundert unter die Erde bringen. Wie Markus Dörr gegenüber Telebasel sagt, könnte hier ein damals verbreiteter Wunderglaube eine Rolle gespielt haben. Damals suchten nämlich katholische Pilger die Kirche der Volksheiligen Chrischona auf. Wer den Kopf ins Beinhaus streckte, konnte gemäss dieser Vorstellung von Zahnschmerzen geheilt werden. Markus Dörr vermutet, dass den pietistischen Gemeindemitgliedern dieser Aberglaube ein Dorn im Auge war. Daher sei es denkbar, dass die evangelischen Theologiestudenten das Beinhaus möglichst loswerden wollte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Auch interessant