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Der Telebasel News-Beitrag vom 16. April 2019.

Region

Mindestfallzahlen: Heilmittel fürs Gesundheitswesen?

Die Gesundheitsdirektoren prüfen die Mindestfallzahlen für einzelne Ärzte. Die Gefahr dabei: Keine Anreize zu schaffen, unnötig zu operieren.

Die Spitalfusion zwischen den beiden Basel ist vom Tisch. Ganz im Gegensatz zur gemeinsamen Planung des Gesundheitswesens. Der Staatsvertrag hierzu wurde dank der deutlichen Zustimmung der Stimmbevölkerung der Halbkantone im Februar Tatsache. Die beiden kantonalen Gesundheitsdirektoren spielen jetzt mit dem Gedanken, Mindestfallzahlen für einzelne operierende Ärzte einzuführen. Beide Departemente bestätigten dies der «BaZ».

Nach der gescheiterten Spitalfusion stehen die beiden Gesundheitsdirektoren jedenfalls etwas unter Druck – die Bevölkerung ächzt unter der seit Jahren steigenden Belastung der Krankenkassenprämien.

Mindestfallzahlen gibt es bereits

Schon heute gelten in den beiden Basel Mindestfallzahlen für bestimmte Eingriffe für Spitäler insgesamt. Neu sollen aber auch solche Mindestfallzahlen für einzelne Ärzte gelten. Das überlegen sich die beiden Gesundheitsdirektoren.

Der Basler CVP-Regierungsrat Lukas Engelberger sagt, man wolle die spezialisierten Operationen in wenigen Spitälern bündeln: «Und die Operateure, die Ärztinnen und Ärzte, die dort tätig sind, sollen mit ihren Teams auch eine entsprechende Routine bekommen. Wir glauben, dass das für die Qualiltät wichtig ist, und wir glauben, dass das aus wirtschaftlichen Überlegungen wichtig ist».

Mindestfallzahlen für Ärzte gelten für einige Eingriffe seit diesem Jahr im Kanton Zürich. Um eine sinnvolle Mindestanzahl zu konzipieren, hat das Basler Gesundheitsdepartement beispielsweise von der Merian Iselin Klinik deren Fallzahlen von 2018 eingefordert. Das Basler Privatspital hat keine angestellten Ärztinnen und Ärzte. Die sogenannten Belegsärzte kommen von extern dort operieren.

Keine falschen Anreize setzen

Stephan Fricker, Geschäftsführer der Merian Iselin Klinik, ist nicht per se gegen Mindestfallzahlen. Er warnt aber: «Wenn man es umsetzen wollte, dann müsste man die Erfahrungen der Ärzte mitberücksichtigen. Man müsste Bandbreiten festhalten, gegebenenfalls über mehrere Jahre hinweg. Da gibt es viele Denkansätze, die ein Augenmass bringen könnten».

Mindestfallzahlen könnten sonst auch falsche Anreize schaffen. «Wenn man beispielsweise im Dezember sieht, dass bei einer Latte von 40 Eingriffen noch zwei fehlen, könnte das je nach dem Gelegenheitschirurgie fördern, also zu unnötigen Eingriffen führen.»

Der Vorsteher der Basler Gesundheitsdepartements nähme die Gefahr ernst. So sei dies wahrscheinlich ein Argument, das für moderate, respektive vernünftig tiefe Fallzahlen im Minimum spreche. Eine gewisse Routine dürfe man verlangen. Ärzte sollten aber keinesfalls zum «Mengendenken» getrieben werden, sodass sie unnötige Eingriffe vornähmen. «Wobei man klar sagen muss, das wäre gegen die ärztliche Ethik, was ich ganz bewusst niemandem unterstelle», fügt Lukas Engelberger an.

Treiber dieser Entwicklung seien Qualitätsbewusstsein, genauso wie wirtschaftliche Überlegungen. Eine solche Mindestfallzahl für Operateure wäre in den beiden Basel frühestens im Jahr 2021 realisierbar. Bis dahin ist die aktuelle, für drei Jahre geltende Leistungsvereinbarung gültig. Ob damit tatsächlich Gesundheitskosten gespart werden könnten, steht auf einem anderen Blatt.

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