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Der Telebasel News-Beitrag vom 8. April 2019.

Basel

Lehrer (37) erschleicht sich tausende Kinderpornos

Mit Alias-Namen hat sich ein 37-jähriger Sekundarschullehrer in Foren tausende Fotos und Videos von Kindern erschlichen. Ab Dienstag steht er vor Strafgericht.

Der beschuldigte Lehrer hat gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft im Zeitraum vom Januar 2003 bis Oktober 2013 mehrfach Kinder im Schutzalter zu sexuellen Handlungen verleitet. Der Sekundarlehrer soll sich an seinem Wohnort in der Region bei mehreren Kontakt- und Messengerdiensten im Internet unter falschem Profil angemeldet und Kontakt zu unzähligen Knaben aufgenommen haben.

Dort verleitete er laut Anklage die Minderjährigen zu sexuellen Handlungen vor der Kamera, um so an pornografisches Videomaterial zu kommen. Insgesamt rund 50’000 Fotos und Videos mit kinderpornografischem Material wurden beim Beschuldigten sichergestellt. Brisant: Unter den mutmasslichen Opfern waren auch einige seiner Schüler.

Immer dasselbe Vorgehen

Das Vorgehen des mutmasslichen Täters war immer dasselbe. Unter Alias-Namen soll er sich als gleichaltriges Mädchen ausgegeben haben. Oft habe er explizit nach dem Alter seines Gegenübers gefragt und «sein» Alter dann angepasst.

Für sein Fake-Profil habe er Foto- und Nacktaufnahmen dreier nicht ermittelter Mädchen missbraucht, welche er gemäss Staatsanwaltschaft vermutlich im Internet gefunden habe. Diese Bilder, die auch sexuelle Handlungen der jeweiligen Mädchen zeigten, habe er in einem Dateiordner mit dem Titel  «Lockstoffe» abgespeichert und jeweils als Gegenleistung angeboten.

Sei ein Chat-Protokoll zustande gekommen, habe der Beschuldigte das Thema schnell auf den Austausch von «heissen, erotischen» Fotos gelenkt. Zuerst hätten die mutmasslichen Opfer aber ihm Fotos von sich zustellen müssen. Dabei habe sich der Beschuldigte meist nicht mit einem «Zug-um-Zug»-Austausch von Fotos und Videos begnügt, sondern die Opfer mit immer neuen und wechselnden Ausreden dazu gedrängt, ihm mehr Bilder und Videos zu schicken, als er selbst zu übermitteln bereit gewesen sei. Etwa, weil die Qualität der Aufnahmen schlecht sei.

Opfern gedroht

Eine weitere Taktik des Beschuldigten, rasch an möglichst viele Sexvideos- und Bilder von Minderjährigen zu gelangen, war es laut Anklageschrift, das Gegenüber unter Zeitdruck zu setzen. Er sende nur heisse Videos von sich, wenn er sofort eine Gegenleistung erhalte.

Die mutmasslichen Opfer seien zudem stets im Glauben gewesen, mit einem gleichaltrigen Mädchen zu chatten. Und hätten sie sich einmal bereiterklärt, mitzumachen, habe ihnen der Beschuldigte detaillierte Angaben gegeben, wie sie zu posieren und was sie zu tun hätten. Details werden hier aus Pietätsgründen nicht genannt. Hätten die Kinder nicht getan, was er verlangte, habe er sofort Druck auf sie ausgeübt. So habe er etwa gedroht, das Material zu veröffentlichen.

Dateiordner «Lockstoffe Jungs»

Dasselbe soll der Beschuldigte auch in Foren für homosexuelle Jugendliche getan haben. Dafür habe er einen weiteren Datei-Ordner angelegt mit dem Namen «Lockstoffe Jungs».

Die Anklageschrift enthält fast 30 Seiten Auszüge aus Chat-Protokollen, die das skrupellose Vorgehen des Beschuldigten zeigen. Rund 250 Geschädigte werden aufgelistet. Die Anträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung werden anlässlich der Hauptverhandlung vom Dienstag gestellt.

Die Anklage lautet auf mehrfache Nötigung, mehrfache versuchte Nötigung, mehrfache versuchte sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfache Pornografie (Herstellung, Zugänglichmachen und Besitz) sowie mehrfache versuchte Pornografie.

Beschuldigter sass nie in Haft

Gemäss Verfahrensleitung des Basler Strafgerichts sass der beschuldigte Lehrer nie in Haft. Aufgeflogen sei er, weil Interpol bei Ermittlungen gegen einen Pädophilen-Ring auf die IP-Adresse des Beschuldigten gestossen sei.

Ob er danach weiter unterrichtet habe, werde dann anlässlich der Hauptverhandlung beantwortet, hiess es beim Gericht auf Anfrage von Telebasel weiter.

Die Verhandlung ist auf Dienstag, 9. April 2019, angesetzt und wird voraussichtlich zweieinhalb Tage dauern. Es gilt die Unschuldsvermutung.

 

1 Kommentar

  1. Das macht mich krank…
    Bin ausserdem wirklich überrascht, wie detailiert Telebasel informiert ist und darüber berichten kann. Fehlt eigentlich nur noch die Angabe in welchem Gebiet er gearbeitet hatte.Report

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