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Der Telebasel Talk mit Dominic Deville am 4. April 2019.

Basel

«Ich mache die Sendung, die ich selber schauen würde»

Seine Satire ist ein Mittelding zwischen Harald Schmidt, Regie-Theater und Kindergarten. Jetzt zeigt SRF seine Sendung «Deville» immer am Sonntagabend.

Freitag Mitternacht nach der «Arena»: Das ist die Stunde des totalen Quoten-Offs. Genau da versteckte SRF zwei Jahre lang die Satire-Sendung «Deville Late Night». Da wirkte sie wie das televisionäre Ausprobier-Programm eines freien Theaters, bei dem man alles darf und nichts mehr muss.

Vor einem vergnügt johlenden, biertrinkenden Kapuzenpulli-Publikum spielten eigenwillige Bands, die niemand kannte, verhackstückten freche Einspielclips die Urbilder der Sünneli-Schweiz, kitzelten Sketchs den Magenboden mit dem Charme des Scheiterns und kaputter Pointen.

Der Dandy mit dem Baseball-Schläger

Im Fokus ein schrill-kravatierter Zampano mit Tenorstimme, der im Testosteron-Schub mit dem Baseball-Schläger eine Tischeisenbahnanlage zertrümmert: Nie ist man sicher, ob Dominic Deville so neoliberal-zynisch ist, wie sein Dandy-Kostüm und seine grimmigen Jokes.

Harald Schmidt und Regie-Theater

50’000 Zuschauer: Der Quotenschnitt ist sogar tief für einen Schweizer Lokalsender. Aber bei «Deville» sassen jene Leute im Publikum, von denen die Branchen-Hirsche mit bestimmendem Ton sagen: «Die schauen nicht fern». Da war eine Truppe am Werk, deren überzeichneter Unsinn den Ton der Digital Natives trifft. Jene, die als Kinder mit den späteren, elaborierten «Harald Schmidt Shows» und mit dem Regie-Theater der 30-Jährigen aufwuchsen.

Sehr spät holt nun das Schweizer Fernsehen Dominic Devilles funkelnden Nonsens aus der Off-Ecke. Die erste Ausstrahlung am Sonntag Abend um 21:40 Uhr erreichte 243’000 Leute. An dem neuen Sendeplatz soll die Sendung nun für weitere neun Ausstrahlungen bleiben.

Danach dürfte wohl die Entscheidung fallen, ob jener Grenzgang zwischen Reinfall und Genie-Blitzen, weiterhin wöchentlich ausprobiert werden darf.

12 Millionen Klicks für eine Trump-Satire

Zu letzteren zählte der Clip «Switzerland second», eine Art Schweiz-Blick aus der Perspektive von US-Präsident Donald Trump. Auch ein Kennzeichen für Devilles Gespür für Aktualität: Das Video «explodierte» auf Youtube, ging viral, mit 12 Millionen Klicks:

Dominic Devilles (*1975) Werdegang ist das exakte Gegenbild einer linearisierten Linkedin-Karriere: Punk-Sänger, Theaterautor, Kindergärtner, Gelegenheitsjobs, Chef einer Eventagentur. Und natürlich schrieb er auch schon ein richtiges Buch: «Pogo im Kindergarten». Lustiger Titel. Gegenüber seiner Sendung aber beinah etwas antiquiert.

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