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Der Telebasel News-Beitrag vom 5. April 2019.

Baselland

Alain Berset läutet Jubiläumsjahr zu Carl Spitteler ein

Carl Spitteler wurde vor 100 Jahren, als einziger gebürtiger Schweizer, mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Alain Berset hat das Jubiläumsjahr eröffnet.

2019 ist ein Jubiläumsjahr für so manche die Schweiz prägende Persönlichkeit: Huldrych Zwingli, Alfred Escher, Gottfried Keller, Carl Spitteler. «Carl Spitteler? Er ist der grosse Unbekannte der Schweizer Literatur- und Geistesgeschichte», sagte Alain Berset laut Redetext am Festakt in Liestal.

Diese Aussage ist nicht ohne Hand und Fuss. Eine Umfrage im Landrat zu Spitteler zeigte: Die wenigsten kennen ihn:

Telebasel News-Beitrag vom 4. April 2019.

Carl Spitteler wurde 1845 in Liestal geboren. Er studierte Theologie und arbeitete viele Jahre als Hauslehrer, einige davon in Russland. Durch die Erbschaft seines Schwiegervaters finanziell unabhängig geworden, liess er sich mit seiner Familie 1893 in Luzern nieder, wo eine Quaianlage nach ihm benannt ist.

Den Literaturnobelpreis erhielt der Dichter, Schriftsteller, Kritiker und Essayist 1920 rückwirkend für 1919. Die Auszeichnung war bereits damals nicht unumstritten. Es brauchte mehrere Anläufe, bis Carl Spitteler den Preis in «spezieller Würdigung des Epos ‹Olympischer Frühling› (1905)» zugesprochen erhielt. Bis heute gilt der Autor als literarischer Einzelgänger zwischen Tradition und Moderne – mithin ein Grund, warum auch Alain Berset darauf verweist, dass Spitteler zusehends in Vergessenheit gerät.

Ein Unpolitischer wird politisch

Spannend sei Carl Spitteler jedoch bis heute wegen seiner Widersprüchlichkeit: studierter Theologe und Atheist; als «olympischer» Dichter dem Pathos nicht abgeneigt und gleichzeitig grosser Satiriker und Selbstironiker – und, so Berset, ein Dichter, der sich selbst als unpolitisch bezeichnete und «ausgerechnet wegen einer politischen Rede in Erinnerung blieb».

Wenige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges hielt Carl Spitteler vor der neuen Helvetischen Gesellschaft eine Rede unter dem Titel «Unser Schweizer Standpunkt». Berset weist darauf hin, dass Spitteler sich als Bürger verpflichtet sah, das Wort zu ergreifen.

Carl Spittelers Rede, in der er sich mit der Schweizer Neutralität sowie der Wertschätzung der sprachlichen und kulturellen Minderheiten als Voraussetzung für den nationalen Zusammenhalt auseinandersetzte, erachtet Alain Berset als «Betrachtungen eines – im Ernstfall eben doch – Politischen».

Ausstellungen und Lesungen zu Carl Spitteler

Aktuell ist dies, weil Spitteler «sich machtvoll zu Wort» gemeldet habe. «Gerade in diesen Zeiten, in denen die Demokratien vielerorts unter Druck stehen, wird die Frage wieder existenziell, ob man die Ereignisse als Zuschauer ihren Lauf nehmen lässt. Oder ob man als Bürgerin, als Bürger etwas tut», so Berset. Carl Spitteler habe etwas getan. Nicht zuletzt deswegen sei er «eine grosse Schweizer Persönlichkeit».

Alain Berset anlässlich des Auftaktes zum Jubiläumsjahr zu Carl Spitteler:

(Video: Telebasel)

Für diese Persönlichkeit ist nun das Jubiläumsjahr eröffnet. Im Liestaler Dichter- und Stadtmuseum, das einen Teil des Nachlasses beherbergt, ist Carl Spitteler bis Ende Jahr eine Ausstellung mit dem Titel «Poesie und Politik» gewidmet. In diesem Rahmen finden zahlreiche Anlässe statt.

Das Luzerner Literaturfest verspricht vom 15.-17. März 2019 «Einblicke, Überblicke, Ausblicke» zu Carl Spitteler. Ab 29. August liest der Schauspieler Sigi Arnold in mehreren Folgen am Carl-Spitteler-Quai aus dem Epos «Olympischer Frühling».

Am 12. April findet auch in La Neuveville ein Festakt zu Spittelers Ehren statt – mit einer Ausstellungseröffnung im Musée d’Art et d’Histoire.

1 Kommentar

  1. Die Nobelpreismedaille und die dazugehörige Urkunde, die in der Bildstrecke gezeigt werden, befinden sich im Dichter- und Stadtmuseum, wo sie zurzeit wegen des Jubiläums erstmals im Original ausgestellt sind.Report

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