Featured Video Play Icon
Der Telebasel Report vom 3. April 2019.

Basel

Report: Tragen Behörden Mitschuld am Tod von Ilias (7)?

Die ganze Welt rätselt über den Grund für den brutalen Bubenmord von Basel. Telebasel weiss: Die Täterin macht Behörden für ihre Tat verantwortlich.

Es ist die schrecklichste Tat der jüngeren Basler Kriminalgeschichte. Eine 75-jährige Rentnerin sticht am helllichten Tag wahllos einen 7-jährigen Schulbuben nieder. Es sind Horrorszenen, die sich am 21. März 2019 am St. Galler-Ring im Basler Gotthelf-Quartier abspielen.

Bis heute ist nicht bekannt, warum A.T.* ausgerechnet den kleinen Ilias (7) als Ziel ausgewählt hat. Denn: Gekannt hat sie den Jungen offenbar nicht. Dies bestätigte die Basler Staatsanwaltschaft bereits am Folgetag. Doch nun kommt erstmals etwas Licht ins Dunkel: Wie der Telebasel Report weiss, gibt die 75-jährige Täterin den Behörden die Schuld am Tod von Ilias. So unglaublich es auch klingen mag: Die Information stammt von der Täterin selbst.

Täterin gesteht Tat einem Telebasel-Mitarbeiter

Es ist der besagte Donnerstagmittag, als bei Telebasel das Telefon klingelt. Ein Administrations-Mitarbeiter hebt ab und hört: «Ich habe gerade ein Kind getötet». Es ist die 75-Jährige. Auf den Hinweis, dass sie sich der Polizei stellen müsse, reagierte A.T. gemäss Schilderung des Mitarbeiters ziemlich gelassen: «Das werde ich gleich tun».

Daraufhin lässt sie Telebasel unaufgefordert an ihren Gedanken teilhaben: «Mir hört ja niemand zu. Ich wurde aus meiner Wohnung geschmissen, habe gar keinen Zutritt mehr zu meiner Wohnung», erklärt sie mit ruhiger Stimme. Dann sagt sie die verhängnisvollen Worte: «Bei den Behörden hört mir ja auch keiner zu. Irgendwie musste ich mir ja Gehör verschaffen». Danach legt sie auf und stellt sich wenige Minuten später der Polizei. Telebasel hat diese Informationen der Basler Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt.

Ist A.T. gar nicht psychisch krank?

Diese Aussagen werfen ein neues Licht auf den Mord an Ilias: War es am Ende gar nicht die unerklärbare Tat einer psychisch kranken Rentnerin? Gibt es für diese wirre, grund- und zusammenhangslose Tat vielleicht doch eine rationale Erklärung?

Bereits wenige Tage nach der grausamen Tat hat die Basler Staatsanwaltschaft Zweifel an der Schuldfähigkeit der geständigen Täterin geäussert. Nach den ersten Erkenntnissen wurde gar eine psychiatrische Begutachtung angeordnet .

Gemäss Aussage des Telebasel-Mitarbeiters habe sich die Frau am Telefon bis auf den schockierenden Inhalt ihrer Aussagen zu keinem Zeitpunkt verwirrt oder psychisch gestört angehört. Im Gegenteil: «Ich war schockiert von der Klarheit ihrer Worte», sagt der Mitarbeiter. Die Frage stellt sich: Wie kann eine psychisch kranke Person eine solch schreckliche Tat derart gefasst gestehen?

«Auch mit psychisch kranken Menschen kann man normal reden»

Telebasel fragt eine, die es wissen muss: Simone Hänggi ist leitende Ärztin der forensischen Klinik in der Psychiatrie Baselland. Sie begutachtet im Auftrag der Justiz regelmässig Straftäter mit Verdacht auf psychische Krankheiten: «Dass jemand Wahnvorstellungen hat, muss nicht zwingend auffallen. Gerade, wenn nur kleine Teile einer Kommunikation vorliegen, kann das ganz normal klingen, selbst wenn die Person etwas von der Tat erzähle». sagt sie Telebasel.

Dass A.T. am Telefon also klare Gedanken fassen konnte, lässt keine zwingenden Rückschlüsse auf ihren psychischen Zustand zu. «Auch mit verwirrten Personen kann man teilweise noch ganz normal reden». Dennoch liefern die Aussagen der Rentnerin Hinweise auf ein mögliches Tatmotiv. Und es stellt sich die Frage, ob A.T. möglicherweise das Unrecht ihrer Tat trotz psychischer Krankheit einsehen konnte. Dann wäre sie zumindest teilweise schuldfähig.

Wussten Behörden vom Vorhaben der Täterin?

Sind die Aussagen der 75-Jährigen wahr, so hat sie sich möglicherweise hilfesuchend an ein Amt gewendet, wurde da aber nicht gehört. Welche Behörden meint die Täterin, wenn sie sagt, man habe ihr nicht zugehört? Hat sie ihre Tat gegenüber einem Amt gar einmal angekündigt? Warum wurde sie aus der Wohnung geschmissen? Was passierte nach dem Rausschmiss? Wurde sie danach entsprechend betreut? Viele Fragen bleiben weiterhin ungeklärt.

Fokus richtet sich auch auf Beistand

Bisher war einzig bekannt, dass A.T. bei den Behörden kein unbeschriebenes Blatt ist. Telebasel berichtete bereits, dass A.T. Schulden in der Höhe von rund 100‘000 Franken angehäuft hatte. Nach einem Konkursverfahren wurde sie spätestens 2008 sogar bevormundet.

Gemäss «Blick» habe die Frau sogar eine psychiatrische Vorgeschichte. Ein Insider lässt sich zitieren, dass die Frau an einer Persönlichkeitsstörung leide, mit der man ihr ein eigenständiges Leben eigentlich nicht mehr zumuten dürfe: «Es scheint, als hätte der Vormund sie zu wenig begleitet. Die Frau wurde offenbar einfach sich selber überlassen.», sagt der Insider gegenüber «Blick». In Zusammenhang mit den Aussagen der Täterin richtet sich der Fokus also auch auf ihren Beistand. Ist er es, der ihr nicht zugehört hat? Oder hatte auch er keine Chance, die Tat zu verhindern?

Sozialdepartement gibt keine Auskunft

Der Telebasel Report hat das Basler Sozialdepartement WSU mit den neusten Erkenntnissen konfrontiert. Stimmt es, dass A.T. aus ihrer Wohnung geworfen wurde? Und hat sie deshalb vor der Tat versucht, sich beim Beistand Gehör zu verschaffen?

Doch das Amt schweigt. Man könne die Fragen aufgrund der Verschwiegenheitspflicht nicht beantworten, heisst es. Auch die Universitäre Psychiatrische Klinik Basel (UPK) muss sich Fragen gefallen lassen: Stimmt es, dass A.T. dort bereits vor ihrer Tat in psychiatrischer Behandlung war? «Kein Kommentar», lässt die Medienstelle mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht ausrichten.

Noch immer ist also unklar, warum die 75-jährige A.T. den 7-jährigen Ilias so brutal getötet hat. Solange das Resultat der psychiatrischen Begutachtung noch nicht bekannt ist, bleibt auch unklar, wie glaubhaft die Aussagen der Täterin gegenüber Telebasel tatsächlich sind. Das Gutachten dürfte auch darüber entscheiden, ob die Frau ins Gefängnis muss, oder ob ihre Strafe zugunsten einer psychiatrischen Behandlung aufgeschoben wird.

*Initialen geändert

2 Kommentare

  1. Wenn Ihr schon so umfangreiche Recherchen macht dann bitte richtig.
    Heisst die Frau S.Häring oder S.Hänggi wie beschriftet. Und bitte Leitende Aeztin und nicht leiteneReport

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Auch interessant